Interview

„Systematisch lernen, analytische Ergebnisse zu verstehen“

Was ist das Kernergebnis der „Big Decisions-Studie“ aus der Sicht deutscher Unternehmen?
Die Studie zeigt, dass deutsche Unternehmen Daten und Advanced Analytics im hohen Maße nutzen, aber den Ergebnissen nicht im vollen Umfang trauen. Das Potenzial von Datenanalysen zur Entscheidungsunterstützung könnte besser ausgeschöpft werden, indem Führungskräfte systematisch lernen, analytische Ergebnisse zu verstehen und zu bewerten, in welchen Fällen sie datengetriebenen Erkenntnissen vertrauen und wann sie diese mit ihrer Intuition kritisch hinterfragen.

Wie schnell wird sich Data & Analytics als Entscheidungshilfe in den Chefetagen etablieren?
Auf jeden Fall wird sich der Mehrwert der Nutzung von Daten und Algorithmen in Zukunft auch durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz deutlich erhöhen. Selbstlernende, intelligente Systeme sagen heute schon Geschäftsentwicklungen, Markttrends, Entscheidungs- und Vertragsrisiken, Kundenwünsche- und verhalten sowie Maschinenausfälle und Wartungsbedarfe vorher. In Zukunft werden diese Systeme sogar Handlungsempfehlungen für operative Entscheidungen geben. Inwieweit diese Handlungsempfehlungen für „Big Decisions“ gegeben und Akzeptanz finden werden, wird sich zeigen.

Was bedeutet es in Zeiten von Big Data, dass sich mehr als 40 Prozent der Chefs bei strategischen Entscheidungen noch auf ihren Bauch verlassen?
Die Mehrzahl der heutigen Unternehmenslenker sind keine Kinder der Generation Internet. Sie vertrauen daher ihren bewährten Entscheidungsmethoden.Viele Unternehmen experimentieren bereits mit Big Data in ausgewählten Bereichen. Auf der Entscheiderebene ist das Thema aber noch nicht wirklich angekommen. Es muss zwar nicht alles rein faktenbasiert entschieden werden, allerdings sollten in der heutigen Zeit Daten durchweg zur Unterstützung von Entscheidungen hinzugezogen werden. Dazu muss noch gelernt werden, was diese Daten bedeuten und auf welche Typen von Entscheidungen sie passen und wie die Daten zu interpretieren sind. Das ist ein Prozess, der nicht einfach ist, weil hier die grundsätzliche Entscheidungskultur betroffen ist.

Wie finden Unternehmen das richtige Verhältnis von Bauch und Bits?
Sie sollten für jede einzelne Entscheidung abwägen, wo der Maschine mehr zu vertrauen ist. Das wird zunächst sehr individuell geschehen. Wir können unseren Kunden auf diesem Weg helfen, sowohl durch die Auswahl der geeigneten Anwendungsfälle und der richtigen Algorithmen sowie durch die intuitive Visualisierung der Ergebnisse.

Bildnachweis: Wavebreak Media ltd/Alamy(2), dpa picture-alliance/dpa video, PwC

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