Auf dem Prüfstand

Es war die Datenleitung im Keller. Markus Vehlow, Partner und Cloud-Experte bei PwC Deutschland beschreibt, wie ein Kunde ihn und seinem Team einmal für eine Cloud-Readyness-Analyse beauftragt hat. Alles war vorbereitet, der Anbieter ausgesucht, der Zeitplan ehrgeizig, die zu erwartenden Produktivitätssteigerungen geradezu beglückend. Leider hatte niemand mit dem Mann im Keller gesprochen, der die Kabelstränge zur Außenwelt verwaltete. Mit der technischen Schwierigkeit seitens des lokalen Anbieters, die vorhandene Leitungskapazität zu erweitern, wurden alle Pläne schlagartig zu Makulatur, einschließlich des Zeitplans.

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Um derartige Pannen auszuschließen, bietet PwC zu Beginn eines Cloud-Vorhabens standardmäßig sogenannte „Readyness-Analysen“ an. Da werden 240 Fragen abgeklopft und eine Vielzahl von Interviews im Unternehmen geführt. Dabei geht es dann nicht nur um das Kabel im Keller, sondern die gesamte Bandbreite von relevanten Fragestellungen rund um Sicherheit, Datenschutz, Verfügbarkeit, Risiko-Management, Compliance und IT-Infrastruktur kommt auf den Prüfstand. „Die Grundfrage lautet stets: Verkraftet Ihr das eigentlich? Sonst lasst lieber die Finger davon!“, sagt Markus Vehlow.

Im nächsten Schritt kämpft das Team aus Prüfern und Beratern gemeinsam um Übersicht bei der Auswahl der Produkte und Anbieter. Dabei gilt es zentrale Fragen abzuklopfen: Welche Dienste werden überhaupt gebraucht? Welcher Service-Level muss garantiert sein? Welche Zertifizierungen und Sicherheitsgarantien muss der Anbieter liefern? Welche Datenschutzbestimmungen müssen beachtet werden? Soll es eine private Cloud beim Unternehmen oder eine öffentliche Cloud beim Anbieter sein oder etwas dazwischen? Braucht es ein deutsches Rechenzentrum, vielleicht sogar geschützt durch einen Treuhänder, der alleine Zugriff zu den sensiblen Daten hat? Wie muss der Vertrag gestaltet sein, wer haftet für was, welche Ausstiegsmöglichkeiten gibt es? Wie erfolgt die Anbindung an die eigene Infrastruktur? Welche Auswahl aus den technischen Details im Angebot ist sinnvoll?

„Ein Blatt Kleingedrucktes reicht nicht“, sagt Vehlow, räumt aber ein, dass große Cloud-Anbieter sich natürlich nicht oft auf dreißigseitige individualisierte Verträge einlassen. Auf der anderen Seite hätten manche Software-Anbieter, die vorher nur Lizenzgeschäft betrieben hätten, ein Interesse am Wachstum der Cloud-Kunden und seien wiederum zu Zugeständnissen bereit.

Manchmal gilt es, am Schluss noch einmal gut zu rechnen, also die Alternativen Cloud versus neues Rechenzentrum emotionslos auf Wirtschaftlichkeit und Zukunftsfähigkeit zu prüfen. Da muss das Pendel durchaus nicht immer zugunsten der IT aus der Steckdose ausschlagen. Bisweilen ist auch eine eigene Lösung die bessere Alternative.

Bildnachweis: Creatas Video/GettyImages, PwC

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