Druck aushalten

Martin-Devid Herrenknecht gibt sich betont gelassen. „Der disruptive Ansatz – zwei Jahre etwas groß machen und dann das Nächste – passt nicht ganz zu uns.“ Der Vizechef der Familienstiftung, die Eigentümer des Tunnelbauers Herrenknecht AG ist, sieht sich der Tradition des Familienunternehmens verpflichtet. Solide und kontinuierlich soll sich das Unternehmen aus dem Schwarzwald (Umsatz 2015: 1,3 Milliarden Euro, rund 5.000 Beschäftigte) entwickeln – ähnlich wie bei der innovativen Multi-Mode-Tunnelbohrmaschine für den Bau der ersten Linie des Mass Rapid Transit Systems in Kuala Lumpur oder den anspruchsvollen Vortrieb im Eurasien-Tunnel unter dem Bosporus.

Vor allem bei dem im Dezember 2016 eröffneten türkischen Prestigeprojekt mussten die deutschen Tunnelbauer über sich hinauswachsen. Erstmals war eine breite Röhre mit fast 14 Metern Durchmesser bis zu 106 Meter unter dem Meeresspiegel bei einem Druck von elf Bar zu realisieren. „Die besondere Herausforderung bestand darin, ein Schneidrad zu entwickeln, das den Wechsel der Abbauwerkzeuge auch bei dem enormen Außendruck sicher von innen ermöglicht“, umreißt Herrenknechts Konstruktionsleiter Werner Burger die anspruchsvolle Aufgabe.

Den ersten Straßentunnel zwischen Asien und Europa können nun täglich bis zu 130.000 PKW und Kleinbusse passieren. Die Fahrzeit verkürzt sich von 100 auf 15 Minuten. Für den 30-jährigen Stiftungs-Vize ist die technische Expertise des Unternehmens, die es unter dem Bosporus und bei rund 3.100 weiteren Projekten bewiesen hat, freilich kein Selbstzweck. Nur mit ständig fortentwickeltem technischen Know-how kann der Familienbetrieb seine Exportquote auf 95 Prozent und die Preisbrecher aus Fernost auf Abstand halten. „Fast alle unsere Konkurrenten sind chinesisch und staatlich gestützt. Der Preisdruck ist hoch“, weiß Herrenknecht. Da sei es hilfreich, gegenüber neuen Kunden auf den technologischen Vorsprung verweisen zu können.

Bildnachweis: BASF/PR, ADIDAS/PR, BAYER/PR, Julian Stratenschulte/Picture-Alliance, Herrenknecht/PR, Swelll/GettyImages, PR

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