„In kurzen Zyklen frei denken“

Patrick Broome sitzt in der Mittagssonne. Die Glaskuppel auf dem Weiterbildungszentrum der Hochschule St. Gallen glänzt verheißungsvoll. Gleich wird Broome die Teilnehmer des Executive MBA-Programms in die Geheimnisse des Yoga einweisen – nur für ein paar Stunden. Obwohl sie schon gestandene Manager sind und in St. Gallen nicht sportliche Ertüchtigung suchen, sondern Führungskunst, sind alle 33 erschienen, um die ersten Asanas zu lernen, die einfachsten Stellungen des Yoga.

Broome weiß, dass ihm anfänglich von den meisten Teilnehmern Skepsis entgegenschlagen wird, Furcht vor abenteuerlichen Verrenkungen und stundenlangem Kopfstand. Vielleicht werden manche erstaunt sein, dass sie dann vor allem atmen sollen, Positionen halten, in den Körper hinein spüren. Am Abend wird er in leuchtende Augen blicken und Lob empfangen: „Toll, danke!“

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„Die meisten genießen diese kurze Auszeit, in der sie sich wieder fühlen können“, sagt Broome. Manche kommen mit dem gewohnten Leistungsanspruch, wollen die Stunde so effizient wie möglich nutzen. Da ist es in ihnen dann erst einmal sehr laut. Diese Spezies muss Broome zunächst fordern und auspowern: „Danach ist jeder bereit, was Ruhiges zu machen.“

„Vitality Management“ nennt die Hochschule das Angebot, das seit etwa 2009 im Rahmen des MBA-Programms stattfindet, wie Andreas Bodenmüller erklärt, Marketingleiter der Executive-Programme. Yoga ist da nur ein Baustein von ein paar Stunden. Es gehe um Sport, aber auch um eine „Haltung“: Achtsamkeit, die Entwicklung eines guten Körpergefühls, das Leben im Hier und Jetzt.

Teilnehmerin Janine Tan, 40 Jahre, Head of Investor Relations bei Aquila Capital, macht ganz offensichtlich nicht zum ersten Mal Yoga, hier in St. Gallen. Sie ist eine Überzeugungstäterin, die gleich mit dem Fachwort „Resilienz“ daherkommt: Widerstandskraft. Tan schätzt Yoga auch privat als „umfassendes Ganzkörpertraining“, das Muskulatur und Flexibilität gleichzeitig stärkt und den Verstand zur Ruhe kommen lässt.

„Diese Kombination fördert nachweislich die eigene Konzentrations- und Leistungsfähigkeit“, schwärmt Tan. „Der Zugriff auf die eigenen Ressourcen – körperlich und geistig – wird gestärkt. Als Führungskraft mit einer Leidenschaft für Bestleistungen ist Yoga für mich nicht wegzudenken.“

Auch hier klingt der Leistungsgedanke durch. Vom Manager, der morgens um fünf seinen Marathon läuft, ist das nicht allzu weit weg. Yoga-Trainer Broome bestätigt gelassen: Von außen nach innen gehen – das sei auch dem Langstreckenläufer vertraut. Mit Yoga funktioniere das aber nicht erst bei Kilometer 30, sondern viel schneller. Yoga sei Meditation in Bewegung: präsent sein, im Moment sein, kurz aussteigen aus dem Karussell, Stille zulassen.

Broome, der in München mehrere Yoga-Studios betreibt, Buchautor ist, die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft betreut und im Luxushotel Schloss Ellmau regelmäßig Kurse gibt, kennt die Disposition seiner Kunden. Sie mögen es einfach: eine App runterladen und los.

Bildnachweis: Allesandra Schellnegger/Süddeutsche Zeitung Photo

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