Mit Bits und Bauch

Der Deal ist noch nicht in trockenen Tüchern, doch für Reinhard Ploss ist das nur noch Formsache. Der Vorstandsvorsitzende der Infineon Technologies AG hatte schon im Juli 2016 wieder einmal eine weitreichende strategische Entscheidung verkündet: die Übernahme der Geschäftseinheit Wolfspeed von der US-Firma Cree. Den Abschluss der Transaktion erwartet er nach der Genehmigung durch verschiedene Behörden Ende des Jahres.

Mit der Übernahme verbindet Ploss klare Ziele: „Indem wir unsere Stärken bündeln, eröffnen sich großartige Wachstumsperspektiven. Wir wollen außerdem die Nummer 1 bei Hochfrequenz-Leistungsbauelementen werden. Denn mit dem industrieweit umfassendsten Portfolio von innovativen Technologien und Produkten für Verbindungshalbleiter können wir unseren Kunden einen entscheidenden Mehrwert bieten.“ Durch die Akquisition stärke Infineon seine führende Position bei Leistungselektronik und Hochfrequenz-Leistungsbauelementen für Wachstumsmärkte wie Elektromobilität, erneuerbare Energien und die Mobilfunkinfrastruktur der nächsten Generation für das Internet der Dinge.

Mit seinen Zielvorgaben befindet sich Ploss in guter Gesellschaft: Rund drei Viertel der von PwC für seinen „Global Data and Analytics Survey 2016: Big Decisions“ befragten Konzernlenker in Deutschland (76 Prozent) gaben an, dass ihre Entscheidungen sich durch innovativere Produkte, bessere Kundenbeziehungen und -akquise sowie höhere Marktanteile primär auf die Erlössituation auswirken werden. 90 Prozent der mehr als 2.000 weltweit befragten Firmenchefs gaben an, dass ihre nächste große strategische Entscheidung den Shareholer Value des von ihnen geführten Unternehmens deutlich – teilweise bis zu 200 Prozent – erhöhen werde. In Deutschland rechnen 61 Prozent (weltweit 50 Prozent) der 170 Befragten mit einer Wertsteigerung zwischen fünf und 50 Prozent aufgrund einer „Big Decision“.

Nahezu alle befragten deutschen Unternehmen nutzen inzwischen zur Entscheidungsfindung Datenanalysen (97 Prozent). Wenn es jedoch darum geht, strategische Entscheidungen zu treffen, verlassen sich 41 Prozent der befragten Konzernlenker in Deutschland überwiegend auf ihre Erfahrung und Intuition, während 34 Prozent von ihnen primär auf „Data & Analytics“, die systematische Erhebung und Auswertung von Daten, zurückgreifen.

„Subjektivität und Intuition können nicht komplett aus unternehmerischen Entscheidungsprozessen herausgefiltert werden“, sagt dazu Barbara Lix, als Direktor verantwortlich für das Thema Data & Analytics bei PwC Deutschland. „Dennoch können Prognosen sowie das Aufzeigen und die Bewertung von Risiken als Entscheidungshilfe für strategische Entscheidungen dienen und die Entscheidungsqualität verbessern. Nur Unternehmen, die in ihrer Entscheidungsfindung das richtige Verhältnis von Bits und Bauch finden, werden mit dem digitalen Wandel Schritt halten.“

Deutsche Unternehmen setzen verstärkt auf „Advanced Analytics“ Die Unternehmen in Deutschland sind bei Datenanalysen sowie Analysemethoden weiter fortgeschritten als Firmen weltweit: Im globalen Vergleich beschreiben vier von zehn Unternehmen aus anderen Ländern (39 Prozent) ihre Entscheidungsfindung als „sehr stark datengetrieben“, während dies auf knapp die Hälfte der Befragten in Deutschland zutrifft (49 Prozent). Während 52 Prozent der deutschen Unternehmen bereits fortgeschrittene Formen der Datenanalyse („Advanced Analytics“) wie etwa prädiktive (prognosebasierte) und präskriptive (handlungsempfehlende) Analysemethoden nutzen, setzt die Mehrheit der Unternehmen in anderen Ländern (57 Prozent) nach wie vor eher deskriptive und diagnostische Methoden ein.

In Deutschland werden strategische Schlüsselentscheidungen allerdings nur zu zehn Prozent vom Board getroffen, gegenüber 26 Prozent weltweit. Zu 55 Prozent fallen diese Entscheidungen hierzulande in spezifischen organisatorischen Bereichen (weltweit 34 Prozent). „Diesem deutlichen Unterschied dürfte auch die deutsche Unternehmenskultur zugrunde liegen, die Dinge in den unterschiedlichen operativen Bereichen vorbereiten und umsetzen zu lassen. Die Experten entscheiden, das spricht auch für mehr Vertrauen in die Fachbereiche“, so Barbara Lix. Behindert werden strategische Entscheidungen dabei weniger durch budgetäre Überlegungen (14 Prozent) oder politische Restriktionen (17 Prozent) als durch fehlenden Mut der Führungskräfte (19 Prozent) und mangelnde Verfügbarkeit personeller Ressourcen (21 Prozent).

Im globalen Vergleich erwarten die deutschen Unternehmen zudem mit 40 Prozent einen weit höheren Einfluss ihrer strategischen Entscheidungen auf die Mitarbeiter (weltweit 25 Prozent) als auf die Kunden, die sie nur zu 16 Prozent betroffen sehen (weltweit 27 Prozent). „Dieses Ergebnis macht deutlich, dass die Kundenfokussierung vieler Unternehmen noch nicht da ist, wo sie sein sollte. Da sind, nicht zuletzt im Rahmen der Digitalisierung, noch einige Hausaufgaben zu bewältigen“, befindet PwC-Expertin Barbara Lix.

Weitere spannende Hinweise finden Sie hier:
http://www.pwc.com/us/en/advisory-services/data-possibilities/big-decision-survey.html

Bildnachweis: Wavebreak Media ltd/Alamy(2), dpa picture-alliance/dpa video, PwC

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