So vielfältig wie bei Sitten und Kulturen, so polymorph zeigen sich die Völker der Welt auch, wenn es darum geht, wem oder was man wie sehr vertraut. Auf dieser kleinen Weltreise präsentieren wir Ihnen einige der High- und Lowlights. Von Detlef Gürtler

Global Trusting

Die Offenheit der US-Amerikaner zeigt sich vor allem im Fehlen ausgeprägter Abneigungen: Für die überwältigende Mehrheit der Befragten ist weder andere Rasse noch andere Reli­gion noch andere Nationalität ein Problem, die Ablehnungswerte liegen jeweils deutlich unter 10 Prozent. Andererseits sind aber auch die Zuneigungen nicht stark ausgeprägt: Dass sie ihren Nachbarn völlig vertrauen können, sagen beispielsweise nur 8,1 Prozent der befragten US-Bürger – da ist sogar in Deutschland der Anteil fast doppelt so hoch.

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Die Volksrepublik China ist nicht nur Export-, sondern auch Vertrauens­weltmeister: Bestwert beim aktuellen Edelman-Vertrauensindex mit 73 von 100 möglichen Punkten – Deutschland liegt mit 42 Punkten im globalen Mittelfeld. Ebenfalls Weltspitze ist China beim ­Vertrauen in Medien, Regierung und Partei – obwohl oder weil es nur eine Partei gibt? Niedrig hingegen sind die Werte für Vertrauen in religiöse Institutionen, denen nur 4,2 Prozent aller Chinesen vertrauen. Verständlich, etwa die Hälfte aller Bürger gehört keiner Religion an.

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In Deutschland ist der Mittelstand Maß aller Dinge – worunter sowohl Konzerne als auch Banken zu leiden haben. Ihre Vertrauens­werte bei den Deutschen (1,8 bzw. 2,2 Prozent) gehören mit zu den schlechtesten im World Value Survey – da liegt sogar Zimbabwe mehr als zehnmal so hoch. Auch viele andere Institutionen liegen im Vergleich mit denen in anderen Staaten vertrauensmäßig bestenfalls im Mittelfeld. In der Gesamtschau sieht das Bild besser aus: Da bringt es Deutschland beim Vertrauen in das politische und ökonomische System auf ­einen vorderen Rang in Europa.

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Besonders stark vertrauen die ­Russen statistisch gesehen in – nichts und niemand. Ihre 39 Punkte sind einer der niedrigsten Werte im aktuellen Edelman Trust Index (Tiefstwert: Polen mit 35 Punkten). Auch das Vertrauen in Wirtschaft, Medien und NGOs ist äußerst gering, das in die Regierung immerhin durchschnittlich. Am schlechtesten von allen Institutionen schneidet dabei die Polizei ab, der nur 4,6 Prozent der Russen sehr vertrauen. Noch niedriger liegt dieser Wert allerdings in der Ukraine (3,4 Prozent).

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Im Heimatland von Rupert Murdoch ist die Medienwelt nicht mehr in Ordnung: Gerade mal zwei Prozent der australischen Bürger haben laut World Value Survey großes Vertrauen in ihre Medien sowie in das Fernsehen. Ob es einen Zusammenhang zwischen Medien­mogul und Medienmisstrauen gibt, wurde nicht abgefragt. In allen übrigen Vertrauens-Kategorien liegen die Australier eher im Mittelfeld: Ihre 49 Punkte im Edelman Trust Index bringen die Aussies auf eine Höhe mit den USA oder Italien, aber deutlich vor Deutschland (42 Punkte).

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Okay, es mag zuletzt nicht die aller­beste Zeit gewesen sein, um die Griechen nach dem Vertrauen in ihr politisches und ökonomisches System zu fragen – jedoch war auch schon vor dem Ausbruch der Euro-­Krise dort das Systemvertrauen eher gering. Jetzt ist es mit 10,7 von 100 möglichen Punkten im IW-Vertrauens­index mit Abstand am geringsten in Europa. Allerdings sehen die Werte für die übrigen südeuropäischen Staaten Portugal (28,1), Italien (32,7) und Spanien (40,3) nicht sehr viel besser aus. Hauptschuldiger in Spanien: Den Banken vertrauen 39,5 Prozent überhaupt nicht.

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Die Apartheid ist vorbei – und das nicht nur politisch, sondern auch in den Köpfen der Südafrikaner: Der ­Anteil derjenigen, die Menschen anderer Rasse oder Religion nicht trauen, ist vergleichsweise gering, zudem ist auch der Anteil derer besonders hoch, die angeben, auch Unbekannten gegenüber ­Vertrauen zu haben. Extrem schlecht steht es hingegen um die Universitäten, denen nur 21,4 Prozent der Befragten überhaupt vertrauen – nur in Ruanda und Tunesien liegt dieser Wert noch niedriger.

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Es ist ja nicht so, dass man in ­Mexiko niemandem trauen könnte. Die Mexikaner selbst vertrauen beson­ders stark der Wirtschaft im Allgemeinen (76 Prozent) und ihren Arbeitgebern im Besonderen (89 Prozent). Dafür gibt es kaum ein Land, in dem die Polizei sowie die Gerichte so schlecht angesehen sind: Jeweils mehr als ein Drittel der Mexikaner vertrauen ihnen überhaupt nicht. Ebenfalls extrem niedrig ist in Mexiko das Vertrauen in Presse und Fernsehen.

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Das (mehr oder weniger) friedliche Zusammenleben vieler Rassen und Religionen in Indien schlägt sich auch in den globalen Vertrauensstatistiken nieder: Hier gibt es weltweite Spitzenwerte für Vertrauen in Unbekannte sowie in Menschen anderer Religionen. Auch NGOs schneiden gut ab: Mehr als 30 Prozent der Befragten äußern sehr großes Vertrauen in Umwelt- und Frauenorganisationen. Ähnlich hoch, und damit ebenfalls führend: das Vertrauen in die Verwaltung. Relativ niedrig hingegen ist das Vertrauen in die eigene Familie: 64 Prozent vertrauen ihr völlig – nur in Bahrain (44) und in den Nieder­landen (59) fällt der Wert niedriger aus.

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Bildnachweis: Bruce Lonngren/Istockphoto, mauromod/Istockphoto, PromesaArtStudio/Istockphoto (6), Jennifer Borton/Istockphoto, golero/Istockphoto (2), Matthew Hertel/Istockphoto, sinopics/Istockphoto, skdesigns/Istockphoto, Rossella Apostoli/Istockphoto, inda Steward/Istockphoto, coffeee-in/Istockphoto, Valerie Loiseleux/Istockphoto, duescreatius1/GettyImages, incomible/Istockphoto, kostenkodesign/Istockphoto, Tatiana Davidova/Istockphoto

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