Interview

„Den Gedanken freien Lauf lassen“

Woher kam Ihre Inspiration für das Buch?
Olivia: Unser Ziel war es, ein Werkzeug zu kreieren, das Menschen hilft, ihre Probleme zu lösen. Das Buch beschreibt, welches System in unserem Hirn für das menschliche Genie, die Kreativität und die Inspiration zuständig ist. „The Net and the Butterfly“ ist ein Toolkit: Hier ist die Box, darin ist das Werkzeug, so benutzt man es.

Könnten Menschen nicht einfach Angst haben, aus ihren gewohnten Denkbahnen auszubrechen und ihre Kreativität anzuzapfen?
Olivia: Das kommt regelmäßig vor. In der zweiten Hälfte des Buches befassen wir uns konkret damit, wie man solche Ängste in den Griff bekommt, genauso wie Versagen oder Unsicherheit. Wenn Menschen sich als unkreativ wahrnehmen, blockieren sie sich selbst, also müssen sie als Erstes ihr Selbstbild ändern. Im zweiten Schritt müssen sie ihren Eindruck verändern, welche Erwartungshaltung die Außenwelt hat. Und drittens lernen, wie sie mit der Angst und Unsicherheit umgehen, wenn der Moment des Durchbruchs kommt.

Sie beschreiben, dass Hirne nicht flexibel denken, sondern „verschwendet“ werden, weil sie etwa dauernd von zu vielen E-Mails oder anderen Ablenkungen überflutet werden.
Judah: Heutzutage wird es immer schwerer, Menschen dazu zu bringen, sich nicht das Hirn zuzumüllen und mit Reizen zu überfluten. Jeder fühlt sich eingespannt und überfordert. Das erinnert mich an den Medientheoretiker Douglas Rushkoff, der einmal gesagt hat: „Wir haben die Zeit so verinnerlicht, wie Maschinen Zeit erfahren.“ Was er damit anspricht, ist, dass Maschinen uns nicht mehr Freizeit gegeben haben. Sondern wir erwarten stattdessen, dass wir genauso viel und oft wie Maschinen arbeiten. Wir laufen mit diesem Verhalten Gefahr, dass wir gar keine Zeit mehr haben, um kreativ zu sein. Dabei brauchen unsere Neuronen die Möglichkeit, sich auf neuartige Weise miteinander zu verbinden. Denn das genau ist die Basis des tatsächlichen Breakthrough-Prozesses. Was Menschen wirklich von künstlicher Intelligenz, also AI, unterscheidet, ist die Fähigkeit, assoziativ zu denken. Das Buch ermöglicht dem Leser, genau das zu kreieren, was Computer eben nicht können. Menschen sollen sich in einem menschlicheren Zeitrahmen bewegen und die freie Hirnzeit nutzen, um inspirative Momente zu erzeugen, neue Assoziationen zu knüpfen und daraus neuartige Konzepte erstellen.

Wie sind Sie überhaupt darauf gekommen, dieses Buch zu schreiben?
Olivia: Mein bester Freund, der sich für unsere jeweiligen Arbeitsfelder interessiert, hat uns zusammengebracht und dachte, das könnte klappen. Judah: In meinem ersten Buch habe ich das Thema nur oberflächlich behandelt, war aber bereits total davon fasziniert. Intuitiv kannte ich den Prozess und bin dann über die Neurowissenschaft gestolpert, die beweist, wie man die Erfahrung von „Breakthrough Thinking“ fokussieren und beschleunigen kann.

Das Interview führte Sonny Klawitter.

Bildnachweis: PR(2)

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