Kolumne

Analoges Vertrauen schenken in digitalen Zeiten

Analoges Vertrauen schenken in digitalen Zeiten

Vertrau’ mir“, rufen uns die Produkte und Services der Digitalisierung zu. „Vertrau’ mir, dass ich Deine Privatsphäre schone, Deine Schwächen nicht verrate, Dein Geld nicht umbuche. Vertrau’ mir, dass ich Dich sicher durch den Verkehr fahre; die richtigen Freunde für Dich wähle; die richtigen Entscheidungen treffe. Die Zukunft wird leichter, schöner, besser, sicherer, reicher. Darauf kannst Du sich verlassen. Ehrlich. Vertrau’ mir – und fürchte Dich nicht!“

Überzeugt? Oder doch eher skeptisch? Die Digitalisierung duzt uns. Sie stellt Nähe her. Sie ist unser Begleiter im Alltag. Und klar: Wir finden die App, die Schrittzahl und Herzfrequenz aufzeigt, prima. Sie macht uns sportlicher, gesünder. Das smarte Heim, das die Heizung regelt und Einbrecher fernhält, ist grandios. Der Roboter, der schwere Lasten für mich hebt: okay. Aber künstliche Intelligenz, die mir Entscheidungen abnimmt? Ist das noch Hilfe und Erleichterung? Ist es ein Vorschlag? Oder ist es doch Bevormundung und Fremdbestimmung?

Zigfach stehen Veränderungen vor der Tür. Nicht alle Menschen sind davon begeistert, viele haben Sorgen, was da mit der Digitalisierung an Veränderung auf sie zukommt. Ich selbst – das wundert kaum – bin ein Begeisterter der Digitalisierung. Ich halte sie für das größte Geschenk an die heutige Generation. Ich freue mich über die immensen Chancen, die sie uns bringt. Höhere Effizienz in der Produktion und damit höhere Wertschöpfung und noch bessere Produkte, die die Kunden begeistern. Erleichterungen im Alltag. Mehr Chancen zur Interaktion mit anderen. Bessere Medizin. Bessere Bildung. Mehr Teilhabe.

Aber ich bin zugleich kein Schwärmer mit rosaroter Brille. Ich bin Bürger. Ich bin „User“. Und ich bin Manager. Mein Blick auf die Digitalisierung ist also immer ein Dreiklang. Ich habe die gesellschaftlichen Auswirkungen im Blick. Ich begeistere mich für neue Technologien und Anwendungen. Und ich betrachte die ökonomische Komponente. Welche Chancen lauern in der Digitalisierung? Welche disruptiven Innovationen können bestehende Geschäftsmodelle ersetzen und müssen darum früh antizipiert werden? Aber auch: Was bedeutet die Digitalisierung für die Kunden? Welche Nachfrage entsteht und welche Nachfrage entsteht aus welchen Gründen vielleicht anderswo und nicht bei uns?

Ich bin überzeugt, dass der Erfolg der Telekom maßgeblich davon abhängt, wie das Gespräch mit unseren Kunden gelingt. Ob Vertrauen gestärkt wird. Und Zutrauen. Zutrauen, dass wir als Unternehmen heute die besten Produkte und Lösungen bieten – und auch morgen. Genau darum ist es uns wichtig, Sorgen und Bedenken, die unsere Kunden bei der Digitalisierung haben, aufzunehmen. Denn nur, wenn es uns gelingt, Vertrauen in die Digitalisierung herzustellen, können wir die damit verbundenen Chancen nutzen.

Digitalisierung und die nicht abzuschätzende Menge an Umwälzungen überfordern viele Menschen. Immerhin geht es um die digitalen Urängste einer analogen Welt. Es berührt alle Bereiche unseres Lebens: Arbeit, Freizeit, Bildung, Gesundheit, Sport, Glauben, Ethik – bis zur Frage, was den Menschen ausmacht, ihn unterscheidet von Maschine und Tier. Dabei droht der Reflex: besser stehen bleiben oder sogar zurückgehen als fortschreiten.

Doch die Tür zuhalten ist keine Option. Die Entwicklung stoppt dies ohnehin nicht. Sondern im Zweifel führt Zaudern dazu, dass andere beherzt zugreifen. In Asien. In Nordamerika. Die neue digitale Welt ist längst da. Zum Glück. Wer möchte auf Smartphone, Internet und Cloud-Dienste verzichten. Und übrigens ist es auch kein Widerspruch, dass die neue Sinus-Studie zu dem Schluss kommt, dass Jugendliche Sicherheit und Nachhaltigkeit suchen. Und gleichzeitig das Smartphone als wichtigstes Gerät in ihrem Leben werten. Denn das Unbekannte können wir nur durch Kennenlernen gestalten, nicht durch Ignorieren.

Wie also Vertrauen schaffen, damit wir beim Umgang mit der Digitalisierung in Europa mehr Optimismus wagen? Damit wir eine digitale Aufbruchsstimmung erzeugen, die Wohlstand und Wohlfahrt begünstigt? Ich glaube, diese Vertrauensgrundlage muss sich die Digitalisierung erarbeiten, mit jedem Produkt aufs Neue, mit jedem Kundenkontakt. Und dazu gehört, offen über Mängel, Schwächen und Gefahren zu diskutieren. Durch Ausloten, durch ständiges Ausbalancieren des richtigen Umgangs mit neuen Diensten und Technologien handeln wir in digitaler Verantwortung. Und verantwortliches Handeln wiederum ist die Basis des Vertrauens. Vertrauensverluste hingegen wecken den Ruf nach Kontrolle, Regelung, Eindämmung.

Wie gesagt, ich sehe deutlich mehr Chancen in der Digitalisierung. Mir ist es wichtig, dass wir der Digitalisierung positiv begegnen. Sonst, so fürchte ich, findet der Wohlstand der Zukunft in Asien und Nordamerika statt. Nicht bei uns in Europa. Und damit womöglich nicht dort, wo Digitalisierung und Verantwortung eine fruchtbare Verbindung eingehen können.

Momentan wird die Digitalisierung vor allem durch Internet­konzerne aus dem Silicon Valley dominiert. Wenn wir über digitale Verantwortung sprechen, müssen wir also deren „Denke“ begreifen. Und dann eine eigene Haltung entwickeln. Datenschutz, Cyber-Sicherheit, digitale Teilhabe und Bildung sind die Felder, zu denen wir uns schon heute konkret Gedanken machen sollten und entsprechend handeln. Die Telekom nimmt hier bereits konkret digitale Verantwortung wahr. Indem wir zum Beispiel nicht alles mit Daten machen, was technisch geht. Indem wir Sicherheitsexperten ausbilden und unser Wissen um Angriffe auf kritische Infrastrukturen mit anderen teilen, analysieren – und dann Abwehrstrategien entwickeln. Indem wir unser Netz nicht nur in den Metropolen aufrüsten, sondern im Gegenteil für Bandbreite in der Fläche sorgen. Und indem wir die Kompetenzen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ständig erweitern – vor allem mit Blick auf die Bedeutung von Software und Programmiersprachen. All das sind nur erste Ansätze.

Die Digitalisierung schreitet mächtig voran; manches neu zu gestaltende Feld zeichnet sich erst ab. Da stoßen Interessen aufeinander und vielleicht auch ethische Gegensätze. Lösungen dürfen nicht übergestülpt werden. Die digitale Verantwortung kann nicht nur einer verordnen – nicht ein Unternehmen, nicht eine Institution, nicht eine Regierung. Digitale Verantwortung können wir nur gemeinsam erarbeiten.

Deswegen haben wir bei der Telekom einen sehr konkreten Weg gewählt. Eben nicht stehen bleiben. Eben nicht blind nach vorne rennen. Sondern lernend und fragend voranschreiten. Wir lassen über das Jahr immer wieder Experten aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft zu Wort kommen. Wir stellen ihnen die Fragen, die uns die Digitalisierung stellt: „Sollen Roboter uns pflegen?“, „Machen schlaue Handys dumm?“, „Sind Elektronengehirne die besseren Chefs?“

Wir wollen Diskussionen auf breiter Ebene über die Chancen und Risiken. Wissen schafft Vertrauen. Für Produkte und Dienste werben wir. Und ebenso um Vertrauen. Mit Fakten. Wir freuen uns über jeden, der uns dabei auf www.telecom.com oder in den sozialen Netzwerken unter #digitalduty begleitet.

Bildnachweis: Guntmar Fritz/mauritius images, PR

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