Kolumne

Voller Zuversicht in die Zukunft

Egal ob Big Data, Industrie 4.0 oder Cloud Computing: Digitale Technologien haben inzwischen sämtliche Lebensbereiche durchdrungen. Der digitale Wandel hält dabei nicht nur im Privaten Einzug, sondern verändert nachhaltig, wie wir arbeiten. Die Frage nach der Zukunft von Arbeit steht damit inmitten einer gesellschaftspolitischen Debatte über die Chancen und Risiken der Digitalisierung. Denn was manche als den zukünftigen Beschäftigungsmotor deuten, birgt für andere die Furcht vor Arbeitsplatzverlust durch zunehmende Automatisierung und einen Anstieg an prekären Beschäftigungsverhältnissen.

Fest steht, die Digitalisierung treibt den technologischen Fortschritt und führt den Arbeitsmarkt in eine neue Ära. Die technischen Errungenschaften der Vergangenheit machten Arbeit leichter und effizienter. In Zukunft werden intelligente Maschinen und Systeme den Menschen dabei mehr und mehr gänzlich ablösen können.

Aber was bedeutet das für unser heutiges Verständnis von Arbeit – und für die Menschen, die ihr nachgehen? Finden wir in hinreichender Zahl neue, anspruchsvolle Tätigkeiten und können alle Arbeitnehmer dafür ausreichend qualifizieren? Diese Entwicklungen sind komplex und schreiten in stetig wachsender Geschwindigkeit voran.

Was also können und müssen wir tun, um diesen Kurs neu auszurichten? Als erstes können wir dem Reflex widerstehen, die Digitalisierung als Teil des Problems zu verteufeln. Anstatt darauf zu drängen, die Transformation auszubremsen, sollten Politik und Gesellschaft diese aktiv beschleunigen und mit entsprechenden Maßnahmen begleiten. Denn wer im globalen Wettbewerb erfolgreich sein will, muss die Möglichkeiten nutzen, die die digitale Welt zu bieten hat.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Ein Blick zurück zeigt: Nur durch die Entwicklungsfortschritte der vergangenen Jahrzehnte etwa hat die überwiegende Mehrheit der Menschheit Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Sterblichkeitsrate konnte gesenkt und viele Menschen aus tiefster Armut befreien werden. Und nur durch Fortschritt bekommen wir die nötige Inspiration zur Lösung von noch schwierigeren und komplexeren Problemen. Denn viel riskanter als eine schnelle Verbreitung neuer Technologien ist das Ausbleiben von eben solchen. Um das zu verhindern, müssen wir schnell agieren: Aus einer starken Position heraus können wir neue Herausforderungen identifizieren und lösen – und aufbrechen in eine neue Zeit.

<p><span class="color--themed">HARALD KAYSER</span>&nbsp;wird zum 1. Juli 2018 neuer Senior Partner und Vorstandsvorsitzender der PwC Europe SE. In dieser Funktion ist er verantwortlich für Operations, das Finanzwesen und die digitale Transformation. Er ist ferner Mitglied des globalen Network Operations Leadership Teams. Zuvor verantwortete er von 2010 bis 2015 als Assurance Leader das deutsche Prüfungsgeschäft von PwC. Als Wirtschaftsprüfer betreut Harald Kayser seit 25 Jahren globale Konzerne, insbesondere aus dem Automobil- und Technologieumfeld.</p>

HARALD KAYSER wird zum 1. Juli 2018 neuer Senior Partner und Vorstandsvorsitzender der PwC Europe SE. In dieser Funktion ist er verantwortlich für Operations, das Finanzwesen und die digitale Transformation. Er ist ferner Mitglied des globalen Network Operations Leadership Teams. Zuvor verantwortete er von 2010 bis 2015 als Assurance Leader das deutsche Prüfungsgeschäft von PwC. Als Wirtschaftsprüfer betreut Harald Kayser seit 25 Jahren globale Konzerne, insbesondere aus dem Automobil- und Technologieumfeld.

Folgende Denkanstöße rund um die Frage, was konkret getan werden muss, um als Gesellschaft insbesondere die Transformation des Arbeitsmarktes zu bewältigen, habe ich mit PwC-Kollegen erarbeitet und mit Vertretern von weltweit führenden Universitäten und Think Tanks bei einem G20-Vorbereitungsgipfel in Berlin geteilt:

Regierungen müssen der Komplexität des digitalen Wandels und den sogenannten „Schwarzen Schwänen“ – Ereignisse, die nicht vorhersehbar sind und alle Beobachter und Beteiligten absolut unvorbereitet treffen – strategisch begegnen. Dafür sollten sie geeignete Technologien ähnlich wie Unternehmen nutzen. Relevant wird das unter anderem bei der Frage, wie Bürger in Zukunft leben möchten. Als Empfehlung an die G20 habe ich mich für die Gründung eines „Zukunftsinstituts“ (Foresight Institut) auf globaler Ebene ausgesprochen, das auch auf lokaler Ebene Forschungs-Know-how bereitstellt, um spezielle lokale Probleme dezentral und situationsabhängig lösen zu können.

Wenn die Transformation des globalen Arbeitsmarktes gelingen soll, wird es ebenso unabdingbar sein, dass Regierungen die Auswirkungen der Digitalisierung verstehen und Konsequenzen ziehen können. Denn die Digitalisierung wird unsere Arbeitsmärkte fundamental umwälzen. AirBnB hat es vorgemacht und ist am Kapitalmarkt doppelt so hoch bewertet wie die Hotelkette Hilton – beschäftigt aber im Vergleich nur ein Prozent so viele Mitarbeiter und besitzt keine wesentlichen Assets.

Der „Silver collar worker“ an Arbeitsplätzen wird bald – als gänzlich autonome Maschine oder auch Prozess, der nur noch am Rande die Steuerung durch Menschen bedarf – zunehmen und Arbeiter ablösen. Aber dadurch ergeben sich nicht nur Risiken, sondern auch Chancen: Neue komplexe Tätigkeiten werden entstehen, die Maschinen nicht ausführen können – ebenso wie solche, für die intuitive Fähigkeiten in einer Form notwendig sein werden, wie sie nur von Menschen geleistet werden kann. Investitionen in die Forschung über Arbeitsmärkte mit Hilfe von Big Data Analytics werden ein wichtiger Schritt sein, der es Städten und Gemeinden erlaubt, in diesem Umfeld die richtigen Investitionsentscheidungen zu treffen: mit dem Ziel, Bildung zielgerichtet zu fördern und Investitionsanreize für Unternehmen und Start-ups zu schaffen.

Der Fokus auf die Mensch-Maschine-Interaktion ist ebenso entscheidend. Denn so wie es vor 15 Jahren weder Social Media Manager, noch Chief Digital Officer gab, müssen sich Unternehmen in Zukunft darauf einstellen, neue und kreative Tätigkeitsbeschreibungen zu entwickeln. Der Übergang hin zu einer eng vernetzten Zusammenarbeit von Mensch und Maschine wird nicht ohne Reibung vonstattengehen. Neben Fragen wie: „Ist ein selbstfahrendes Auto wirklich sicher?“ Und: „Wie ist es um unsere Datensicherheit im Netz bestellt?“ sehen wir bereits heute, dass dieser radikale Umbruch nicht für alle angenehm ablaufen wird. So begeistert die Sharing Economy nicht nur die Generation Y, sondern disruptiert durch ihre wachsende Kundenschar ganze Branchen: Der weltgrößte Fahrdienst-Vermittler UBER besitzt kein einziges Taxi, so wie Airbnb, weltweit größter Anbieter von Unterkünften, keine eigenen Immobilien besitzt. Die Auswirklungen auf den Arbeitsmarkt sind deutlich erkennbar. Tausende von Taxifahrern gingen in Europa auf die Straße, um gegen die niedrigen Fahrpreise und den Marktzugang für nicht-lizenzierte Taxifahrer und Fahrzeuge zu demonstrieren. Ebenso erschweren Anbieter wie Airbnb der Hotelbranche aber auch den Stadtbewohnern das Leben, die immer aggressiver gegen das Wohnungsportal vorgehen. Klar ist, diese Kinder der Digitalisierung verändern unsere Möglichkeiten zu arbeiten und zu leben massiv und umfassend.

Um den Wandel in der Arbeitswelt aber so menschenwürdig wie möglich zu gestalten, ist es sinnvoll, die Erlernung von technischen Fähigkeiten in die schulische und universitäre Ausbildung mit einzubinden. Ebenso müssen ethische Standards für die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine etabliert werden, sowie freier Zugang zu einem globalen Arbeitsmarkt, um Arbeitnehmern so Zugriff zu allen weltweit offenen Stellen zu ermöglichen.

Letztlich kann nur die Beschleunigung des Fortschritts der Weg zu mehr weltweitem Wohlstand sein, nicht dessen Regulierung. Auch wenn der immer schneller voranschreitende technologische Fortschritt zunächst kontraintuitiv scheint und das Gefühl von Kontrollverlust vermittelt. Auf die Frage, wie dieser Angst begegnet werden kann, lautet die Antwort ganz klar: durch Investition in Forschung und Entwicklung. Und zwar in Universitäten und kleine private Unternehmen, die neue, den Wohlstand mehrende Arbeitsplätze hervorbringen. Ebenso wichtig ist es langfristige und/oder hoch-riskante Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu fördern, da diese üblicherweise nicht so attraktiv für private Unternehmen sind und seltener unterstützt werden.

Bei der Suche nach Lösungen dafür, wie mit den Herausforderungen der Digitalisierung am besten umgegangen werden kann, darf zu guter Letzt ein Punkt nicht vergessen werden: Technologie entwickelt sich schnell, aber unsere Kultur benötigt ausreichend Zeit, um sich an neue Gegebenheiten anzupassen. Unternehmen wie auch Regierungsinstitutionen müssen sich deshalb langfristig und mit Weitblick aufstellen. Sie dürfen dabei gleichzeitig nicht die Notwendigkeit außer Acht lassen, die Anpassung an das sich wandelnde Umfeld stetig voranzutreiben. Es ist erfolgskritisch, beide dieser scheinbar gegenläufigen Ziele im Blick zu haben – und gleichzeitig die oben genannten Maßnahmen umzusetzen, um den Wandel wirksam begleiten und führen zu können. Nur dann können wir alle voller Zuversicht in die Zukunft blicken.

Bildnachweis: Mark Bridger/GettyImages, PwC

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