Blutkonserven per Autopilot

Über dem abgelegenen Kinderkrankenhaus von Ruanda kreist eine Drohne, kaum größer als ein Spielzeugflugzeug. Aus dem Rumpf löst sich ein Paket und segelt am Fallschirm schaukelnd nach unten. Während Krankenschwestern die kostbare Fracht mit frischen Blutkonserven bergen, dirigiert der Autopilot die Drohne bereits wieder zurück ins Depot. Betreiber solcher Drohnenflüge ist das junge kalifornische Roboticsunternehmen Zipline aus San Francisco. Es setzt die Drohnenlieferung erfolgreich ein, um fehlende Infrastruktur kostengünstig zu überbrücken, und hat dabei Probleme gelöst, an denen sich bisher alle anderen Unternehmen die Zähne ausgebissen haben – wie Steuerung, Start, Landung und Treibstoffversorgung der Drohnen.

Die von Zipline konstruierten kleinen Roboterflugzeuge, die sogenannten Zips, werden von ihrem eigenen Autopiloten gesteuert und sind auch für Lieferungen in rauem Klima geeignet, was sich in unwegsamen Ländern wie Ruanda bereits bestens bewährt. Start und Landung funktionieren ohne Start- und Landebahn. Sobald eine medizinische Bestellung per SMS eingeht, wird ein Zip losgeschickt und fliegt mit 100 Kilometer pro Stunde zu seinem Ziel, wirft die Ware mit Fallschirm neben der medizinischen Einrichtung ab und fliegt wieder zurück. Zipline beschränkt sich nicht nur auf die Produktion der Drohnen. Das Unternehmen erstellt die gesamte Infrastruktur – inklusive der Integration des örtlichen Gesundheitssystems und der Bereitstellung der Lieferung durch die Partner von UPS und Gavi (Vaccination Alliance).

Im Oktober 2016 besiegelte Zipline International die Zusammenarbeit mit der Regierung von Ruanda. Dort löst das Unternehmen als Erstes ein Problem, mit dem mehr als zwei Milliarden Menschen kämpfen müssen, die aufgrund schwierigen Terrains oder einer Lücke in der Infrastruktur keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben. Die traurige Bilanz: Jedes Jahr sterben mehr als 2,9 Millionen Kinder unter fünf Jahren. Ebenso wie 150.000 werdende Mütter, die wegen fehlender Blutkonserven in der Schwangerschaft sterben.

CEO und Zipline-Mitbegründer Keller Rinaudo hat eine klare Mission: Die Etablierung eines globalen Sofortliefersystems, das neben medizinischen auch andere Produkte bei Bedarf günstig liefert, ohne einen Tropfen Treibstoff. Das erfahrene Team setzt bei der Weiterentwicklung auf die Komplettlösung – von Konzeption bis Produktion – im eigenen Haus, um auf Kundenfeedback sofort reagieren zu können. Als nächsten Schritt plant Rinaudo den Start von medizinischen Lieferungen in das ländliche Amerika. Dass der nicht mehr so weit entfernt liegt, lässt schon der Blick auf die Unterstützer des Unternehmens vermuten. Während das Unternehmen hierzulande noch weitgehend unbekannt ist, hat sich das Who-is-Who der visionären Investoren von den Risikokapitalunternehmen Sequoia Capital, Google Ventures, SV Angel und Subtraction Capital über Yahoo-Mitgründer Jerry Yang und Microsoft-Mitgründer Paul Allen bis hin zur Stanford University bereits Anteile in Höhe von 40 Millionen Dollar an Zipline gesichert.

Bildnachweis: Sebastian Kim, ALFRED PASIEKA/SCIENCE PHOTO LIBRARY/GettyImages, Science Source/GettyImages, Richard Levine/GettyImages, PatanjaliAyurved/PR(4), Zipline/PR(4), MagicLeap/PR(3)

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