Massive Umsatzsteigerungen und Investitionen

Was sind die Schlüsselergebnisse der jüngsten Industrie-4.0-Studie von PwC?
Im Kern gibt es drei wesentliche Erkenntnisse. Erstens: Industrie 4.0 ist in den Unternehmen angekommen. 35 Prozent der Unternehmen haben bereits eine hohe Digitalisierungsquote in ihren Prozessen. Und alle wollen sie diese in den nächsten fünf Jahren auf 75 Prozent steigern. Das wird zu massiven Investitionen in diesem Bereich führen. Die zweite Erkenntnis: Die Unternehmen generieren schon in erheblichem Umfang zusätzliche Umsätze aus Industrie 4.0 durch digitale Services und Plattformstrategien, zusätzliche Sensorik, Pay-per-Use-Modelle und Verfügbarkeitsgarantien. Das wird zu zwei bis drei Prozent Umsatzsteigerungen führen. Drittens wird Industrie 4.0 dazu beitragen, die Effizienz der fertigenden Unternehmen über die nächsten Jahre zu sichern. Im Schnitt werden zwei bis drei Prozent Kostensenkungspotenziale pro Jahr verwirklicht.

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Warum entwickelt sich Industrie 4.0 inzwischen so rasant und was bedeutet das für deutsche Unternehmen?
Auch dafür gibt es drei wesentliche Faktoren: Zum einen sind die Technologien und Lösungen vorhanden, die jetzt verstärkt in den Unternehmen miteinander kombiniert und in größeren Dimensionen angeboten werden: die vorausschauende Wartung von Anlagen, verbesserte Qualitätskontrolle, Sensorik, um Maschinen zu messen, cloudbasierte Lösungen, Algorithmen, um die Effektivität berechnen oder vorauszusagen, und digitale Instrumente wie etwa Google Glass für Servicetechniker. Zum anderen haben fast alle der von uns in der Studie befragten mehr als 2.000 Unternehmen schon erfolgreich erste Piloten im Bereich Industrie 4.0 gefahren. Die kommen jetzt in die Umsetzung, und das bedeutet, die Investitionen in Industrie 4.0 werden weiterhin massiv steigen. Nicht zuletzt haben die Unternehmen in den vergangenen Jahren sehr stark auch in digitale Talente investiert und Mitarbeiter eingestellt, die das Thema gut beherrschen und umsetzen.

Wie entwickelt sich der Wettlauf der digitalen Führung zwischen Deutschland und den USA in Zukunft, wie stehen die Chancen der deutschen Unternehmen?
Aus der Studie geht klar hervor, dass der Fokus deutscher und amerikanischer Unternehmen unterschiedliche Schwerpunkte hat. In den USA stehen neue Geschäftsmodelle und das Sammeln von Daten im Vordergrund, um daraus neue Umsätze zu generieren. In Deutschland haben Kosteneinsparungen, Qualitätssteigerungen in den Werken, neue Services sowie Effizienzsteigerung bislang hohe Priorität. Der Vorsprung ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. In den USA ist zum Beispiel General Electric sehr innovativ und in Deutschland Bosch. Grundsätzlich geht es aber mehr darum, ob die Unternehmen verstanden haben, welche Potenziale in Industrie 4.0 schlummern.

Haben das denn inzwischen alle Unternehmen verstanden?
In Deutschland steht der Mittelstand dem Thema Industrie 4.0 teilweise noch immer skeptisch gegenüber. Das liegt auch an den erforderlichen Investitionen. Da muss die Politik noch besser fördern. Aber das sind Themen, die sich lösen lassen. Im Bereich der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle können die deutschen von den US-Unternehmen noch lernen, vor allem, den Wert der Daten zu schätzen. Konkret geht es darum zu erkennen, dass die Daten das Lebenselixier sind, das sich aus Industrie 4.0 gewinnen lässt. Da sind manche Unternehmen noch zu zurückhaltend.

Bildnachweis: Image Bank Film/GettyImages, PwC

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