Europameister

Bei der Fußballeuropameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine schied die polnische Nationalmannschaft noch sang- und klanglos in der Vorrunde aus. Auch gegen den großen Bruder Russland gelang Polen nur ein 1:1. Doch das internationale Event war für das mitteleuropäische Land auf einem anderen Spielfeld ein voller Erfolg: „Polen hat durch die Fußball-EM seine ohnehin schon gute Infrastruktur noch weiter ausgebaut. Das hat der seit Langem stabilen wirtschaftlichen Entwicklung einen zusätzlichen Schub versetzt“, so Daniel Kast, Partner und Osteuropa-Experte bei PwC Deutschland.

In der aktuellen PwC-Studie „Die Welt in 2050“ ist Polen sogar so etwas wie eine „Überraschungsmannschaft“. „Polen wird voraussichtlich die höchste durchschnittliche Wachstumsrate innerhalb der großen EU-Länder haben und selbst Russland in puncto langfristiges Wachstum überflügeln“, heißt es dort. Zum Vergleich: Den PwC-Berechnungen zufolge soll Polens Wirtschaft zwischen 2015 und 2050 im Schnitt um 2,5 Prozent wachsen, die Russlands demgegenüber um 2,1 Prozent, in Frankreich, Spanien und den Niederlanden sind es 1,9 Prozent, in Italien und Deutschland 1,5 Prozent.

Auch die aktuelle Business-Studie des „Economist“ attestiert den deutschen Nachbarn beste Voraussetzungen für eine weiter prosperierende Entwicklung. „Ein Programm mit weitreichenden Reformen für bislang regulierte Berufsfelder wurde auf den Weg gebracht, um die Wettbewerbsfähigkeit am Markt weiter zu verbessern“, heißt es dort. Die Einführung von Steuerbefreiungen wird vor allem den Bereich der kleinen und mittelständischen Unternehmen und Start-ups als Wachstumsmotor stärken. Im Rahmen der industriellen Revolution mit zunehmender Digitalisierung der Wirtschaft rückt Polen zusätzlich in den Mittelpunkt des Interesses für Unternehmen, die aufgrund steigender Kosten in asiatischen Ländern die Fertigung näher an die europäischen Märkte zurückverlagerten.

Der Schlüssel zum Erfolg Polens in den vergangenen 25 Jahren war einerseits die Entwicklung des Unternehmertums und andererseits die Wirtschaftspolitik, mit der solide Grundlagen für die finanzielle Stabilität des Landes geschaffen wurden. Die wirtschaftlichen Ergebnisse für die Jahre seit der Wirtschaftskrise sind auch ein Beweis für die Stärke und eine gesunde finanzielle Basis Polens. Als einziges Land in Europa ist Polen der Rezession entkommen und hat in den turbulenten Jahren 2008–2014 eine Gesamtwachstumsrate von 24 Prozent verzeichnet.

Die Aussichten auf eine Weiterentwicklung in den nächsten drei Jahren sind gut. Trotz politischer Unruhen in der Ukraine wird Polen durch seine EU- und Nato-Mitgliedschaft als ein völlig sicheres Land betrachtet. Besonders wichtig für Investoren: „Das Funktionieren des Rechtsstaats und der soziale Frieden scheinen völlig unbedroht zu sein, auch wenn sie von den in einer Demokratie üblichen Auseinandersetzungen begleitet werden“, so PwC-Experte Daniel Kast. „Verträge sind einklagbar und die Rechtssicherheit ist vergleichbar mit der in Deutschland.“

Die Wirtschaft Polens ist inzwischen stark mit dem Weltmarkt verflochten und zeichnet sich durch eine gute Dynamik und Wettbewerbsfähigkeit aus. Mit einem Handelsüberschuss zeigt sie sich auch immun gegen die Turbulenzen auf dem globalen Finanzmarkt. „Die Währung bleibt stark, und die Arbeitsproduktivität, vor allem in der Industrie, steigt systematisch schneller als die Löhne“, so Kast. „Selbstverständlich hat das Wirtschaftsumfeld Verbesserungspotenzial. Aber die Regierung hat die Steigerung der Innovationsfähigkeit polnischer Unternehmen bereits auf hohe Priorität gesetzt.“ Als besonders wachstumsstark erwiesen sich zuletzt die Branchen Automobil (Autos und Busse), Bauindustrie, Computerspiele, Lebensmittel, Möbel sowie Werften und Jachtbau.

Und wer weiß – vielleicht schaffen es die polnischen Fußballer 2018 bei der Fußball-WM in Russland bereits, den großen Bruder auch sportlich zu überholen.

Bildnachweis: A. Aleksandravicius/GettyImages

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