Büro-Kollege Roboter

Aus den Werkhallen der Fertigungsindustrie sind Roboter längst nicht mehr wegzudenken. Jetzt rücken die Maschinenwesen noch näher an den Menschen heran. Die ersten Dax-Unternehmen sind dabei, sogenannte Robotic Process Automation (RPA) zu implementieren. So hat etwa die Deutsche Telekom zusammen mit Almato, einem Spezialisten für Automatisierungssoftware, Hunderte Software-Roboter implementiert.

„In den nächsten fünf Jahren wird sich die Arbeitswelt, wie wir sie kennen, dramatisch verändern. Roboter halten Einzug in die Büros und übernehmen dort künftig einen Großteil der Aufgaben heutiger Sachbearbeiter“, ist Damir Maras, Experte für Robot Process Automation bei PwC Deutschland, überzeugt. „Vor allem bei Finanzprozessen ist das Potenzial enorm.“ Bei der Telekom arbeiten die digitalen Kollegen bereits einfache Geschäftsprozesse selbsttätig ab, wie Rücklastschriften, Vertragskündigungen und Vertragsänderungen – mit 100-prozentiger Genauigkeit. Die vollautomatisierte Bearbeitung ermöglicht eine höhere Effizienz im Vergleich zu manueller Arbeit, bringt Zeit- und Kostenersparnis sowie eine Steigerung der Servicequalität.

Doch anders als in der Fertigung, wo sich die Standardisierung von Prozessen über mehrere Jahrzehnte entwickelt hat, werden die Büro-Roboter sich aufgrund der technologischen Entwicklung rasend schnell durchsetzen, erwartet der PwC-Experte. Zumal zu deren Einsatz keine spezielle IT erforderlich ist. Die RPA-Technologie ist schnell und flexibel einsetzbar, ermöglicht kurzfristige Effizienzsteigerungen und liefert die Grundlage für schnellere und sicherere Entscheidungen durch die Möglichkeit zusätzlicher Datenanalyse. „Der Einsatz von Robotics Process Automation führt bis zu einer 30-prozentigen Steigerung der Produktivität und kann die Kosten um 75 Prozent von 60–80.000 auf 15–20.000 Euro pro Arbeitsplatz senken“, sagt Damir Maras. Zahlreiche Unternehmen, die einfache Tätigkeiten zuletzt in sogenannte Shares Service Center ausgelagert haben, werden künftig dazu übergehen, dort bislang von Menschen ausgeführte Arbeiten durch RPA zu ersetzen, ist er überzeugt. Kein Wunder, schließlich arbeitet der Roboter 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag.

Der Markt wird sich rasant entwickeln: von 183 Millionen auf rund fünf Milliarden US-Dollar in 2020 – zusätzlich befeuert durch schnell zunehmende Investitionen in Robotik-Technologie-Unternehmen, die wiederum zu weiteren technologischen Sprüngen führen werden, so eine Schätzung von Transparency Market Research. In Zukunft wird es daher möglich sein, sehr viel komplexere Prozesse abzuarbeiten als heute in den ersten Pilotprojekten.

Allerdings sollten Unternehmen vor dem Einsatz von RPA einige zentrale Fragen klären: Was sind erste einfache Tätigkeiten, was die richtigen Prozesse und wie lassen sich diese optimieren, bevor sie über einen digitalen Mitarbeiter vorgenommen werden? Wie sieht es beim Kollegen Roboter in Sachen Compliance und Sicherheit aus? „Es muss sichergestellt sein, das Arbeitsprozesse optimiert und standardisiert sind, bevor man sie Robots überlässt“, sagt Maras. „Insbesondere Accountingprozesse von Bilanzierungsrichtlinien bis zu Kontenrahmen muss sich das Management genau nach unterschiedlichen Ländern anschauen und daraus einen standardisierten Soll-Prozess entwickeln, der über alle Länder ausgerollt wird. Allein damit hebt man schon erste Effizienzen und Qualitätspotenziale.“

Übrigens machen intelligente Maschinen auch vor Führungsetagen nicht halt. Das Investmentunternehmen Deep Knowledge Ventures in Hongkong hat bereits 2014 einen Algorithmus zum sechsten Mitglied seines Direktoriums ernannt. Er hat in dem Gremium eine gleichwertige Stimme. „Viele dieser klugen Maschinen werden wir an den Werkbänken in unseren Produktionsstätten und an den Schreibtischen in unseren Büros wiederfinden – als Kooperationspartner und Kollegen“, bloggt Telekom-Personalvorstand Christian P. Illek. „Und wer weiß, vielleicht haben wir in 20 Jahren auch den ersten Roboter im Vorstand eines Dax-Unternehmens?“

Bildnachweis: Creatas Video/GettyImages(2), Image Bank Film/GettyImages, Image Bank Film:Signature/GettyImages, Vetta Film/GettyImages(2) PwC(7)

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