Kolumne

Tapetenwechsel

Tapetenwechsel

Von den Werten, die unser Handeln bestimmen, spielt Vertrauen eine außergewöhnliche Rolle. Erst recht, da Vertrauen ein vielschichtiger Begriff ist: Es gibt das Vertrauen in andere Menschen, das Vertrauen anderer in uns und nicht zuletzt das Vertrauen, das wir in uns selbst haben. Alle drei Ausprägungen sind wichtige Triebfedern, sowohl des persönlichen als auch des unternehmerischen Erfolgs.

Als ich im April 2013 zur damaligen Deutschen Annington kam, war das Vertrauen von Mietern, Politik und Medien in das Unternehmen erschüttert. In der Logik eines Private-Equity-Unternehmens wurden andere Prioritäten gesetzt als die bis dahin in der Wohnungswirtschaft üblichen. Kurzfristige Gewinne standen höher im Kurs als die nachhaltige Bewirtschaftung der Bestände. Abläufe wurden verkürzt, Strukturen optimiert, Kosten gesenkt. Auch die gesellschaftliche Verantwortung rückte aus dem Fokus. Doch das Geschäftsmodell, große Wohneinheiten zu kaufen und schnell wieder einzeln an die Mieter zu verkaufen, ging nicht auf. Durch den ausbleibenden Erfolg stieg die Verschuldung. Die Folge: rigoroses Sparen. Wichtige Instandhaltungen wurden nicht vorgenommen, Investitionen in Service und Bestände blieben aus.

Weitere Fehler: Die Vor-Ort-Betreuer in den Siedlungen wurden abgebaut, regionale Netzwerke gering geschätzt und alle Aufgaben vom Firmensitz in Bochum aus zentral betreut. Doch viele Dinge lassen sich nur bedingt zentral steuern. Vor allem Vertrauen entsteht in unserem Markt nur über persönlichen Kontakt. Die Bilanz all dieser Entscheidungen spricht für sich: verärgerte Mieter und eine schlechte Reputation, die auch nach innen strahlte. Mitarbeiter, die immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik standen, waren wenig motiviert, gute Arbeit zu leisten.

Seitdem haben wir viel ändern können. Der Ingenieur weiß, dass alles zusammenbrechen kann, wenn irgendwo ein Schräubchen fehlt. Prozesse müssen perfekt ineinandergreifen – auch in der Wohnungswirtschaft. Den Grundstein für den Richtungswechsel wurde mit der neuen Strategie des Insourcings gelegt, die nach und nach Dienstleistungen und Arbeitskräfte zurück ins Unternehmen holte. Unsere rund 3.400 Handwerker und Objektbetreuer machen es möglich, selber die Probleme vor Ort beim Kunden zu lösen. Diese Präsenz schafft Vertrauen: Unsere Kundenzufriedenheit ist in den vergangenen Jahren messbar gestiegen. Und wir wollen noch besser werden.

Ein weiterer wichtiger Schritt war der Börsengang 2013. Kein Jahr später stieg Terra Firma aus, was uns den nötigen Freiraum für die Entfaltung nach unseren Vorstellungen gab. Im Zentrum steht dabei der Interessenausgleich zwischen Investoren, Mietern, Mitarbeitern und Gesellschaft. Nach 20 Jahren als Dienstleister weiß ich: Erfolgreich sein kann man nur, wenn man nicht gegen die eigenen Kunden, unsere Mieter, arbeitet. Nur, wenn sie Vertrauen zu uns haben, können wir langfristig am Kapitalmarkt erfolgreich agieren. Denn auch unsere Investoren ­haben ein nachhaltiges Interesse daran. Darum ­haben wir auch die Höhe der Gehälter an die Entwicklung der Kundenzufriedenheit gekoppelt.

Wichtig ist unser unternehmerisches Selbstverständnis. Wir betreiben unser Wohnungsgeschäft stabil, entwickeln aber jeden Tag neue Ideen, um besser zu werden. Wir wollen mehr sein als ein reiner Verwalter von Wohnungen. Wir möchten Menschen ein Zuhause geben. Zu einem Zuhause gehören nicht nur die eigenen vier Wände, sondern viele andere Komponenten und natürlich die nachbarschaftliche Umgebung.

Ein weiterer Eckpfeiler unserer neuen Strategie: Was können wir Kunden flankierend zu unserer Leistung als Vermieter anbieten? In vielen Regionen bieten wir schon die Buchung von Kabel-TV und ­Netzanschlüssen an. Wir entwickeln fortlaufend neue Ansätze, um das Geschäft mit Dienstleistungen auszubauen. Warum nicht ein Vermieter sein, der auch Alten­pflege anbietet? Wir haben das Selbst­vertrauen, Wohnen neu zu denken und die Branche zu verändern.

Diese Veränderungen sind nur möglich, wenn wir Führungskräfte Vertrauen in die eigenen Mitarbeiter zeigen. Ein hohes Maß an Entscheidungsfreiheit, Verantwortung und unternehmerischem Denken ist dabei essenziell. Dazu gehört für uns als Management, nicht nur Aufgaben und Verantwortung zu delegieren, sondern auch Werte und Haltung zu vermitteln. Wir wollen jeden unserer Mitarbeiter in die Lage versetzen, so zu handeln, als sei er selbst Unternehmer. Der Leitgedanke dabei: Einfach machen. Das bedeutet, unsere Mitarbeiter finden die Balance zwischen exzellenter Leistung und pragmatischer Lösung, wägen Risiken und Chancen eigenverantwortlich und entscheiden dann – ohne Angst vor Fehlern. Wer einmal einen Fehler macht, lernt daraus. Nur wer ihn wiederholt, entwickelt sich nicht.

Diese unternehmerische Haltung ist fester Bestandteil unseres Leitbildes, das Führungskräfte und Mitarbeiter in einem intensiven Prozess über ein Jahr lang gemeinsam erarbeitet haben. Dort verankerte Ziele sind, das Vertrauen unserer Kunden zu gewinnen, gleichzeitig aber auch das von Investoren und Geschäftspartnern – für eine nachhaltig erfolgreiche Geschäftsentwicklung. Dabei haben wir die gesellschaftlichen Auswirkungen unseres Handelns im Blick, denn die Ausgewogenheit zwischen den Interessen aller Anspruchsgruppen ist unsere oberste Richtschnur.

Eine Million Menschen leben bei uns, seit wir mit der Gagfah zusammen zu Vonovia wurden. Die Um­firmierung und unsere Aufnahme in den Dax 30 schlagen ein neues Kapitel auf. Als Deutschlands größtes Wohnungsunternehmen haben wir durch die hohe Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum nicht nur gute wirtschaftliche Aussichten, sondern tragen auch eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Klar ist schon jetzt: Noch sehr lange wird es in vielen Städten Deutschlands zu wenige Wohnungen geben.

Das eigene Zuhause ist und bleibt ein emotionaler Ort. Ein Ort, an dem man sich entspannt und Zeit mit der Familie, mit Freunden oder allein verbringt. Umso wichtiger ist es, einen Ansprechpartner zu haben, wenn es Probleme gibt. Einen Ansprechpartner, mit dem man offen umgehen kann – vertrauensvoll eben.

Bildnachweis: Adrian Brown/Alamy Stock Foto, Robert Kneschke/Fotolia, PR

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