Interview

„Aufmerksam jeden Mitarbeiter beobachten“

Was würden Sie sagen: Seit wann sind Sie wirklich an der Spitze?
Tim Raue: Wir beide haben ganz unten angefangen mit Anfang 20. Ich als Koch, Marie-Anne als Kellnerin. Jetzt sind wir zwei Jahrzehnte im Geschäft, haben unsere eigene Restaurantgruppe, unsere eigene Marke aufgebaut. Seit 2016 wird „Tim Raue“ in der Liste der 50 besten Restaurants der Welt geführt. Dieser Erfolg zählt für mich.

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Und können Sie sich jetzt darauf ausruhen?
Marie-Anne Raue: Natürlich nicht! Gerade jetzt müssen wir täglich reflektieren. Stimmt unser Konzept noch? Sind wir noch für unsere Gäste da? Was müssen wir verändern? Lange Jahre waren wir der Zeit voraus, jetzt kommen andere nach und setzen neue Akzente. Da müssen wir unseren Platz finden.

Was motiviert Sie, zu immer neuen Zielen, zu immer neuen Bestleistungen aufzubrechen?
Tim Raue: Früher ging es mir um persönliche Dinge: Bester Koch des Jahres, Punkte im Gault-Millau, erster und zweiter Stern im Michelin. Heute haben wir ein Unternehmen zu führen, das mit mehr als 30 Mitarbeitern mehrere Millionen Euro umsetzt. Unser Ziel ist es, in bestimmten Funktionen und Positionen ersetzbar zu sein und ein Umfeld zu schaffen, in dem alle den gleichen Perfektionismus und den gleichen Anspruch an Qualität leben.

Wie nehmen Sie Ihre Mitarbeiter mit auf dem Weg zu Spitzenleistungen?
Marie-Anne Raue: Wir sind in unserer Ausbildung in absolut autoritären Strukturen aufgewachsen. Hier im eigenen Restaurant haben wir einen anderen Führungsstil etabliert. Wir binden unsere Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse mit ein. Neben der sachbezogenen Kritik halten wir vor allem Lob für wichtig. Nicht beliebig verteilt. Man muss aufmerksam jeden Mitarbeiter beobachten, positive Veränderungen registrieren und dann auch ansprechen.

Gibt es eine Formel für dauerhafte Spitzenleistungen und Erfolg?
Tim Raue: Einige Dinge sind sicher elementar: Wer bin ich? Was will ich? Wo soll es hingehen? Wenn man für sich unklar ist in diesen Punkten, dann kann man weder allein noch im Team Höchstleistungen erbringen. Man kann nicht führen und kann andere nicht motivieren, diesen Weg gemeinsam zu gehen. Aber im Laufe der Jahre muss man Menschen neben sich hochkommen und wachsen lassen. Man muss zum Mentor werden und dazu übergehen, nur noch in entscheidenden Momenten an den richtigen Schrauben zu drehen.

Bildnachweis: Alamy/Mauritius, Stefanie Herbst/Bild, Florian Bolk, Amin Akhtar

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