Als die Dinge haften lernten

Dinge sind Dinge, keine Menschen. Also können sie für Mängel oder Fehlverhalten auch nicht haften. So war es für Juristen schon immer: Tiere wurden in früheren Zeiten schon mal bestraft oder gar hingerichtet (wie die Elefantenkuh Mary, die 1916 in den USA gehängt wurde, weil sie ihren Trainer getötet hatte) – aber Dinge dann doch nicht. Aber je intelligenter die Dinge werden, und je eigenständiger sie werden, desto mehr wird diese klare Position aufgeweicht. Beim Autoverkehr ist das derzeit gut zu beobachten. So wurde beispielsweise im internationalen „Wiener Übereinkommen“ für den Straßenverkehr der Fahrer im Jahr 2014 teilweise aus seiner Verantwortung entlassen. Er muss nicht mehr jederzeit das Fahrzeug führen, sondern kann diesen Job auch Assistenzsystemen übertragen – sofern er das System jederzeit überstimmen oder abschalten kann. Aber auch diese Regel wird spätestens dann geändert werden, wenn es in autonomen Systemen gar keinen definierbaren Fahrer mehr gibt.

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Die Haftung bei Fehlverhalten wird dementsprechend teilweise dem Fahrer abgenommen und dem Hersteller von Fahrzeug und/oder Software aufgebürdet. Vermutlich wird es einige Grundsatzprozesse dauern, bis hier Klarheit geschaffen wird, wer in welcher Situation wofür haftbar ist. Die Produkte (wie hier Autos) dürften durch das Haftungsrisiko teurer werden – aber dafür die KFZ-Versicherung billiger.

Je nach Fortgang der technischen Entwicklung muss auch das nicht das letzte Wort sein. Autonom agierende Systeme könnten auch eine eigene Verantwortung übertragen bekommen. So wie für die Unternehmen im Bürgerlichen Gesetzbuch von 1900 die Rechtsform der „juristischen Person“ geschaffen wurde, könnte auch die Schaffung einer „digitalen Person“ denkbar sein.

Bildnachweis: Vetta/GettyImages, Mikko Lemola/Istockfoto, PwC

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