Turnschuhe aus dem Drucker

Herbert Hainer, langjähriger Vorstandschef der Adidas AG, hatte eine Vision: Der Kunde betritt eine Adidas-Filiale, joggt kurz auf dem Laufband und trägt einen Laufschuh nach Hause, der mithilfe eines 3D-Druckers gefertigt wurde. Die bewegliche Mittelsohle entspricht exakt den Konturen und Druckpunkten des Kundenfußes, die ein Scanner gemessen hat.

Noch ist dieser Sportschuh namens Futurecraft 3D ein Prototyp und eine Absichtserklärung. Doch der Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach, den inzwischen Hainers Nachfolger Kasper Rorstedt führt, drückt bei Innovationen aufs Tempo. Den größten Teil des Umsatzes erzielt das Unternehmen mit brandneuen Produkten. 2015 flossen 81 Prozent des Umsatzes durch den Verkauf von Produkten in die Kasse, die im gleichen Jahr eingeführt worden waren. Schuhe und Shirts, die drei Jahre oder älter waren, steuerten nur noch drei Prozent des Umsatzes bei. Hinzu kommt, dass neue Artikel auch regelmäßig eine höhere Marge erwirtschaften. Für den Markenhersteller mit den drei Streifen ist es also elementar, seinen Kunden sofort zu liefern, „was sie wollen und wann immer sie es wollen“, analysiert Glenn Bennet, der im Adidas-Vorstand das weltweite Geschäft verantwortet.

2015 steigerten die Herzogenauracher ihre F+E-Ausgaben um zehn Prozent auf 139 Millionen Euro. Und die Sohle aus der Filiale ist nicht der einzige innovative Scoop. Mit seiner Pilotfabrik Speedfactory, die Adidas beim Kunststoffverarbeiter Oechsler AG im fränkischen Ansbach hochgezogen hat, testet der Markenhersteller derzeit weitere neue Fertigungskonzepte. Denn die Zeiten, in denen Sportartikelhersteller ihre Produkte in der Zentrale konzipieren, in einem asiatischen Billiglohnland produzieren und nach einem zentralen Plan weltweit vermarkten, könnten bald überholt sein. Der Nike-Konkurrent will jedenfalls die Keimzelle in Ansbach zu einem weltweiten Netzwerk hoch automatisierter Fertigungsstätten ausbauen – und sich damit auch in der Produktion als Innovationsführer präsentieren.

Mit 500 Schuhen in Ansbach fing es an. Die zweite Fabrik in der Nähe der US-amerikanischen Metropole Atlanta nimmt 2017 die Produktion auf und soll noch im gleichen Jahr 50.000 Paar Schuhe herstellen. Mittelfristig soll sie jährlich eine halbe Million Paar produzieren. Diese Speedfactory ermöglicht Adidas, „Produkte für und mit dem Kunden zu produzieren – und dort, wo er lebt“, betont Eric Liedtke, der für den weltweiten Markenauftritt von Adidas verantwortlich ist.

Bildnachweis: BASF/PR, ADIDAS/PR, BAYER/PR, Julian Stratenschulte/Picture-Alliance, Herrenknecht/PR, Swelll/GettyImages, PR

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