Interview

„Den Unternehmergeist der Mitarbeiter beleben“

Herr Dr. Kress, warum sprechen Sie im Kontext von Henkel X über Moonshots?
Beim digitalen Wandel geht es nicht nur darum, bestehende Produkte und Prozesse zu optimieren, sondern auch darum, völlig neue, disruptive Ideen zu erkennen und zu entwickeln. Solche ‚Moonshots‘ sind, im technologischen Kontext betrachtet, ambitionierte, explorative und bahnbrechende Projekte, welche ohne jegliche Erwartung an eine kurzfristige Rentabilität oder eines Nutzens und möglicherweise auch ohne eine vollständige Analyse der potenziellen Risiken und Vorteile durchgeführt werden. Eine weitere Besonderheit der Moonshots ist ihre Spanne der Betrachtung, die weit über das aktuelle Marktumfeld hinausgeht – und zwar fünf bis zehn Jahre!

Welche konkreten Ziele verfolgen Sie mit Henkel X?
Mit Henkel X als Ökosystem beschleunigen wir die Transformation und den kulturellen Wandel. Mein Ziel ist es, den Unternehmergeist der Henkel-Mitarbeiter wieder zu beleben. Langfristig geht es darum, Henkel X als Plattform für die Kooperation bei digitalen Innovationen in Europa und darüber hinaus zu etablieren.

In der Praxis bedeutet das: Sie wollen über digitale Kanäle neue Geschäftsfelder erschließen?
Wir wollen zum Beispiel unsere Kundenbeziehungen intensivieren und damit die Wettbewerbsfähigkeit steigern. Dabei wenden wir uns nicht gleich mit neuen Vertriebskanälen im Amazon-Stil an die Endkunden. Uns geht es vor allem darum, engere Beziehungen zu den Zielmärkten aufzubauen. Etwa, indem wir Trends und Einkaufsverhalten analysieren und veränderte Kundenwünsche auswerten.

Was sind die einzelnen Etappen Ihres Moonshots?
Ganz am Anfang stehen zwei Fragen: Was ist der heutige digitale Reifegrad, und welche Chancen und Risiken gibt es in den Absatzmärkten? Davon ausgehend startet der Transformationsprozess. Konkret kann das in einem Bereich die bessere Kommunikation mit den Endkunden sein. In anderen Bereichen geht es dagegen mehr um die Entwicklung neuer Produkte und Geschäftsmodelle. Dabei greifen wir auf ein internationales Netzwerk von Experten zurück.

Wie rekrutieren Sie Talente für neue Geschäftsideen?
Um weltweit mit Bildungseinrichtungen zu kooperieren, haben wir ein „Institute of Entrepreneurship“ gegründet. Hier definieren wir zum Beispiel Herausforderungen für unsere Industrie, und die Studierenden konzipieren daraus Themen für ihre wissenschaftlichen Arbeiten. Oder wir arbeiten gemeinsam an Case Studies. Daraus entstehen großartige und spannende Ideen.

Und wie werden die Henkel-Mitarbeiter mit dem digitalen Wandel vertraut?
Unsere Mitarbeiter sind ganz entscheidend, und wir beziehen sie aktiv mit ein – durch interne Events, Workshops, einen internen Innovationswettbewerb, eine Mitarbeiter-App, um nur einige Beispiele zu nennen. Ein wichtiges Thema ist auch das „digital upskilling“ unserer Organisation. Hier arbeiten wir sehr eng mit unserer HR-Abteilung zusammen. Gerade haben wir eine neue Lernumgebung geschaffen, in der wir auf durchaus spielerische Art und Weise wichtige Themen rund um Digitalisierung vermitteln. Das neue Tool wird gerade intern gestartet.

Was wird Henkel X in diesem Jahr schon umsetzen?
Wir wollen Henkel X international ausrollen und in unseren Schlüsselmärkten außerhalb von Europa in Nordamerika, China und Indien etablieren. Außerdem werden wir unser Mentoren-Netzwerk erweitern. Dazu werden wir mit neuen Industriepartnern kooperieren, einige Wettbewerber inbegriffen, aber auch mit einem der weltweit größten Finanzinstitute.

Bildnachweis: © PR

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