Interview

„Erst das Bewusstsein ändern“

Was zeichnet Plattformökonomien aus?
Sie agieren intermediär, dadurch unterscheiden sie sich stark von den herkömmlichen linearen und pipelineorientierten Geschäftsmodellen. Indem sie mit digitalen Technologien mehrere Marktteilnehmer miteinander vernetzen, vereinfachen sie deren Transaktionen, erhöhen die Transparenz und senken gleichzeitig die Transaktionskosten. Der Nutzen des sogenannten Netzwerkeffekts steigt dabei in etwa quadratisch zur Teilnehmerzahl. Die Plattformfirmen verfügen dabei gar nicht mehr über die eigentlichen Produktionsfaktoren. Stattdessen organisieren und kontrollieren sie die Schnittstelle zu den Kunden. Sie sind die neuen „Matchmaker“ – und das höchst erfolgreich.

Wie schätzen Sie das Disruptionspotenzial dieser neuen „Himmelsstürmer“ für die deutsche Wirtschaft auf Sicht der nächsten fünf Jahre ein?
Die Geschäftsmodelle und Branchen werden sich ändern, aber damit das möglich ist, muss sich erst das Bewusstsein ändern. Viele Führungskräfte und Manager können mit dem Begriff Plattformökonomie noch wenig anfangen. Dabei hat die deutsche Wirtschaft branchenübergreifend das Potenzial, hier vorne mitzuspielen. Im Maschinen- und Anlagenbau, also in Industriebereichen, in denen sich die deutsche Wirtschaft seit jeher durch eine hohe Wertschöpfung auszeichnet, sind die Voraussetzungen sehr gut, um eigene Plattformen international zu etablieren. Aber auch beim Thema Datenökonomie haben wir das Zeug, als Plattformplayer wahrgenommen zu werden.

Was sollten Unternehmen jetzt tun, um mit eigenen Plattformen das Optimum an Wertschöpfung zu erzielen?
Diese Plattformen müssen alle Branchen und Industrien erreichen. Wer sich hier an die Spitze setzt, wird den Markt dauerhaft dominieren. Die neuen Wettbewerber kommen nicht aus angestammten Branchen, sondern sind Quereinsteiger wie Airbnb oder Uber. Der Ausgangspunkt für alle Firmen ist eine Plattformstrategie. Und hier müssen sie entscheiden, ob sie Teilnehmer, Spieler oder Betreiber einer Plattform sein wollen. Das Ganze muss als unternehmensübergreifende Thematik klar auf der obersten Managementebene verankert sein. Erfolgsentscheidend ist eine hohe Affinität zur Technologie, egal ob es sich um maschinelles Lernen, künstliche Intelligenz oder Blockchain handelt. Damit einher geht die kulturelle Neupositionierung in dem Sinne, dass ein Unternehmen nicht mehr vom Produktgedanken geleitet wird, sondern von der Anforderung, welchen Nutzen und Mehrwert die Kunden erwarten.

Bildnachweis: © PR

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