CERN

46 Teilchen – und ein Bausatz für die digitale Transformation

Am Anfang standen vier Buchstaben: CERN, das Akronym für Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire, das europäische Zentrum für Kernforschung in Genf. Der dortige Besuch sei geradezu ein „Erweckungserlebnis“ gewesen, berichten die Autoren Michael Pachmajer und Carsten Hentrich in der Einleitung ihres knapp 200 Seiten starken Buches „d.quarks – Der Weg zum digitalen Unternehmen“.

Schon lange beraten Pachmajer und Hentrich insbesondere mittelständisch geprägte Familienunternehmen beim Schritt in das digitale Zeitalter. Ihrer Erfahrung nach bezweifeln die wenigsten ihrer Kunden die Notwendigkeit oder die Relevanz der Digitalisierung. Denn sie kennen alle die Beispiele, wie kleine Start-ups große Konzerne in die Enge getrieben haben. Sie wissen um die Erfolgsgeschichten der Amazons, Googles, Facebooks und Co.

Und ihnen ist bewusst, dass sie ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit aufs Spiel setzen, wenn sie die Chancen der Digitalisierung und neuen Technologien nicht nutzen, um ihre Produkte und Services in neuen Geschäftsmodellen kundenorientierter, Produktionsabläufe sicherer und interne Prozesse effizienter zu machen. Doch die abgewandelte Gretchenfrage: „Sag’, wie hälst Du’s denn nun mit der Digitalisierung?“, können die wenigsten präzise beantworten. „Alle wissen, dass etwas geschehen muss, aber nur wenige, wie das geschehen kann“, konstatieren die Buchautoren.

Auf der Suche nach dem richtigen Modell

Selbst Hidden Champions und Weltmarktführer betreten die digitale Welt deshalb oft sehr zögerlich. „Viele CEOs und Inhaber verbinden mit ihr einen Kontrollverlust. Ihnen fehlen eine Methode und ein Modell, diese tief greifenden Veränderungsprozesse erfolgreich zu steuern.“ Auch die Berater selbst haben viele Jahre genau darum gerungen. Bis zu ihrem Besuch im CERN. Dort konnten sie Teile des weltweit leistungsstärksten Teilchenbeschleunigers mit einem Umfang von 27 Kilometer besichtigen. An maßstabgetreuen Exponaten beobachteten sie, wie große Magneten dafür sorgen, dass die Teilchen auf ihrer geplanten Bahn bleiben, um kontrolliert zusammenzustoßen.

„Es gibt also auf der Beschleunigerbahn etwas, woran sich die Teilchen ausrichten. In diesem Moment hatten wir gedanklich eine Brücke zur digitalen Transformation geschlagen“, erinnern sie sich. „Denn auch bei ihr gilt es, einen Weg einzuhalten und sich nicht davon abbringen zu lassen. Im Teilchenbeschleuniger kommt es an bestimmten Messpunkten zur Kollision der Teilchen, und damit entstehen Ereignisse, die es den Wissenschaftlern ermöglichen, bisher unbekannte Elementarteilchen zu entdecken – wie auch in einem Unternehmen durch die ‚Kollision‘ von unterschiedlichem Wissen und Erfahrungen, Kompetenzen und Disziplinen neue Ideen entstehen.“

Eine Idee war geboren

Auch bei Pachmajer und Hentrich kollidierte in diesem Moment etwas: ihr Wissen um die Fähigkeiten, die es organisatorisch, technologisch, prozessual und personell für eine erfolgreiche digitale Transformation braucht; und die Erkenntnis, dass diese Fähigkeiten mit ihren unterschiedlichen Ausprägungen in Unternehmen erst einmal sichtbar gemacht und beschrieben werden müssen.

Da war sie – die Idee der d.quarks als elementare Bausteine des digitalen Wandels. In ihrem Buch haben die Autoren 46 davon zusammengetragen und zeigen exemplarisch, wie ein Unternehmen mit ihnen digitale Geschäftsmodelle aufbauen und die interne Digitalisierung vorantreiben kann. „Diese d.quarks haben sich in den von uns beratenen Unternehmen bereits bewährt – auch weil wir sie sehr präzise fünf digitalen Geschäftsmodell-Archetypen zuordnen können.“ Es überrascht sicher nicht, dass Pachmajer und Hentrich unter dem Eindruck ihres CERN-Besuches für diese Archetypen den eingängigen Begriff „Beschleunigerbahn“ gewählt haben.

Spannend an der Übertragung von der Teilchenphysik auf die digitale Transformation ist dabei die Tatsache, dass dieser Transfer eine bestimmte Ordnung und Gesetzmäßigkeit mit sich bringt – und damit den Unternehmen Sicherheit gibt. Genau diese fehlt vielen Unternehmen, wenn sie sich mit Digitalisierung beschäftigen. Und je weniger sicher sie sich fühlen, umso mutloser werden sie und umso mehr werden notwendige Entwicklungen verzögert. An diesem Punkt setzt das d.quark-Modell an. Die eigentliche Transformationsarbeit kann es den Unternehmen nicht abnehmen, aber erheblich erleichtern, indem es eine schnelle, sichere und systematische Methode bietet – eine Navigationshilfe, die Mut macht, den Weg zum digitalen Unternehmen jetzt einzuschlagen.

Über die Autoren:

Beide sind 1971 geboren und damit in dem Jahr, in dem Intel den ersten Ein-Chip-Mikroprozessor vorgestellt hat, der in Serie produziert und am freien Markt vertrieben wurde. Der i4004 war damit wegweisend für die weitere Entwicklung der Informationstechnologie und letztlich auch für die Digitalisierung. Vielleicht war das einer der Auslöser, warum Pachmajer und Hentrich sich schon sehr früh mit bahnbrechenden, zukunftsweisenden, disruptiven Technologien und Entwicklungen beschäftigt haben.

Beruflich sind die beiden – Pachmajer hat Geografie, Hentrich Business Information und Software Engineering studiert – in Zeiten der New Economy groß geworden. Seit mittlerweile fast 20 Jahren arbeiten sie als Berater mit „digital touch“ – unter anderem für Accenture, T-Systems, Infosys, CSC und IBM. Seit 2013 sind sie bei PwC Deutschland Direktoren im Bereich Consulting und verantworten im Digital-Team das Kundensegment Familienunternehmen und Mittelstand.

Dass dazu mehr als das übliche Berater-Verständnis von Technik, Prozessen und Geschäftsmodellen gehört, kann man in ihrem neuen Buch nachlesen – aber auch ihre privaten Interessengebiete belegen das: Bei Pachmajer findet sich dort unter anderem das Stichwort „Education“, bei Hentrich „Philosophy“.

Denn aus ihrer jahrelangen Beratungserfahrung wissen die beiden genau: Am Ende entscheidet nur eines darüber, ob eine digitale Transformation gelingt oder nicht: der Faktor Mensch.

Bildnachweis: PolymathDesign/Istockfoto, REX Features LTD./Action Press, dpa/Picture-Alliance, Photolibrary Video/GettyImages, PwC(4)

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