Interview

Der Gendefekt erfolgreicher Firmengründer

Geld für Geschäftsidee: Ist es die Person, die Idee oder am Ende doch eher als der nüchterne Blick auf die Zahlen?
Ich sehe mir die Märkte an und die Geschäftsidee für diese Märkte. Mich interessieren besonders Produkte, die im Alltag anwendbar sind und auf große Potenzialmärkte ausgerichtet sind. Dazu kommt der Eindruck, den das Management hinterlässt. Gewinne ich den Eindruck, dass das Führungsteam einen solchen Markt angehen kann, wird das Unternehmen für mich interessant.

Im Video-Interview verrät Lars Hinrichs, wann er Gründern und Projekten sein Vertrauen schenkt.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Ich bin vergangenes Jahr auf eine Firma gestoßen, die intelligente Türschlösser entwickelt. Allein in Deutschland werden im Jahr Millionen Türen verkauft, aber noch keine, die digital sind. Wird davon auch nur ein Bruchteil mit digitalen Schlössern eingerichtet, ist das ein gigantischer Markt.

Investieren Sie in Firmen, deren Team Sie schon kennen, oder haben persönliche Empfehlungen aus Ihrem Netzwerk auch Einfluss auf ihre Entscheidung?
Natürlich machen wir einen Background-Check zu den Personen. Dann fälle ich die Bauchentscheidung nach der Frage, ob ich mit diesen Leuten etwas aufbauen kann, weil sie unternehmerisch denken. Den Kontakt stelle ich zu den Firma selber her, nachdem ich im Internet auf der Suche nach interessanten Geschäftsideen auf sie gestoßen bin, oder die Unternehmen kommen über Empfehlungen auf mich zu.

Welche Rolle spielen Networking-Events, um solche interessanten Geschäftsideen zu entdecken?
Natürlich trifft man auf solchen Veranstaltungen diese Leute. Eine wichtige Rolle spielen aber auch Empfehlungen aus dem Netzwerk. Kennt niemand meiner Kontakte diese Firma oder deren Gründer, wirft das schon ein großes Fragezeichen auf.

Ein interessantes Produkt oder eine spannende Geschäftsidee, aber ein unerfahrenes Management, was etwa Marketing oder kaufmännischen Fähigkeiten angeht. Nehmen Sie dann Einfluss auf Management hinsichtlich Zusammensetzung nach Fähigkeiten?
Ich setze auf die Lernfähigkeit des Gründerteams. Ich kann einem Programmierer das Marketing-Know-how beibringen, nicht aber einem Manager das Programmieren. Marketing-Experten gibt es wie Sand am Meer, ich suche nach dem raren Gut von neuen Technologien.

Was lässt Sie daran glauben, dass eine Firma es schafft?
Für mich stellt sich immer die Frage: Wollen die Leute Geld verdienen oder wollen sie Probleme lösen? Trifft Letzteres zu, sind sie für mich interessant, denn die besten Unternehmen haben aus dieser Einstellung heraus etwas bewegt.

Was macht Firmengründer in dieser Hinsicht glaubwürdig?
Je größer das persönliche Risiko, desto größer die Erfolgschance, diese Geschäftsidee kommerziell umzusetzen. Dazu zählt auch, dass sich Freunde und Familie im Projekt mit engagieren. Ein Indiz für das künftige Scheitern von Firmen ist, wenn Unternehmensberater plötzlich auf die Idee kommen, Firmen zu gründen.

Was sind Ihre Qualitätsfilter, um aus der Vielzahl der Kontakte und Businesspläne die engere Auswahl an geeigneten Kandidaten zu identifizieren?
Ich orientiere mich nicht an Businessplänen. Mich überzeugt die Kombination aus Technologiewissen und der Ausdauer der Führungsmannschaft, ihre Geschäftsidee umzusetzen. Will heißen: Bin ich Lifestyle-Unternehmer oder investiere ich alles, was ich habe, in diese Geschäftsidee?

Bekommen Firmengründer, die mit einer Idee gescheitert sind, mit einem zweiten Anlauf eine neue Chance?
Ich investiere gerne in Wiederholungstäter, wenn ich den Grund des Scheiterns weiß. Bei Firmen im Marketingumfeld habe ich hier auch investiert und gute Exits geschafft. Der Vorteil ist, dass ich bei Firmengründern, die bereits zuvor mit zwei oder drei Firmen erfolgreich waren, eine höhere Bewertung erzielen kann.

Was zeichnet gute Unternehmer aus?
Die meisten Firmengründer mit nachhaltigem Geschäftserfolg, die ich kenne, haben im positiven Sinne einen Gendefekt. Es sind Überzeugungstäter, deren Persönlichkeit sich häufig durch außergewöhnliche Lebensumstände entwickelt hat. In ihrer beruflichen Karriere haben sie auf dem Weg zur Selbstständigkeit schon verschiedene Dinge ausprobiert. Sie ticken einfach anders als der Mainstream.

Bildnachweis: Jeffrey Coolidge/Gettyimages (2), Christian O. Bruch, PwC, PR

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