1,4 Milliarden Dollar und ein Prototyp

Wer zum ersten Mal die Homepage des Start-ups Magic Leap besucht, kann einen gehörigen Schrecken bekommen. Aus dem Boden einer mit Schülern besetzten Turnhalle bricht unvermittelt ein riesiger Wal, um kurz darauf krachend vor den Augen der Schüler in einer schäumenden Wasserflut wieder im Boden zu versinken. Dabei handelt es sich nur um eine Art erweiterte Realität mit 3-D-Effekt, die hier von Magic Leap präsentiert wird. Doch auch in der aktuellen Wirklichkeit stiftet das amerikanische Unternehmen, das in den US-Medien gerne überschwänglich mal als „das geheimnisvollste Start-up“, mal als „das heißeste Start-up“ oder gar „die aufregendste Sache in Augmented Reality“ gehandelt wird, Unruhe.

Denn das 2010 gegründete Unternehmen, das außer einem Prototypen bislang so gut wie nichts veröffentlicht hat, auch nicht seine Telefonnummer, plant, mit einer bahnbrechenden Technologie die Welt der erweiterten Realität zu erobern. Nur wenigen Journalisten wurde der Magic-Leap-Prototyp präsentiert, Fotos durfte aber niemand machen. Der Prototyp verspricht eine Art technische Zauberei: Die „The Beast“ genannte rechteckige, schulterbreite Box soll es ermöglichen, virtuelle Darstellungen auf einen realen Raum zu projizieren. Irgendwann, so die Erwartungen, solle die Technologie in einer Augmented-Reality-Brille wiederzufinden sein.

„Magic Leap entwickelt die Computing-Plattform der nächsten Generation, die es Ihnen ermöglicht, Ihr digitales und physisches Leben nahtlos zu kombinieren und zu erleben“, verspricht das Unternehmen mit Sitz in Dania Beach, einer Vorstadt von Fort Lauderdale in Florida. Das Unternehmen entwickelt, was sein CEO, Rony Abovitz, als Mixed Reality Lightfield bezeichnet. Wie Google Glass und HoloLens überlagert die Technologie digitale 3D-Grafiken über eine Art von Headset mit transparenten Linsen oder Smartglasses, indem es ein digitales Lichtfeld in das Auge des Benutzers projiziert. Abovitz behauptet, dass seine Technologie für den menschlichen Körper – konkret die Augen und das Gehirn – besser sei als Virtual Reality, da sie vollkommen respektiere, wie wir Menschen die Welt sehen und verarbeiten.

Das Prinzip Hoffnung stützt immerhin die Creme der Investoren, darunter Google und Chinas Alibaba-Gruppe, die bereits 1,4 Milliarden Dollar in Magic Leap gesteckt haben. Obwohl das Unternehmen bislang noch kein Produkt auf den Markt gebracht hat, schätzt das US-Magazin Forbes seinen Wert inzwischen auf 4,5 Milliarden Dollar.

Magic-Leap-Geschäftsführer Romy Abovitz gab kürzlich in dem Artikel des Branchendienstes „The Information“ immerhin zu, dass die Ursprungsidee „nicht wirklich“ das sei, „was wir tatsächlich liefern werden“. Der Prototyp sei aber ein guter Weg, um den Menschen zu zeigen, „was gut daran ist und was nicht“.

Bildnachweis: Sebastian Kim, ALFRED PASIEKA/SCIENCE PHOTO LIBRARY/GettyImages, Science Source/GettyImages, Richard Levine/GettyImages, PatanjaliAyurved/PR(4), Zipline/PR(4), MagicLeap/PR(3)

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