Überraschende Konstante

Der Däne Kasper Rorsted, CEO von Adidas, zählt dazu, der Deutsche-Bank-Chef John Cyran aus Großbritannien, aber auch der belgische Henkel-Chef Hans Van Bylen und Bill McDermott, SAP-CEO mit Wurzeln in den USA: die überschaubare Riege der Dax-30-CEOs mit internationaler Herkunft. Und genau das ist für Klaus Hansen, Geschäftsführer der Personalberatung Odgers Berndtson, die seit 2008 den „Dax-Vorstandsreport“ erhebt, das Bemerkenswerteste an der aktuellen Studie aus dem Jahr 2016. Bei vielen Parametern von Studiengängen bis zur Promotion gebe es immer wieder leichte Schwankungen, aber einer sei seit Langem fast wie in Stein gemeißelt: „Das einzige, das mich wirklich überrascht hat – und zwar im negativen Sinne – ist, dass seit sieben Jahren die Anzahl der nichtdeutschen Vorstände in den Dax-Konzernen, fast auf das Komma genau, bei 27 Prozent eingefroren ist.“ Das erscheine höchst verwunderlich mit Blick auf die Märkte, die in den vergangenen Jahren immer globaler geworden sind. Und auch im Vergleich zum Ausland, etwa in Großbritannien, wo der Anteil der Nichtbriten an der CEO-Riege nahezu doppelt so hoch ist, nämlich bei 50 Prozent liegt. Immerhin so Hansen, hat sich die Anzahl der weiblichen Dax-Vorstände seit 2014 verdoppelt.

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Dagegen sei der Stallgeruch immer noch eine zentrale Voraussetzung, um auf den Chefsessel zu gelangen: 70 Prozent aller CEOs kommen immerhin noch aus dem eigenen Unternehmen. „Gegen diese sogenannten Hausberufungen ist überhaupt nichts zu sagen“, meint Hansen. „Aber andere Unternehmenskulturen zu kennen, der gewisse Blick von außen, wird eigentlich zunehmend wichtiger.“

Zudem seien künftig an der Unternehmensspitze mehr Führer – im Sinne des angelsächsischen Begriffs „Leader“ – als Manager benötigt. „Das Wort ‚Führer‘ wird in Deutschland nicht mehr gerne verwendet“, so Hansen. „Aber der wichtige Unterschied zwischen Führung und Management ist eben: Führen ohne Management ist wirkungslos, Management ohne Führung ziellos. Künftig müssen die Personen an der Firmenspitze mehr Führer sein, die nicht nur Analysten und Quartalsergebnissen folgen, sondern einen generalistischen und weit vorausschauenden Blick haben und daraus Strategien ableiten und auch durchsetzen. Immer wichtiger wird, dass sie aufgrund ihrer Persönlichkeit Unternehmen gestalten, Mitarbeiter mitnehmen, Kunden begeistern und damit das Unternehmen nach vorne bringen.“

Bildnachweis: NatanaelGinting/GettyImages, Jorg Greuel/GettyImages, Yuji Sakai/GettyImages, Bloomberg/GettyImages

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