Hipp im Dhoti

Wenn in Indien ein Fernseher läuft, egal ob in Delhi oder in Mumbai, morgens oder abends, sollte man darauf gefasst sein, dass in kürzester Zeit ein freundlich lächelnder Mann mit langem Bart und orangefarbenem Dhoti (ein um die Lenden gewickeltes Tuch) im Programm auftaucht. Der Herr ist nicht irgendeiner dieser Yogis, von denen es in Indien so viele gibt, sondern Baba Ramdev – Markenbotschafter, Mitgründer und Miteigentümer von Patanjali Ayurved. Und er ist eine der Geheimzutaten für das Erfolgsrezept von Indiens derzeit schnellstwachsendem Unternehmen für schnell drehende Konsumgüter, das bei uns völlig unbekannt, in Indien aber omnipräsent ist. Hauptberuflich ist Baba Ramdev tatsächlich Guru und gibt Massen-Yogastunden, die ebenfalls live im Fernsehen übertragen werden. Außerdem besitzt er diverse Ayurveda-Institute und ein Vermögen von geschätzt 200 Millionen Euro.

Im Jahr 2006 gegründet, hat sich Patanjali Ayurved gegenüber globalen Foodriesen wie Procter & Gamble und Danone in Indien bereits durchgesetzt. Im Supermarkt um die Ecke findet sich von Shampoo und Spülseife über Kekse, Babynahrung und Nudeln bis hin zu Medizin gegen Bauchgrimmen und seit Kurzem auch dehnbaren Damenjeans alles, was das Herz begehrt – und alles von Patanjali Ayurved. Das bekannteste und umsatzstärkste Produkt des Unternehmens ist Ghee, geklärte Butter, die in Indien ein fester Bestandteil jeder Küche ist. Patanjali produziert 444 Produkte, davon 45 verschiedene Kosmetika, 30 Lebensmittel und 300 medizinische Produkte für verschiedene Leiden. Keine andere indische Firma hat ein so breites Produktportfolio.

Der Preis, die Marke und nicht zuletzt Baba Ramdev, der hochgerechnet 20 Stunden am Tag in Indien auf alle Programme im TV verteilt erscheint, haben dem Unternehmen in kürzester Zeit zu dem enormen Erfolg verholfen. Der charismatische Ramdev tritt mit Bollywoodschönheiten wie Shilpa Shetty beim Massenyoga genauso auf wie bei der UN mit Kofi Annan, oder im eigenen Werbespot für Apfelsaft wie der Unternehmer Claus Hipp in Deutschland.

Patanjali benutzt natürliche Zutaten nach ayurvedischem Prinzip und ist 30–70 Prozent billiger als die Rivalen im eigenen Land. Die Jahresumsätze stiegen zuletzt 2015 um 150 Prozent auf mehr als 800 Millionen Dollar, bei minimalen Marketingkosten. Geführt von Co-Founder, Managing Director und Mehrheitsanteilsbesitzer Acharya Balkrishna (94 % Anteile), expandiert die Marke weiter in Indien und demnächst auch global. Mit viel Charme, Witz und demnächst vielleicht sogar in Jeans. Möchte jemand einen Ayurveda-Keks?

Bildnachweis: Sebastian Kim, ALFRED PASIEKA/SCIENCE PHOTO LIBRARY/GettyImages, Science Source/GettyImages, Richard Levine/GettyImages, PatanjaliAyurved/PR(4), Zipline/PR(4), MagicLeap/PR(3)

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