Berechnung des Ichs

Ob Vasco da Gama oder Alexander von Humboldt, ob Jeanne Baret oder Ferdinand Magellan – Ziel aller großen Entdecker war es, die Welt immer besser zu verstehen. Und dazu gehörte es auch, sie zu vermessen und mit Zahlen, Daten und Fakten zu beschreiben. Auch mit den Apps, Trackern und Tools, mit denen sich die Menschen heutzutage selbst vermessen und ihre Gewohn- und Eigenheiten quantifizieren, nehmen wir uns selbst unter die Lupe. Im Gegensatz zu früher können die Ergebnisse dieser Einzelmessungen auf Knopfdruck aggregiert, analysiert und kombiniert werden: Die Digitalisierung und die dafür notwendigen Algorithmen machen es möglich.

Die zunehmende (Selbst-)Vermessung des Menschen fördert jedoch nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse zutage, sondern hat wirtschaftliche und persönliche Auswirkungen. Immer mehr Autoversicherungen bieten günstigere Tarife an, wenn sie das Fahrverhalten ihrer Versicherten durch Telematik überprüfen können und forsche Fahrer höher bepreisen. Krankenversicherungen belohnen einen gesunden Lebensstil mit einem Bonus. Der US-Konzern Facebook bezahlte Jugendlichen rund 20 Dollar pro Monat, um mehr oder weniger uneingeschränkten Einblick in ihre Smartphoneaktivitäten zu erhalten – und wer als Uber-Fahrer von seinen Fahrgästen im Durchschnitt mit weniger als 4,6 von 5 Sternen bewertet wird, riskiert den Jobverlust, eBay-Verkäufer mit überdurchschnittlich positiven Bewertungen hingegen sparen bei den Verkaufsgebühren.

Für den Einzelnen sind Zahlen und Daten inzwischen sogar ein persönlichkeitsbildendes Merkmal: Bewertungen, Freunde, Follower, Likes und Comments sind zu Währungen geworden, die einen Menschen im Hinblick auf Bekanntheit, Reputation mehr oder weniger wertvoller machen. Anders formuliert: Ob Alexander von Humboldt heute, 250 Jahre nach seiner Geburt, seine Forschungsreisen noch finanziert bekäme – das hinge womöglich von seinen Referenzen bei LinkedIn, den Amazon-Sternen seiner Veröffentlichungen oder der Zahl seiner Follower bei Twitter ab.

next: hat sich auf die Suche nach dem Wert des Menschen gemacht und Erstaunliches, Erschreckendes und Erkenntnisreiches zutage gefödert.

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