Interview

„Menschliche Interaktion fördern – als Ausgleich zur Digitalisierung“

In Ihrer schon weitgehend digitalisierten Fabrik wird trotzdem noch oft auf herkömmliche Weise gearbeitet. Wird das so bleiben? Welche Rolle haben Sie für die Menschen angedacht?
Die Mitarbeiter standen und stehen auch künftig im Mittelpunkt. Wir werden die kreativen Menschen auch in den nächsten Jahren noch brauchen. Aber ihre Arbeit ändert sich in Bezug auf die Bedienung der Maschinen, denn Entscheidungen werden zunehmend auf der Grundlage von Informationen getroffen, die wir von den Maschinen zur Verfügung haben. Daher müssen unsere Mitarbeiter höher qualifiziert sein, um mit komplexeren Situationen besser umgehen zu können.

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Wie wird sich das Miteinander von Mensch und Maschine nach Ihrer Vorstellung entwickeln?
Wir stehen vor der Herausforderung, das zu kombinieren. Wir fertigen speziell komplexe kundenspezifische Produkte. Vor allem da, wo wir Kunden helfen, Innovation voranzutreiben, hat die Digitalisierung ihre Grenzen. Wir fördern daher vor allem das Teamplay: Wir möchten, dass die Menschen miteinander agieren. Wir wollen diese Interaktion auch fördern als Ausgleich zur Digitalisierungswelle. Auch im Silicon Valley heißt das Credo: Wenn du nicht nah bei den Menschen bist, bist du raus. Man muss von Kollege zu Kollege miteinander sprechen können. Unser Wettbewerbsvorteil besteht ja gerade darin, dass unsere Mitarbeiter Lösungen finden, die andere nicht gefunden haben.

Wie unterstützen Sie diese Interaktionsmöglichkeit?
Wir haben hier nicht von ungefähr viele große Glasfronten. Die ermöglichen Nähe und stellen eine große Transparenz her. Und wir haben bei der Konzeption des Werks darauf geachtet, dass Menschen sich begegnen. Wir fördern aktiv den Austausch der Mitarbeiter, bei allen Vorteilen der Digitalisierung. Es geht zur Haptik, wir wollen Dinge noch anfassen können. Bei aller Effizienzsteigerung muss man auch den Rückzugsraum und die Ruhe haben, um Freiheit für Kreativität zu bekommen. Das ist eine der großen Herausforderungen, wie wir täglich sehen. Der Mensch sollte weniger der Getriebene als der Treiber sein.

Bildnachweis: Sammlung Behr/Bilderbuch Düsseldorf, Wittenstein SE/PR(5)

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