Keine Atempause

71 Unternehmen haben derzeit weltweit die Nase vorn. Im internationalen Rennen um Wettbewerbsvorteile geben sie das Tempo vor. Dank frühzeitiger Investitionen in Industrie 4.0 und fortgeschrittener Digitalisierung sind diese digitalen Vorreiter schon heute fast dreimal erfolgreicher in der Verbindung hoher Umsatzsteigerungen mit erheblichen Fortschritten bei der Kostenreduktion als ihre Konkurrenten. Damit nicht genug, erwarten sie in den nächsten Jahren sowohl Umsatzsteigerungen als auch Kostensenkungen durch die Digitalisierung von Prozessen, Produkten und Services von jeweils mehr als 25 Prozent. Zusammen mit zusätzlich erwarteten hohen Effizienzsteigerungen dürften sie ihren Abstand weiter ausbauen.

Diese Erkenntnis ist eines der zahlreichen aufschlussreichen Ergebnisse von PwCs „2016 Global Industry 4.0 Survey“, der größten weltweiten Studie in neun Industrien und 26 Ländern. Die Studie, für die mehr als 2.000 Unternehmen weltweit befragt wurden, macht darüber hinaus deutlich: Industrie 4.0 ist für viele Unternehmen kein Zukunftsthema mehr, sondern Alltag. Liegt die Digitalisierungsquote in ihren Prozessen heute schon bei 33 Prozent, wollen sie diese in den nächsten fünf Jahren auf 72 Prozent steigern. Das bedeutet: Wer weiterhin im Wettbewerb vorne mithalten will, darf sich keine Atempause gönnen, sondern muss seine digitale Strategie konsequent weiterentwickeln und vorantreiben. Dann können sogar Nachzügler noch aufholen.

„Industrie 4.0 ist heute in erster Linie getrieben durch drei wesentliche Faktoren: die Digitalisierung und Integration der vertikalen und horizontalen Wertschöpfungsketten, die Digitalisierung des Produkts und Service-Angebots sowie digitale Geschäftsmodelle und verbesserten Kundenzugang“, sagt Reinhard Geissbauer, Partner und Leiter Industrie 4.0 in der Region EMEA bei PwC Deutschland.

Die vertikale Integration vollzieht sich dabei über die gesamte Organisation, von Produktentwicklung und Einkauf über Fertigung und Logistik bis zum Service. Alle Daten über Betriebsprozesse, Prozesseffizienz und Qualitätsmanagement sowie Planung stehen in Echtzeit zur Verfügung. Mega-Technologien wie Augmented Reality unterstützen die Prozesse, die ihrerseits und in einem integrierten Netzwerk optimiert sind. Die horizontale Integration erstreckt sich über die internen Abläufe, über Lieferanten und Kunden sowie alle wichtigen Partner entlang der Wertschöpfungskette.

Die Digitalisierung von Produkten umfasst die Erweiterung bestehender Produkte, etwa durch Hinzufügen von intelligenten Sensoren, vernetzten Maschinen oder Analyse-Tools, sowie die Kreation neuer digitaler Produkte, die sich auf vollständig integrierte Lösungen konzentrieren. Durch die Integration neuer Methoden zur Erfassung und Auswertung sind Unternehmen in der Lage, Daten über die Produkte zu erzeugen und diese im Sinne der Bedürfnisse der Endkunden zu verbessern.

Führende Industrieunternehmen erweitern ihr Produktportfolio, indem sie disruptive digitale Lösungen wie komplette, datengesteuerte Dienste und integrierte Plattformlösungen anbieten. Disruptive digitale Geschäftsmodelle konzentrieren sich dabei in der Regel auf die Generierung zusätzlicher Umsätze durch die Optimierung der Interaktion mit den Kunden. Digitale Produkte und Dienstleistungen trachten danach, Kunden mit Komplettlösungen in einem einzigartigen digitalen Ökosystem zu bedienen.

Insgesamt haben die in der Studie befragten Unternehmen durch diese Maßnahmen ihre digitalen Umsätze im Durchschnitt um 2,9 Prozent gesteigert und gleichzeitig ihre Kosten durchschnittlich um 3,6 Prozent jährlich gesenkt. Ein Drittel von ihnen erwartet in den nächsten fünf Jahren weitere erhebliche Effizienzgewinne und weitere Kostensenkungen in Höhe von 20 Prozent sowie teilweise Umsatzsteigerungen in ähnlicher Größenordnung. 43 Prozent wollen künftig mehr als sechs Prozent des Jahresumsatzes in digitale Lösungen investieren, nahezu die Hälfte davon sogar mehr als zehn Prozent. 55 Prozent gehen davon aus, dass sich ihre Investitionen in Industrie 4.0 schon innerhalb von zwei Jahren bezahlt machen.

Die PwC-Studie bietet aber nicht nur einen tiefen Einblick in den aktuellen Entwicklungsstand der weltweiten Digitalisierung. Sie liefert auch handfeste Empfehlungen, wie Unternehmen im Bereich Industrie 4.0 Fahrt aufnehmen können. So werden Unternehmen, die sich darauf konzentrieren, die digitalen Beziehungen zu ihren Kunden in den Mittelpunkt zu stellen, zu den Gewinnern zählen. „Dazu gehört nicht nur, die Wertschöpfungskette so zu ändern, dass Produkte, Systeme und Dienstleistungen zunehmend auf die Kundenbedürfnisse maßgeschneidert werden“, sagt Reinhard Geissbauer. Sondern Vorreiter, die in der Lage sind, erfolgreich interaktive industrielle Plattformen aufzubauen und gleichzeitig die Datenanalyse geschickt anzuwenden, werden deutliche Vorteile gegenüber der Konkurrenz haben.“ Immerhin erwarten 83 Prozent der befragten Unternehmen, dass Data & Analytics in fünf Jahren einen immensen Einfluss auf ihre Entscheidungsfindung haben wird, gegenüber 50 Prozent heute.

Die größte Herausforderung auf diesem Weg ist aber nicht die Technologie selbst. Sondern es sind die Menschen, sagt der PwC-Experte: „Eine der größten Herausforderungen ist ein Mangel an digitaler Kultur und Fähigkeiten in vielen Organisationen.“ So hat der jüngste Digital IQ Survey von PwC eruiert, dass Erfolg oder Misserfolg der Digitalisierung nicht von spezifischen Sensoren, Algorithmen oder Analyse-Programmen abhängt, sondern von der Verfügbarkeit eines breiteren Spektrums unterschiedlicher Fähigkeiten der Mitarbeiter. Industrieunternehmen müssen eine robuste digitale Kultur entwickeln, bei der die Führungsriege darauf hinarbeitet, entsprechendes Personal auch zu gewinnen, zu halten und zu trainieren.

Dazu kommt ein weiterer entscheidender Punkt: digitales Vertrauen. „Bei aller Veränderung im Rahmen der digitalen Transformation können Unternehmen es sich nicht leisten, dieses wichtige Feld zu ignorieren“, sagt Reinhard Geissbauer. „Digitale Ökosysteme können nur effizient funktionieren, wenn alle Parteien beteiligt sind und auf die Sicherheit ihrer Daten und Kommunikation sowie den Schutz ihres geistigen Eigentums innerhalb des Systems vertrauen können. Der Schutz der Unternehmen und die Gewährleistung des digitalen Vertrauens erfordern noch erhebliche Investitionen und klare Richtlinien für Sicherheit und Datenintegrität.“

Bildnachweis: Image Bank Film/GettyImages, PwC

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