Liebe Leserinnen und Leser,

Die Zeiten werden nicht ruhiger. Wir stellen – nach einem Rückgang der Wirtschaftskriminalität in unserer letzten Studie – einen erneuten, wenn auch nur leichten Anstieg auf das Niveau von 2011 fest. 51 % der Unternehmen waren im vergangenen Jahr von Wirtschaftskriminalität betroffen. Das digitale Zeitalter bringt neue Kriminalitätsformen mit sich. Berücksichtigen wir auch die Anzahl der Verdachtsfälle, so sind bestimmte Risiken durch Cyberkriminalität doppelt bzw. dreimal so hoch. Nach den Fallberichten der befragten Unternehmen sind vermutlich 30 % der externen Täter der Organisierten Kriminalität zuzuordnen, wenn es um Angriffe auf Daten und Know-how des Unternehmens geht. 40 % der forschungsintensiven Unternehmen zögern wahrscheinlich auch deshalb beim Schritt in Richtung Industrie 4.0, weil mit der wachsenden digitalen Vernetzung zugleich das wahrgenommene Bedrohungspotenzial von E-Crime zunimmt.

Compliance-Druck in der Zulieferkette

Nur die wenigsten Unternehmen stufen die Haftungsrisiken innerhalb ihrer Branche nahe null ein. Das Thema Compliance ist wohl auch aus diesem Grund eine Selbstverständlichkeit. 76 % der befragten Unternehmen verfügen über ein Compliance-Management-System (CMS) und bei weiteren 13 % befindet sich dieses in der Planung. Bei Großunternehmen mit mehr als 10.000 Mitarbeitern ist es schon die Regel: 96 % haben bereits ein CMS eingeführt.

Marktmechanismen haben hier das Regime übernommen. Den meisten Unternehmen ist es zunehmend wichtig geworden, dass auch ihre Lieferanten und Dienstleister über ein CMS verfügen. Der Druck in der Zulieferkette geht vor allem von Großunternehmen aus.

Wertemanagement in den Anfängen

Es mehren sich die Anzeichen, dass Unternehmen ihre anfänglich vielfach eher auf Regelkonformität basierende Unternehmenskultur hin zu einer wertebasierten Kultur entwickeln. Viele Unternehmen nannten als Werte, die ihre Kultur am stärksten kennzeichnen, unter anderem Integrität, Verbindlichkeit, Vertrauen, Transparenz und offene Kommunikation.

Zudem zeigte sich, dass es Unternehmen auch in schwierigen Märkten wie China gelingen kann, ihr Compliance-Programm umzusetzen. Die Herausforderungen in diesen Märkten sind jedoch erheblich.

Unternehmen aufgeschlossen gegenüber Rechtsreformen

Dem im November 2015 neu gefassten Straftatbestand zur Bekämpfung der Bestechlichkeit und Bestechung im geschäftlichen Verkehr steht die Mehrheit der befragten Unternehmen aufgeschlossen gegenüber. Durch die Reform des § 299 StGB droht Mitarbeitern nicht nur bei Formen von Korruption in einer Wettbewerbssituation eine Strafverfolgung, sondern auch dann, wenn sie gegen Compliance-Vorgaben ihres Unternehmens verstoßen. Vor allem in der Gruppe der Unternehmen, die über ein entwickeltes CMS verfügen, hält jedes vierte Unternehmen eine Reform für sinnvoll und fast jedes zweite für überlegenswert.

Compliance-Audit noch nicht selbstverständlich

Die Studie zeigt eine klare Tendenz zur Bereitschaft, sich gegen Risiken von herkömmlicher Wirtschaftskriminalität und E-Crime zu wappnen. Compliance-Management- und auch IT-Risk-Management-Systeme gelten heute als Best Practice. Es bedarf jedoch auch einer unabhängigen Bewertung der Qualität dieser Präventionsmaßnahmen. Hier besteht weiterhin erheblicher Nachholbedarf.

Wir würden uns freuen, wenn Sie unter diesen und zahlreichen weiteren neuen Themen unserer aktuellen Studie nützliche, unterhaltsame und spannende Anregungen entdecken.

    Bildnachweis: PwC

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