Stellenbeschreibung

McDonald’s hat einen, TUI, Bayer und auch Ergo haben ebenfalls einen eingestellt. Aber nicht nur Konzerne reagieren im Personalbereich auf die Digitalisierung mit der Verpflichtung eines Chief Digital Officer – abgekürzt CDO –, sondern auch familiengeführte Unternehmen wie Viessmann haben bereits einen. Und zahlreiche deutsche Unternehmen überlegen derzeit, ob sie angesichts der Transformation ihrer Unternehmen ebenfalls eine solche Stelle einrichten.

Dass die Bedeutung dieser Position in den Führungsetagen angekommen ist, belegt auch das Beispiel Wacker Chemie. Das Münchner Unternehmen hat die Gesamtverantwortung für die digitale Transformation seit September 2016 in die Hände eines Managers gelegt: Dirk Ramhorst ist der erste CDO des Familienunternehmens. Damit gehört Wacker Chemie zwar immer noch zur Minderheit. Aber inzwischen beschäftigen schon 13 Prozent der Firmen in Europa einen CDO, so eine Studie von Strategy&, der Strategieberatung von PwC, weltweit sind es sechs Prozent. Einen einheitlichen Karriereweg können die amtierenden CDOs nicht vorweisen: 34 Prozent kommen laut Studie aus dem Marketing, 17 Prozent aus dem Vertrieb, 14 Prozent aus der Technologieentwicklung und 13 Prozent aus der Beratung. „Aber alle CDOs haben eines gemeinsam: Sie führen Unternehmen durch die spezifischen Phasen der digitalen Transformation“, sagt Roman Friedrich, Autor der „2015 Chief Digital Officer“-Studie und Koautor der Studie „The Right CDO for your Company’s Future“ sowie Geschäftsführer bei Strategy& Deutschland.

Diese digitale Transformation hat sich in den vergangenen zwei Jahren zur zentralen Managementherausforderung unserer Zeit entwickelt. Die Unternehmen sämtlicher Branchen erkennen inzwischen, dass die Digitalisierung keine neue Technologie ist, über die man lange nachdenken kann, sondern eine Revolution, die ihr gesamtes Wettbewerbsumfeld im Sturm umkrempelt. „Die Verantwortlichen an der Firmenspitze realisieren, dass Digitalisierung die Art und Weise der Interaktion mit den Kunden, Partnern, Lieferanten und Start-ups dramatisch verändert“, sagt Michael Pachmajer, Koautor des Strategiepapiers „The Right CDO for your Company’s Future“ und als Direktor bei PwC verantwortlich für den Beratungsschwerpunkt Digitale Transformation im Kundensegment Mittelstand und Familienunternehmen. „Sie überdenken radikal ihre internen Prozesse, Praktiken und Verhaltensweisen. Und sie stellen fest, dass es nicht ausreicht, dafür IT und Marketing aufzupolieren. Die Anforderungen der Digitalisierung zwingen Unternehmen vielmehr ultimativ dazu, jeden Aspekt ihres Geschäfts zu transformieren.“

Sie haben zudem erkannt: Es muss jemanden geben, der oder die für alle Aspekte der digitalen Transformation des Unternehmens verantwortlich ist. Und das ist immer häufiger der CDO. Er steuert die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle, die Verbesserung der Kundeninteraktion, regt zum Andersdenken an und fördert den Einsatz digitaler Technologien. Aber er muss – eine nicht minder anspruchsvolle Aufgabe – auch die andere Seite der Medaille repräsentieren und als Change Manager agieren: „Mit dem technologischen Wandel geht gleichzeitig auch die kulturelle Veränderung einher. Diese erfordert mehr denn je Dinge wie zum Beispiel das Aufbrechen von Silos und abteilungsübergreifende Zusammenarbeit, Teilen des Wissens, Nutzen der Schwarmintelligenz im Unternehmen sowie die Entwicklungen einer Fehlerkultur“, sagt Michael Pachmajer.

In dieser Position sind spezielle Managementfähigkeiten gefragt. Denn die digitale Transformation betrifft alle Funktionsbereiche eines Unternehmens. Das Problem: Es gibt praktisch keine Person, die alle Kompetenzen in sich vereint. Deshalb sollte jedes Unternehmen bei der Wahl des geeigneten CDOs darauf achten, welche Rolle und Verantwortlichkeiten benötigt werden, wie die digitale Organisation aufgebaut und die Führungslinien strukturiert sein sollten, welche digitalen Technologien benötigt werden und wie der digitale Erfolg zu messen ist, empfiehlt Roman Friedrich. „Die spezifischen Ausprägungen und Schwerpunkte der Stelle können und sollten sich daher stark an den strategischen Zielen des jeweiligen Unternehmens ausrichten“, erläutert Friedrich weiter.

„Die spezifischen Ausprägungen und Schwerpunkte der CDO-Stelle können und sollten sich stark an den strategischen Zielen des jeweiligen Unternehmens ausrichten.“

Roman Friedrich, , Geschäftsführer bei Strategy&, der Strategieberatung von PwC

In dem Strategiepapier „The Right CDO for your Company’s Future“ hat er gemeinsam mit Michael Pachmajer fünf Archetypen eines CDOs entwickelt: Der Progressive Thinker fokussiert sich auf die Entwicklung der digitalen Strategie und fördert Innovation im Unternehmen. Im Gegensatz dazu geht der Creative Disruptor bei der Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle mit einer starken Hands-on-Mentalität vor, um neue Umsatzpotenziale zu erschließen. Der Customer Advocate konzentriert sich vor allem auf die Kundenzufriedenheit und ist marktorientiert aufgestellt. Die Vorgehensweise des Innovative Technologist schließlich kommt der des innovativen und businessfokussierten Chief Information Officers oder Chief Technology Officers sehr nahe. Der Universalist ist der anspruchsvollste unter den fünf Archetypen, da er alle zentralen Aspekte der digitalen Transformation verantwortet und über Fachkenntnisse in mehreren Bereichen verfügt: Marketing, Technologie und Change Management.

Die Archetypen bilden eine Art Leitfaden für Unternehmen und Personalverantwortliche, der ihnen ein tieferes Verständnis für die Rolle des CDOs vermitteln soll. Jeder der Archetypen bezieht sich auf eine Reihe von Aufgaben und Verantwortlichkeiten, die man je nach Unternehmenstyp und Anforderungen auch miteinander kombinieren kann.

Pachmajer: „Der CDO ist aber kein Selbstzweck. Das Unternehmen muss vor der Implementierung einer solchen Position genau festlegen, in welcher Transformationsphase es sich gerade befindet und welchen der Archetypen diese erfordert. Das heißt, zuerst die Strategie ableiten, dann den Transformationsplan aufstellen und schließlich den passenden CDO-Archetypen aussuchen. Daraus ergibt sich dann quasi schon eine Stellenbeschreibung, was genau die jeweiligen Aufgaben, die Verantwortlichkeiten und Befugnisse des CDOs sind.“

Aber was genau macht ein CDO eigentlich? Stefanie Waehlert, Chief Digital Officer bei TUI Deutschland hat in ihren ersten Monaten die digitale Zukunftsstrategie „Our digital journey“ aufgesetzt. „Der CDO ist derjenige, der die Online-Strategie im Sinne der TUI Deutschland entwickelt, die digitale Transformation von der Business-Seite her vorantreibt und auch das E-Commerce-Geschäft verantwortet“, erklärt Waehlert. „In dieser Position ist er Stratege, Umsetzer, Change Manager und Impulsgeber in einem. Er verzahnt das gesamte Unternehmen, damit die Customer Journey on- wie offline ein überzeugendes Kauf-, Service- und Reiseerlebnis wird.“

Bildnachweis: PwC(2)

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