Sicherer Hafen

Die Digitalisierung durchdringt sämtliche Wirtschaftszweige und verändert die Logik bestehender Geschäftsmodelle. Bei der Frage, wie sich Wertschöpfungsketten in Zukunft über Branchen und Länder hinweg erweitern lassen und Innovationen entstehen, wird die möglichst umfangreiche Nutzung von Daten und Methoden der Big Data Analytics zum entscheidenden Faktor. Wie jedoch lässt sich ein Austausch dieser Daten vertraulich und regelkonform gewährleisten? Und wie können Unternehmen die Hoheit über deren Prozesse und ihre eigenen Daten behalten?

Eine praxisbezogene Antwort darauf ist der Ende Januar 2016 gegründete gemeinnützige Verein „Industrial Data Space e.V.“ (IDS). Sein Ziel: die digitale Vernetzung der deutschen Industrie in den kommenden Jahren entscheidend voranzutreiben. Auf Basis eines offenen Architekturmodells soll der IDS einen sicheren Datenaustausch mit gemeinschaftlichen Regeln für alle Unternehmen ermöglichen. Neben PwC und der Fraunhofer-Gesellschaft sind bereits 15 weitere bekannte deutsche Unternehmen sowie der Zentralverband der ­Elektrotechnik- und Elektronikindustrie an Bord. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt die Initiative finanziell.

„Der Industrial Data Space bildet die Grundlage, um Daten sicher und selbstbestimmt auszutauschen. Er unterstützt Unternehmen bei der Nutzung dieser Innovationspotenziale und stellt grundlegende Datendienste bereit, zum Beispiel die Anonymisierung von Daten, Integrationsdienste und die Einstellung von ‚Verfallsdaten‘ für deren Nutzung“, sagt Markus Vehlow, Partner und Verantwortlicher für den Bereich Cloud Computing bei PwC Deutschland.

In mehreren Arbeitsgruppen entwickeln Unternehmen aus allen Branchen gemeinsam mit Vertretern aus dem Forschungsprojekt die Anforderungen an den sicheren, standardisierten Datenaustausch und die digitale Souveränität weiter. Herzstück sind die sogenannten Use-Cases. Hier werden die Kern-Funktionalitäten und Smart Services des Industrial Data Space in der Praxis getestet und validiert. „Dabei entwerfen die Mitgliedsunternehmen gemeinsam mit den beteiligten Fraunhofer-Instituten prototypische Referenzanwendungsfälle für die jeweiligen Szenarien“, erläutert Lars Nagel, Leiter der Geschäftsstelle Industrial Data Space Association.

Aktuell befinden sich sechzehn konkrete Use-Cases in der Umsetzung. Dabei stehen Handlungsfelder wie „Transparenz in Lieferketten und Supply Chains“, „Verbesserung von Produktion und Industrie 4.0“ sowie „Unterstützung für Ende-zu-Ende-Kundenprozesse“ im Fokus. Mittelfristig werden die Use-Cases auf alle Branchen ausgeweitet, um so den angestrebten branchenübergreifen internationalen Standard zu gewährleisten.

Damit leistet der Industrial Data Space e.V. einen wichtigen Beitrag zur digitalen Transformation von Unternehmen. Denn bislang fehlen im Bereich digitaler Datenräume allgemein akzeptierte Sicherheits- und Datenschutzstandards. Diese Lücken will der Industrial Data Space schließen. Die bislang auf Deutschland beschränkte Initiative soll aber nur ein Zwischenschritt sein. „Auf mittlere Sicht ist die Gewährleistung der digitalen Souveränität über Daten und Dienste nicht nur eine nationale Aufgabe – sondern eine europäische“, sagt Markus Vehlow. „Mittelfristig muss es darum gehen, das Datenraumprojekt auf die europäische Ebene zu überführen und EU-weite Standards zu setzen.“

Die Mitgliederzahl des Vereins wächst ständig, mit Stand August waren es 35.

www.industrialdataspace.org

Bildnachweis: Creatas Video/GettyImages, PwC, Tim Brackmann(8)

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