3,40 Meter hoch, 800 Kilo schwer: Auf seiner Heimatinsel Madeira steht die Bronzestatue, die auf Initiative des von CR7 finanzierten Ronaldo-Museums errichtet wurde. Sie zeigt ihn in seiner berühmten Pose, bevor er zum Freistoß anläuft.

Das Phänomen Cristiano Ronaldo

Cristiano Ronaldo dos Santos Aveiro war Jugendspieler bei Sporting Lissabon, als er auf die Frage, was er später im Leben erreichen wolle, nicht das Naheliegende antwortete. Er sagte nicht: „Ich will Profi werden.“ Er sagte nicht: „Ich möchte ein Weltstar sein.“ Ronaldos Ziel stand immer fest: „Ich werde eine Legende.“ Das war seine Antwort. Damals, als Jugendspieler. Keine fünf Jahre war es her, dass er noch Balljunge bei Andorinha gewesen war, einem kleinen Verein auf Madeira, bei dem sein alkoholkranker Vater halbtags als Zeugwart arbeitete. Purer, unbändiger Wille – das ist das einzig wahre Talent, das Cristiano Ronaldo ausmacht. Das ist das einzige Erfolgsgeheimnis eines Mannes, der zweifelsfrei sein Ziel erreicht hat: Er ist eine Legende.

Er war Europameister, fünf Mal Weltfußballer, er ist portugiesischer Rekordtorschütze, wurde zum besten portugiesischen Spieler aller Zeiten gewählt, niemand hat jemals mehr Tore für Real Madrid geschossen. Er war sechs Mal Torschützenkönig der Champions League, hat sechs Spielzeiten in Folge mindestens 30 Tore erzielt, ist der einzige Spieler, der in der spanischen Liga gleich zwei Mal fünf Tore in einem Spiel erzielt hat. Diese Liste der Ausnahmeleistungen ließe sich noch lange fortführen. Ronaldos erfolgreichstes Jahr war 2017. Mit 32 Jahren hatte er laut „Forbes“ 93 Millionen Dollar verdient und seinen Berater, den Superagenten Jorge Mendes, gerade gebeten, bei Real Madrid eine Erhöhung seiner Bezüge einzufordern.

Kein anderer Star bringt es auf so viele Follower und Fans bei Facebook, Twitter & Co. wie er, allein auf Instagram sind es 120 Millionen. Für Unternehmen aus der Wirtschaft, wie seinen Sponsor Nike, soll Ronaldo deshalb eine halbe Milliarde Dollar wert sein. Den „wertvollsten Post“ veröffentlichte der Kapitän der portugiesischen Nationalmannschaft kurz nach dem Gewinn der Fußball-EM in Frankreich im Juli 2016. Das Bild von CR7 als Eiffelturm plus Logo und Werbeslogan brachten Nike fast sechs Millionen Dollar Werbewert, analysierte „Forbes“.

„Seine Exzentrik verzeiht man. Er ist verrückt nach Erfolg, nach Titeln und Toren, und so pusht er durch seine Ausstrahlung auch seine Mitspieler. So einen Typen willst du im eigenen Team haben.“

Sami Khedira, Ex-Teamkollege bei Real Madrid und deutscher Nationalspieler
Juventus' German midfielder Sami Khedira (R) celebrates with Real Madrid's Portuguese striker Cristiano Ronaldo after Real Madrid won the UEFA Champions League final football match between Juventus and Real Madrid at The Principality Stadium in Cardiff, south Wales, on June 3, 2017.

Das Erfolgs-Credo

Die Fragen, die man deswegen immer wieder an ihn richtet, sind angesichts solcher Ausnahmedaten immer dieselben. Was ist sein Erfolgsgeheimnis? Was kann er besser als jeder andere auf der Welt? Was unterscheidet ihn von allen anderen im Fußball? Um es gleich zu sagen: Sein Talent als Fußballer ist es nicht. Eher ist es der Glaube an sich selbst. Sein Credo lautet: „Wenn du nicht glaubst, dass du der Beste bist, dann wirst du nie deine vollen Fähigkeiten ausschöpfen.“

Natürlich wurde Ronaldo mit zehn in Portugal entdeckt und mit 18 von Manchester-United-Trainer Sir Alex Ferguson nach England geholt. Aber das passiert jeden Tag in diesem Geschäft. Kids mit überbordendem Talent sind keine Seltenheit. Jede beliebige Jugendabteilung eines Profivereins hat solche Talente. Ronaldos Einmaligkeit im Sport dagegen ist seine unendliche Disziplin, gepaart mit der Überzeugung, sich jeden Tag verbessern zu wollen. Zu müssen. Jeden Tag trainiert er, ohne Ausnahme. Natürlich stimmt die Veranlagung, die Schnellkraft, die Explosivität. Aber das haben Dutzende andere auch im Profibereich. Ihn unterscheidet die Haltung, die Einstellung, die Überzeugung.

„Wenn du nicht glaubst, dass du der Beste bist, dann wirst du nie deine vollen Fähigkeiten ausschöpfen.“

Cristiano Ronaldo

Mick Clegg, der von 2000 bis 2011 zum Trainerstab bei Manchester United gehörte, beschreibt ihn so: „Er zeigte auf dem Feld, dass er durchaus Talent hatte, aber auch, dass er noch viel lernen musste. Genau das tat er dann. Sein Engagement, körperlich stärker zu werden, war nur die Spitze des Eisbergs. In den fünf Jahren, die er in Manchester war, sah ich, wie er jeden einzelnen Tag an sich arbeitete. Er ist der engagierteste, der trainingsfleißigste Spieler, den ich jemals erlebt habe. Er machte immer das, was wir als Trainer von ihm verlangten.“

Vielen mag das als Selbstverständlichkeit erscheinen. Wer aber auch nur einen Hauch von Ahnung von diesem Geschäft hat, weiß, dass dies nicht der Fall ist. Spieler machen nicht immer das, was Trainer von ihnen verlangen. Profifußballer sind jung und verdienen Millionen. Wie erklärt man so jemandem, dass er sich anstrengen und quälen soll? Ein junger Mann, der seine Kindheit auf dem Platz verbracht und jetzt einen Vertrag in der Tasche hat, der zehn, zwanzig Millionen Euro wert ist. Wie erklärt man so jemandem, dass er nicht nur seine Kindheit, sondern auch seine Jugend opfern soll?

Ronaldo war immer anders. Nach jedem Training übte er bestimmte Abläufe. Einen Schuss, ein Trick, ein Dribbling. Erst alleine, dann mit den Coaches, dann im Mannschaftstraining, und erst wenn es da klappte, dann im Spiel. Jeder Trick, jede Finte, die wir heute von ihm sehen, hat er sich eisern erarbeitet. Der beste Freistoß, der jemals in der Premier League getreten wurde, Ronaldos Schuss am 30. Januar 2008 gegen den FC Portsmouth, war das Resultat von jahrelangem unermüdlichem Training.

Die Experimentierfreude

Ronaldo ist kein fußballerisches Genie wie Maradona, der vollgekokst nach einer durchzechten Nacht reihenweise italienische Abwehrrecken auseinandernahm. Ronaldo schläft jede Nacht zehn Stunden. Jede Nacht. Und legt sich jeden Tag zwei Stunden hin. Jeden Tag. Seine Ernährung ist ausgewogen. Proteinreich, kohlenhydrathaltig, fettarm. Sie ist aber nicht magisch. Jeder Fitnesstrainer kann einem das erklären. Ronaldo ist der Beweis, dass es eigentlich nicht das eine Geheimnis gibt. Er gibt einem das gute Gefühl, dass der Profifußball fair sein kann. Dass es jemand mit Arbeit und Engagement bis ganz nach oben schaffen kann.

Diese Bereitschaft, für seine Ziele zu arbeiten, treibt er konsequent bis an die Spitze des Möglichen. Man muss sich klarmachen, dass es unglaublich schwer ist, die Leistung eines absoluten Spitzensportlers zu steigern. Was bei einem Hobbysportler mit etwas Training bereits nach ein paar Monaten zu fünf Prozent mehr Leistung führt, braucht bei jemandem auf dem Niveau von Ronaldo zwei, drei Jahre.

Ronaldo ist durchaus experimentierfreudig. In seinem Haus hat er sich eine Kältekammer zur Regeneration einbauen lassen. Es gibt dort auch einige TRX-Maschinen. Das sind Trainingsgeräte, bei denen mit Bändern gearbeitet wird und hohe Anforderungen an die Koordination gestellt werden. Er hat zwischenzeitlich Tennis gespielt, um seine Beweglichkeit zu schulen. Ronaldo ist der vollkommene Profi. Mit 32 ist er als Fußballer auf dem Zenit seiner Leistungsfähigkeit.

400.000

Euro verdient Ronaldo mit einem einzigen Social-Media-Werbe-Post.

Die Vorbildfunktion

Es gibt keinen Tag, an dem er nicht trainiert. Nicht während der Saison, nicht wenn er seinen alljährlichen Sommerurlaub auf Ibiza macht. Ronaldo hat nicht frei, Fußballprofi ist nicht sein Beruf, es ist sein Leben. Er trinkt keinen Alkohol, geht nicht essen und nur sehr selten auf Partys. Diese Fähigkeit, sich immer wieder zu beweisen, sich immer wieder neue Ziele zu setzen und dem alles unterzuordnen, macht ihn keineswegs unbeliebt unter seinen Kollegen. Natürlich entgeht seinen Mitspielern seine Egozentrik nicht, natürlich sehen sie, dass er vor dem Tor oft ein Egoist ist, der lieber selber schießt, als den klugen Pass auf den freien Mann zu spielen. Sami Khedira, der deutsche Weltmeister, der mit ihm in Madrid gespielt hat, sagt: „Seine Exzentrik verzeiht man. Er ist verrückt nach Erfolg, nach Titeln und Toren, und so pusht er durch seine Ausstrahlung auch seine Mitspieler. So einen Typen willst du im eigenen Team haben. Er macht uns alle besser.“

Ronaldos extreme Professionalität strahlt auf andere Spieler ab. Real-Madrid-Profis wie Dani Carvajal oder Isco trainieren nach eigenen Angaben jetzt härter als früher, weil sie sich an ihm orientieren. Real Madrid hat als einzige Mannschaft in der Geschichte der Champions League zwei Mal in Folge den Titel geholt. Ronaldo hatte einen entscheidenden Anteil daran. Das Team, gespickt mit Weltmeistern, war hoch motiviert, wollte unbedingt das Unerreichte erreichen: die Verteidigung des Champions-League-Titels. Das war niemandem gelungen, nicht den größten Mannschaften in der Geschichte dieses Sports. Madrid gelang es, und zu verdanken haben sie es Cristiano Ronaldo. 

Der Ausnahmespieler lässt seine fußballerischen Glanztaten seit 2013 ein einem von ihm mitfinanzierten Museum in Funchal, der Hauptstadt seiner Heimat Madeira, in hellem Licht erstrahlen. Es gibt seine Lebensgeschichte wieder und stellt neben Fotos und Statuen die 126 Trophäen aus, die CR7 im Fußball bislang gewonnen hat. Er selber denkt derweil längst über seine Kickerkarriere hinaus – auch wenn er angekündigt hat, noch bis 40 weiter Fußball spielen zu wollen. „Ich habe mit 27 begonnen, meine Zukunft zu planen“, erzählte er unlängst seinem italienischen Ex-Fußball-Kollegen Alessandro Del Piero. „Ich möchte Filme drehen und außerdem meine Geschäfte in den Bereichen Mode weiter vorantreiben.“

Bildnachweis: imago/Schoening(2), Filippo Monteforte/GettyImages, picture alliance/Alterphotos/EXPA/picturedesk.com, HELDER SANTOS/AFP/GettyImages, Octavio Passos/GettyImages(2), Europa Press/GettyImages, Instagram/Cristiano(3)

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