Lady Insolvency

Anne Koark, Pleitier“ steht auf ihrer cremefarbenen Visitenkarte. Ein merkwürdiger Jobtitel, könnte man meinen. Koark jedoch hat ihre Berufung darin gefunden, Scheitern zum Thema zu machen. Die Unternehmerin aus Barking, England, kommt in den Achtzigerjahren nach Deutschland und betreut zuerst internationale Unternehmen in der Aufbauphase. Bis sich ihr innerer Drang durchsetzt, etwas Eigenes zu machen. Mit einer Bekannten gründet sie ihre eigene Firma: Trust in Business hilft Unternehmen beim Markteintritt in Deutschland. Als um die Jahrtausendwende die Wirtschaft kriselt, werden Koarks Kunden immer weniger, 2003 muss sie Insolvenz anmelden. Sie verliert Wohnung, Auto, Konten, Krankenversicherung. Nicht einmal Kindergeld bekommt die zweifache, alleinerziehende Mutter während dieser Zeit. Sie kann es nicht fassen: Der Mut zum Unternehmertum, der Mut, Arbeitsplätze zu schaffen, sollte damit belohnt werden, von jeglichen sozialen Auffangsystemen ausgeschlossen zu sein? Sie beschließt, die Gegebenheiten nicht zu akzeptieren. In Artikeln schreibt sie sich den Frust von der Seele und ist damit nicht allein: Andere Unternehmer stimmen ihr zu, geben ihr Rückhalt. Sie wagt sich zu einem Verlag. In ihrem Buch „Insolvent und trotzdem erfolgreich“ beschreibt sie ihre Gefühle zwischen Angst und Zuversicht, zwischen Ausweg und Totalpleite. Es wird ein Bestseller. Heute ist Koark Unternehmensberaterin und coacht andere im Umgang mit dem Stigma Scheitern, die ihr einen liebevollen Spitznamen geben: „Lady Insolvency“.

Bildnachweis: Sigrid Reinichs

Newsletter abonnieren

Mit dem Newsletter verpassen Sie keine Ausgabe der next: Das Magazin für Vorausdenker

Anmelden
Feedback

Sie möchten uns Feedback zu diesem Beitrag geben? Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung.

Feedback
Diesen Beitrag teilen

Hier können Sie den Beitrag über soziale Medien teilen.

Teilen