Interview

„Der zentrale Wendepunkt“

Warum brauchen Unternehmen heute dringend einen Chief Digital Officer (CDO)?
Die digitale Transformation ist einzigartig und ungewöhnlich zugleich. Sie mit bislang bewährten Mitteln umzusetzen, wird nicht erfolgreich sein. Die meisten Unternehmen kennen in der Regel nur die Möglichkeit, reaktiv und mit traditionellen Methoden daranzugehen. Es wäre aber fahrlässig, nur die bisher vorhandenen Positionen, etwa in der IT oder im Marketing, aufzuhübschen. Grundsätzlich liegt die Verantwortung für die digitale Transformation beim CEO beziehungsweise bei den Eigentümern. Dass diese die Fähigkeiten zu deren Umsetzung mitbringen, ist nach unserer Erfahrung eher selten. Die Position des CDOs ist daher die angemessene Reaktion auf die neuen Herausforderungen im digitalen Zeitalter. Denn die Zeitskala des digitalen Wandels ist sehr kurz – sie bringt viele radikale Veränderungen mit sich, die jeweils wieder neue Paradigmen schaffen. Die Anpassungsfähigkeit eines etablierten Unternehmens läuft aber behäbiger. Wer diese Zeitskala nicht aktiv durchbricht, läuft Gefahr, die Zukunftsfähigkeit zu verlieren.

Abbildung articles/cdo/teaser-pachmajer-friedrich.jpg

Was zeichnet einen typischen und erfolgreichen CDO aus?
Den typischen CDO kann und sollte es nicht geben, denn jeder CDO muss mit seinem Mandat und seiner Positionierung die Unternehmensstrategie unterstützen. Dem Grundsatz folgend, dass die Organisation der Strategie folgt, muss die Rolle und Ausstattung des CDOs sehr genau an die Unternehmensstrategie angepasst werden. Wir sprechen daher von CDO-Archetypen, die wie Primärfarben individuell gemischt werden müssen, um den idealen, strategieunterstützenden Farbton zu erhalten. Allen CDO-Archetypen gemeinsam sollte eine gewisse Entkopplung von der Vergangenheit sein. Es gilt, die digitale Zukunft neu zu gestalten und zu akzeptieren, dass die Erfolgsrezepte der Vergangenheit nicht in das digitale Zeitalter übertragen werden können. Aus diesem Grund sprechen wir auch immer wieder von Disruption.

Wodurch qualifiziert man sich für die Stelle, die bis vor Kurzem noch gar nicht existierte?
Es gibt keine etablierte Beschreibung für einen CDO. Es gibt aber einige Kernfähigkeiten: Er oder sie muss in der Lage sein, digitale Technologien zu verstehen, die notwendig sind, um neue digitale Geschäftsmodelle umzusetzen. Dazu kommt die Fähigkeit, innovative Produkte und Services vom Kunden aus zu denken. Zudem muss er oder sie den Mut und die Fähigkeit mitbringen, herkömmliche Arbeits- und Verhaltensweisen im Unternehmen infrage zu stellen. Denn der CDO ist eben auch der erste Change Manager der digitalen Transformation. Eine weitere zentrale Eigenschaft ist die Effizienz, denn bei der digitalen Transformation geht es auch darum, interne Abläufe neu zu strukturieren. Ein CDO muss dafür alle Funktionen und Unternehmenseinheiten durchleuchten und somit eine Verbesserung der Kundeninteraktion und die Erhöhung der Prozess- und Produktionskompetenz durch den Einsatz digitaler Technologien umsetzen, Stichwort Industrie 4.0. Früher hat das teilweise der CIO gemacht, aber heute sind für diese Aufgabe viel weitreichendere Kompetenzen erforderlich. Und nicht zuletzt muss ein CDO auch unternehmerische Eigenschaften mitbringen, also die Art und Weise der Wertschöpfung hinterfragen und kreativ neue Geschäftsmodelle entwickeln.

Wie starten Unternehmen und ihr CDO am geschicktesten in die digitale Transformation?
Grundsätzlich sind digitale Leuchtturmprojekte wichtig, in denen die digitale Interaktion mit Kunden gelebt werden kann. Dabei lassen sich zum Beispiel bereits Daten sammeln, die man für neue Geschäftsmodelle nutzen kann. Dazu sollte ein CDO darin bewandert sein, digitale Technologien einzusetzen, um die Kunden und deren Bedarfe besser zu verstehen, also im besten Sinne von Steve Jobs den Kundenwunsch antizipieren können.

Wie finden Unternehmen heraus, welchen CDO-Typen sie brauchen – und wo finden Sie diesen dann?
Genau dabei hilft der Blick auf die Archetypen. Wichtig ist, dass die Person zu Status und Strategie des Unternehmens passt. Wenn ein Unternehmen den Prozess der digitalen Transformation erst in Gang setzen muss, braucht es eher einen Strategen und Vordenker. Ist ein Unternehmen in dem Prozess schon fortgeschritten, hängt es davon ab, ob es neue Geschäftsmodelle implementieren möchte – dann ist eher jemand mit tiefen Kenntnissen in Marketing und Vertrieb gefragt. Geht es darum, neue Technologien für Produktion und Prozesse zu etablieren, dann sollte die Position eher in Richtung CIO tendieren. Optimalerweise kommt diese Person aus einem anderen Unternehmen oder sogar einer anderen Industrie. Dann besteht nicht die Gefahr, dass sie in den alten Verhaltensweisen, Rollen und Kulturen verhaftet ist, die ja gerade durch sie aufgebrochen werden sollen. Möglicherweise sollte der Kandidat oder die Kandidatin auch jünger sein als der übliche deutsche Manager. Die „Digital Natives“ der Generation Y bringen durch ihr vernetztes Denken ein hohes Potenzial als Transformatoren des Unternehmens mit.

Bildnachweis: PwC(2)

Newsletter abonnieren

Mit dem Newsletter verpassen Sie keine Ausgabe der next: Das Magazin für Vorausdenker

Anmelden
Experten kontaktieren

Sie haben Fragen oder möchten mit einem unserer Experten zu diesem Thema sprechen? Melden Sie sich gerne bei uns.

Kontaktieren
Diesen Beitrag teilen

Hier können Sie den Beitrag über soziale Medien teilen.

Teilen