Blutige Köpfe

Der Mensch ist ein Spielkind und der Ball sein Gerät: Bereits im alten China wurde vor unserer Zeitrechnung mit Lederbällen eine Art Fußball gespielt. Diese Bälle waren mit Federn und Tierhaaren gefüllt. Erst später, zwischen den Jahren 200 und 700, wurde dort ein luftgefüllter Ball erfunden. Und auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán fanden Archäologen mehr als 500 Ballspielplätze der Maya. Allerdings: Das Ballspiel der Maya war weder Sport noch Freizeitvergnügen wie Fußball oder Basketball bei uns. Es war eine religiöse Handlung zu Ehren der zahlreichen Götter der Maya – und endete fast immer mit einem blutigen Menschenopfer.

Die ersten in sportlichen Wettbewerben der Neuzeit bespielten Fußbälle – wie etwa der aus dem englischen Cup-Finale von 1903 – waren auch noch nicht sonderlich rund oder elastisch. Sie bestanden aus luftgefüllten Schweinsblasen, die von einer Lederhaut umgeben waren, und hatten eine eher oval anmutende Form, wie der amerikanische Football. Einen ersten technologischen Schub erfuhr der Fußball erst nach der Erfindung eines Lösungsmittels für Kautschuk. So war es möglich, wasserdichte Gummischläuche herzustellen. Wirklich rund waren die Bälle dann allerdings immer noch nicht. An der Stelle, wo man den Schlauch mangels eines geeigneten Luftventils verschnüren musste, blieb ein kleiner „Hubbel“, der beim Kopfball-Kontakt oft zu bösen Verletzungen führte.

In den 1930er-Jahren wurde in Lionel Messis Heimat in Argentinien die Blase mit Ventil erfunden. Doch ein großer Nachteil blieb nach wie vor: Das unbehandelte Leder sog sich bei Regen mit Wasser voll. Bis zum Ende der 1960er-Jahre waren die Fußbälle aus vernähten Lederstreifen gefertigt und mit einer Schweinsblase gefüllt. Außerdem entschied bis zur WM 1970 immer der Gastgeber, mit welchem Fußball gespielt wird. Dass Uruguay 1930 Weltmeister wurde, wird auch darauf zurückgeführt, dass sie in der 2. Halbzeit ihren Ball einsetzen durften.

Seit 1958 verfügen die Bälle über einen Namen, der eine enge Verbindung zum Gastgeberland herstellte. 1970 kam der „Telestar Durlast“ von Adidas in Mexiko als erster offizieller FIFA-Fußball zum Einsatz. Dieser bestand aus zwölf Fünfecken und 20 Sechsecken. Ein von der FIFA eingeführtes Gütesiegel garantiert seitdem Mindestnormen hinsichtlich der Qualität und Eigenschaft. Richtig rund soll er auch sein, deshalb wird er in Labors vermessen, und im Windkanal werden die Flugeigenschaften getestet.

Bildnachweis: J.Bedmar/Interfoto/Photoaisa

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