Goldgrube Steuerdaten

Jahresabrechnungen, Reisedaten, Entsendungen – allein im Personalbereich sitzen Unternehmen auf Massendaten, deren Wert sie bislang nicht zur Steigerung des Ergebnisses nutzen. „Werden die vorliegenden Daten mit anderen Tools und anderen Zielen ausgewertet, kommen teilweise erhebliche Effizienzgewinne heraus“, weiß Klaus Schmidt, Technology & Business Transformation Leader im Bereich Tax & Legal bei PwC Deutschland. „Allerdings müssen die Unternehmen dafür ihren Blickwinkel ändern und digitale Instrumente einsetzen. Bislang wird überwiegend der Rückspiegel für die Steuerplanung benutzt. Der Blick nach vorne mit dem Fernglas hilft dabei, bessere Entscheidungen zu treffen.“

Abbildung articles/mit-mikroskop-und-teleskop/teaser-goldgrube-steuerdaten.png

Mit innovativen Analyseverfahren, die eine automatische Verbindung zwischen Big Data, statistischer Analyse, maschinellem Lernen und internen Unternehmensdaten umfassen, lässt sich etwa über die Reisekostenabrechnungen erkennen, ob Mitarbeiter sich mehr als 183 Tage in einem Land aufhalten. Das Unternehmen wäre dann unter Umständen gezwungen, in diesem Land eine Betriebsstätte anzumelden. Mit digitalen Auswertungs- und Visualisierungstools lässt sich schnell feststellen, ob hier ein Risiko entsteht – und zwar bevor die entsprechenden Grenzen erreicht sind.

„Mit Advanced Analytics-Verfahren lassen sich auch relativ einfach die Warenströme innerhalb des Unternehmens und an Kunden nachvollziehen. Damit lassen sich zum Beispiel Transferpreise im Unternehmen nicht mehr nur historisch anpassen, sondern auf Transaktionsebene in Echtzeit im Hinblick auf das am Jahresende gewünschte Ziel adjustieren. Parallel dazu kann man zum Beispiel auch sehen, ob das Unternehmen in diesen Ländern auch umsatzsteuerliche Registrierungen hat. Das ist momentan oft nur schwer zu überblicken und führt zu Straf- und Verspätungszahlungen und weiteren Kosten“, sagt Steuerfachmann Schmidt. „Den in den steuerlich relevanten Daten verborgenen Schatz mit digitalen Tools zu heben, hat hohes Ergebnispotenzial für den Finanzbereich des Unternehmens und kann zu einer Goldgrube werden.“

Zentrale Voraussetzung, damit digitale Data & Analytics-Instrumente ihre volle Wirkung entfalten, ist die Datenqualität. Mit einer Vielzahl an steuerlichen Einzellösungen, mit denen Unternehmen bislang noch operieren, ist diese alles andere als optimal. Die eingesetzten Tools können schließlich nur so gut sein, wie die Daten, auf die zurückgegriffen werden kann. Dafür müssen künftig die ERP-Systeme richtig verknüpft sein. Zudem gelte es, alle weiteren Quellen zusammenführen, etwa in einer Tax-Datenbank des Unternehmens, um eine hohe Datenqualität und -verfügbarkeit sicherzustellen, empfiehlt Schmidt.

Unternehmen sollten daher rasch auch eine auf Steuern ausgerichtete, digitale Grundarchitektur aufbauen, um ihre Effizienz im steuerlichen Bereich zu steigern. „Wenn das nicht passiert, verschenken sie bares Geld und haben darüber hinaus ein größeres Problem, ihre Compliance einzuhalten“, so der Experte. „Auch die Finanzverwaltungen rüsten technologisch auf und sind in der Lage, Unternehmensdaten digital zu analysieren. Dem müssen die Unternehmen entgegenwirken, indem sie mindestens den gleichen Informationsstand erreichen.“

Bildnachweis: PwC(4)

Newsletter abonnieren

Mit dem Newsletter verpassen Sie keine Ausgabe der next: Das Magazin für Vorausdenker

Anmelden
Experten kontaktieren

Sie haben Fragen oder möchten mit einem unserer Experten zu diesem Thema sprechen? Melden Sie sich gerne bei uns.

Kontaktieren
Diesen Beitrag teilen

Hier können Sie den Beitrag über soziale Medien teilen.

Teilen