„Es wird besser“

Fußball ist nicht korrupter als andere Lebensbereiche“, meint Sylvia Schenk, Leiterin Arbeitsgruppe Sport bei Transparency Deutschland. Die frühere Leichtathletin, Juristin und Frankfurter Kommunalpolitikerin engagiert sich seit Jahren für einen „sauberen“ Sport. Allerdings gehe es beim Fußball um noch mehr Geld und noch mehr Macht als in den meisten anderen Sportarten, räumt Schenk ein: „Zumindest in unseren Breiten. In Indien gilt der Nationalsport Kricket als besonders korrupt.“

Drei Themenbereiche haben die Transparency-Experten beim Fußball im Auge. Einmal die Vergabe von Großveranstaltungen an bestimmte Länder und die Beauftragung der dafür nötigen Bauten. Dann die Führungskultur in den Sportverbänden mit allen Aspekten: Wahl der Funktionäre, Spieler-Transfers, Auftragsvergabe, Verkauf von TV-Rechten oder Abschluss von Sponsoring-Verträgen.

„Fußball ist nicht korrupter als andere Lebensbereiche.“

Sylvia Schenk, Transparency Deutschland

Drittens – und für Fußballfans vielleicht am bedeutendsten – die Manipulation der Fußballspiele oder die Vorfestlegung der Ergebnisse (Match-Fixing). Letzteres kann entweder vergleichsweise harmlos als „Saisonende-Phänomen“ daherkommen: Spieler eines Vereins, der nichts mehr zu verlieren hat, schustern einem anderen Verein die Punkte zu, die er noch dringend braucht – natürlich gegen Geld. Oder die organisierte Kriminalität hat ihre Finger im Spiel, über Sportwetten im Internet auf die Ergebnisse noch so abseitiger Fußballspiele, die dann mithilfe bestochener Spieler oder Schiedsrichter beeinflusst werden. Hierzu gibt es in Deutschland seit 2017 ein neues Gesetz, das bis zu fünf Jahre Haft für solche Regelverstöße vorsieht.

Doch auch die Verbände selbst haben begonnen aufzuräumen, angestoßen von der in diesen Dingen besonders strengen US-Justiz. Selbst beim als durch und durch korrupt geltenden Weltfußballverband FIFA in Zürich hat seit 2012 ein Prozess der Veränderung begonnen, mit neuen Statuten, neuem Führungspersonal, einer Ethikkommission, zuletzt mit der Veröffentlichung des „Garcia-Reports“ zu den Vergaben der Fußball-Weltmeisterschaften in Russland und Katar. „Von außen betrachtet, hat man das Gefühl, dass es unter der neuen Führung eher Rückschritte gibt“, meint allerdings PWC-Korruptions-Experte Lars-Heiko Kruse. „Es fehlen aus meiner Sicht klare Konsequenzen aus dem ,Garcia-Report‘.“

Transparency-Expertin Schenk verteidigt das langsame Vorankommen: Anders als der Siemens-Konzern nach seinem Korruptionsskandal könne eine Organisation wie die FIFA mit 211 Mitgliedern aus unterschiedlichsten Kulturen, mit Delegierten und nationalen Sportverbänden als eigene Rechtspersönlichkeiten ein Compliance-Programm nicht einfach „ausrollen“. Der Umgang mit Interessenkonflikten müsse langwierig vermittelt und eingeübt werden. Trotz aller Rückschläge und immer neuer Enthüllungen gibt sich Schenk optimistisch: „Die alten Sachen kommen hoch. So viel Neues kommt nicht nach. Es wird besser.“

Bildnachweis: Caro Muhs/Fotofinder(4), AFP Contributor/GettyImages, Jochen Zick/Keystone Pressedienst

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