Blockbuster als Game-Changer

Werner Baumann zeigte sich zufrieden, aber nicht euphorisch. „Unsere neueren Produkte verzeichneten eine starke Entwicklung“, kommentierte der Vorstandschef der Bayer AG die Konzernzahlen für das dritte Quartal 2016. Damit entpuppte sich der 54-jährige Konzernlenker als Meister des gepflegten Understatements. Denn die Details des Zahlenwerks belegen, dass Bayers Pharmasparte dank ihrer jüngeren Erfindungen mit Volldampf unterwegs ist. Um mehr als sieben Prozent auf 12,1 Milliarden Euro wuchs das Pharmageschäft in den ersten neun Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum. An die Spitze setzte sich erneut der Gerinnungshemmer Xarelto, dessen Verkäufe um fast ein Drittel auf 2,1 Milliarden Euro zulegten.Mit dem Antithrombosemittel ist dem Leverkusener Pharma- und Lifescience-Konzern gelungen, was auch andere forschende Pharmaunternehmen antreibt: Ärzten, Kliniken und Patienten einen sogenannten Blockbuster zu präsentieren, der dem Unternehmen und seinen Aktionären Milliardenumsätze einspielt. Das Bayer-Präparat mit dem Wirkstoff Rivaroxaban erweist sich dabei als ein echter Game-Changer.

Jahrzehntelang standen für Therapie und Vorbeugung von Thromboembolien vor allem Vitamin-K-Antagonisten (VKA) und Heparine zur Verfügung. VKA-Patienten mussten aber regelmäßig die Blutgerinnung prüfen und die Dosis anpassen, weil die Medikamente zu viele unerwünschte Wechselwirkungen mit Nahrungsmitteln aufweisen. Heparine müssen mit Spritzen verabreicht werden. Die Zulassung von Xarelto, das als Tablette eingenommen werden kann, brachte daher einen echten medizinischen Fortschritt.

Auf die Spur kamen die Bayer-Forscher ihrem heutigen Bestseller, als sie ihre Bibliothek aus damals 200.000 Substanzen ab 1998 systematisch mit einem sogenannten Hochdurchsatz-Screening durchsuchten. Roboter befüllen dafür Tausende sogenannter Mikrotiterplatten. Auf diesen Kunststoff- oder Glasplatten mit vielen voneinander isolierten Näpfchen wird das Zielmolekül mit winzigen Mengen der als aussichtsreich eingeschätzten Wirkstoffsubstanz konfrontiert.

Ein Jahrzehnt später war Bayer am Ziel. Der identifizierte Wirkstoff wurde seit 2008 für immer mehr Anwendungsgebiete zugelassen – von venösen Thromboembolien bis zur Prophylaxe von Schlaganfällen. Aktuell testet Bayer das Präparat in mehreren klinischen Studien für weitere Anwendungen. Auch diese sollen sich auszahlen. Der Bayer-Chef erwartet von Xarelto, das inzwischen in mehr als 130 Ländern zugelassen ist, einen Spitzenumsatz von jährlich mehr als fünf Milliarden Euro.

Bildnachweis: BASF/PR, ADIDAS/PR, BAYER/PR, Julian Stratenschulte/Picture-Alliance, Herrenknecht/PR, Swelll/GettyImages, PR

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