Tickende Technologie-Thriller

Wenn Sie sich an einen Science-Fiction-Thriller setzen – was ist zuerst da? Die Science, die Fiction oder der Thriller?
In dieser Reihenfolge. Ich beginne mit einer Technologie und denke sie durch: Wie sieht die Welt aus, wenn diese Technik sich bis zur Perfektion weiterentwickeln kann? Dann kommt die Geschichte dazu: Welche Konflikte oder Verbrechen sind in diesem Szenario möglich? Und schließlich noch das Thriller-Element: Ja, es wird eine tickende Bombe geben, und ja, sie wird kurz vor der Explosion vom Helden entschärft.

In „Drohnenland“ beispielsweise geht es um ein praktisch perfektes Überwachungssystem – und düstere Mächte, die es ausschalten. Wie bastelt man so was?
Die Technologie ist am einfachsten. Das geht mit der klassischen Technik der Extrapolation: eine radikale Weiterentwicklung, unbehindert von technischen Problemen und politischen Bedenken.

Also so wie jetzt gerade in China?
Als ich „Drohnenland“ schrieb, dachte ich, die dort geschilderte Welt sei noch 40 Jahre entfernt. Aber in China wird sie gerade fast 1:1 Wirklichkeit. Was wieder zeigt, wie schnell technischer Fortschritt sein kann, wenn der politische Wille dafür vorhanden ist. Viel schwieriger war es, für das Buch das Verhalten von Gesellschaften und von einzelnen Personen zu prognostizieren. Müssten sich die Menschen nicht furchtbar darüber aufregen, dass sie jederzeit und überall überwacht werden? Meine These war: Nein – gerade durch die Allgegenwart verdrängt das Gehirn die Überwachung eher. Auch das wird durch die Entwicklung in China bestätigt. 

Manche Science-Fiction-Erzählungen malen Zukunftsbilder, die auch wieder Rückwirkungen auf die Realität haben, wie beispielsweise George Orwells „1984“. Denken Sie beim Schreiben auch an solche Effekte?
Eigentlich nicht. Die Wirkungsmächtigkeit der eigenen Texte zu prognostizieren, ist fast unmöglich. Und wenn man die erwünschte Wirkung beim Schreiben gleich mitdenkt, schreibt man keinen Roman, sondern eine Streitschrift. Das merken die Leser – und es wird ihnen nicht gefallen.

Bildnachweis: DAVIDS/Filmarchiv Wippitsch

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