Interview

„Alle im Team müssen brennen“

Bauchgefühl oder Businessplan – auf welcher Vertrauensbasis geben Investoren Geld?
Nach unserer Erfahrung ist es ein Mix aus beidem. Die persönliche Chemie auf beiden Seiten muss stimmen. Ebenso wichtig wie die Geschäftsidee ist die Zusammensetzung des Führungsteams nach Kompetenzen. Alle im Team müssen für Idee und Geschäftsplan brennen und konkret dabei sein, diesen umzusetzen. Glaubwürdigkeit ist die Basis für alle Finanzierungen, egal ob es sich dabei um erste Start-ups handelt oder um Wiederholungstäter. Risikokapital funktioniert teilweise nach dem Trial-and-Error-Prinzip. Wer mit einer guten Idee gescheitert ist und glaubwürdig kommuniziert, mit seinem neuen Geschäftsmodell aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, bekommt auch eine zweite Chance.

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Wann blicken Geldgeber verstärkt auf die Bilanzen?
In der Frühphasenfinanzierung, die meist über Business Angels läuft, haben die potenziellen Finanzierer häufig Verständnis dafür, dass alles noch nicht ausgereift ist. In den nächsten Finanzierungsrunden mit häufig schon zweistelligen Millionenbeträgen werden schon Private-Equity-Fonds angesprochen. Dann muss der Geschäftsplan mit seinen Finanzierungszielen und Zeitplänen für die Produktentwicklung schon präziser sein. Auch die Erfolgsbilanz des Managements einschließlich der Erfahrung, schon einmal eine Geschäftsidee umgesetzt zu haben, rückt jetzt stärker in den Fokus.

Wie gewinnen Start-up-Gründer ohne weitreichende Erfahrung Vertrauen?
Ein zentraler Punkt für die Kapital­geber ist die Ernsthaftigkeit der Firmengründer, die Idee auch gegen alle Herausforderungen mit kommerziellen Produkten zu realisieren. Ein Zeichen für diesen unbedingten Willen kann die Absicht sein, dafür ein erfolgreiches Studium abzubrechen. Ganz wichtig ist auch die Verpflichtung, die eigenen finanziellen Ressourcen in das Unternehmensrisiko zu stecken. Gut ist auch, wenn Business Angels, die selbst schon Firmen gegründet haben, mit ihrem Erfahrungsschatz in eine Beiratsposition geholt werden. Und letztlich muss das Führungsteam von jungen Unternehmen seine eigenen Stärken und Schwächen kennen.

Bildnachweis: Jeffrey Coolidge/Gettyimages (2), Christian O. Bruch, PwC, PR

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