Interview

„Als Erstes das Büro verlassen“

Zur Person Richard Watson

Richard Watson (geb. 1961) ist ein britischer Autor, Dozent, Futurist und Szenario-Denker, der bekannt ist für sein Buch „Future Files – A Brief History of the Next 50 Years“ und für seine Infografiken mit Zukunftstrends. Er hat fünf Bücher über die Zukunft verfasst und ist der Gründer von „What’s Next“, einer Website, die globale Trends dokumentiert. Für „Fast Company“ schreibt er als Blogger über Innovationen. Für diverse Publikationen wie „Future Orientation“ und „What Matters“ schreibt er über Kreativität, Innovation und Future Thinking. Watson ist ein Befürworter des Scenario Plannings und Verfechter von Zukunftsszenarien, weil er davon überzeugt ist, dass es Organisationen eher liegt, eine verlockende Zukunftsvision zu kreieren und auf die Umsetzung hinzuarbeiten.

Was treibt Sie am meisten an und inspiriert Sie zu Ihrer Arbeit als Autor und Futurist?
Die Neugier darüber, was gerade jetzt passiert und warum, und darauf, was als Nächstes passieren wird und warum. Darauf baut zum Teil mein Verlangen auf, Dinge zu verstehen, was wahr ist und was falsch ist. Dabei inspirieren mich neue Ideen, neue Menschen, intelligente Menschen. Ich fühle mich sehr von Menschen mit gegenteiliger Meinung angezogen, weil sie mein Denken herausfordern. Besonders spannend finde ich die Überschneidung von Technologie und Menschen, weil die meisten Menschen nur die Technologie als solche betrachten und übersehen, dass man die Psychologie, Kultur, Bestimmungen und viele weitere Aspekte mit in Betracht ziehen muss.

Werden Menschen sich in der Zukunft zunehmend von Technologie inspirieren lassen?
Mein Instinkt sagt eher das Gegenteil, nämlich, dass sie keine Inspiration aus der Technik ziehen werden. Menschen, die Inspiration suchen, werden weiterhin Bücher lesen, mit anderen Menschen sprechen, die anders sind als sie selbst. Sie werden das Gleiche tun, was auch heute inspirierend wirkt.

Gibt es eine spezifische Inspirationsquelle für Sie oder einen Ort?
Natürlich – es gibt spezielle Denkplätze. Ich habe sogar ein Buch darüber geschrieben. Das Einfachste ist: Sie müssen als Erstes das Büro verlassen. Ich habe fast eintausend Leute befragt, wo sie ihre beste Denkarbeit leisten und nur ein einziger hat „bei der Arbeit“ gesagt. Das sagt doch schon alles. Für mich ist der beste Denkplatz ein Fensterplatz auf einem Langstreckenflug, besonders wenn ich einen bequemen Sitz habe. Dort kann ich am besten denken. Inspiration kann man auch sehr früh morgens oder abends im Bett finden, wenn Sie im Dämmerzustand sind, oder unter der Dusche; im Urlaub; durch Musik oder Kunst. Eigentlich geht es nur darum, den Kopf ein Stück weit zu befreien und den Modus zu verändern.

Wie oft sind inspirative Momente überhaupt noch möglich?
Tja, wir sind enorm beschäftigt mit den Dingen, von denen wir denken, sie wären wichtig. Tatsächlich befassen wir uns überwiegend mit kurzfristigen Sachen statt mit wichtigem langfristigen Denken. Das zu ändern hat jeder selber in der Hand.

Wie sind Sie dazu gekommen, Szenarien für die Zukunft zu entwerfen oder Vorhersagen zu machen?
Eher durch Zufall. Wir nehmen immer an, dass alles logisch und geplant ist, und das ist es eigentlich nicht. Die Straße hat sich gegabelt, das sah sinnvoll aus und ich bin ihr gefolgt.

Was treibt Sie an?
Meine Agenda, die weniger ein direktes Interesse an der Zukunft an sich ist, sondern was für eine Art von Zukunft wir wollen oder bevorzugen würden. Meine ganz spezielle Idee, wie die Zukunft aussehen sollte. Deshalb bin ich sehr kritisch. Ich gebe Ihnen ein schwieriges Beispiel: Nächste Woche werde ich einen Vortrag in Barcelona über das Internet of Things (IoT) halten. Die meisten Leute sind hinsichtlich IoT optimistisch und glauben, IoT wird ganz toll, alles wird funktionieren. Zum einen bin ich sehr zynisch, wenn es um die reibungslose Funktion geht, denn ich glaube nicht, dass die Daten von jedem mit anderen Daten untereinander kommunizieren. Darüber hinaus glaube ich nicht, dass das eine wünschenswerte Zukunft wäre, weil es Auswirkungen auf unsere Privatsphäre, Sicherheit und Eigentumsrechte hätte. Auch die Idee, die ganze Zeit online verbunden zu sein, hat positive und negative Auswirkungen. Heutzutage lassen die Menschen die Arbeit nie physisch zurück wie früher, sondern nehmen sie immer mit nach Hause, dank des Internets, der Smartphones und Computer. Über die Problematik spreche ich schon seit zehn Jahren. Sie müssen einfach zwischendurch einmal abschalten.

Welches Buch können Sie empfehlen, wenn jemand versucht, Inspiration aus der Zukunft zu ziehen?
Das ist schwierig. „The Future: 50 Things You Really Need to Know“ gibt eine gute Übersicht. Es besteht aus fünfzig Kurzessays über alles, was man sich nur denken kann. Das neue „Digital vs Human“ – im vergangenen Jahr erschienen – geht davon aus, dass wir das Internet ins Zentrum von allem stellen. Ich behaupte deshalb aber, dass wir stattdessen den Menschen in den Mittelpunkt stellen sollten. Die digitale Technik ist dazu da, uns zu unterstützen, und nicht, um uns zu kontrollieren. Das Buch hat auch eine leicht konträre Ansicht über künstliche Intelliganz, Automatisierung, Roboter, Social Media, das Internet.

Bildnachweis: PR

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