Warenwert und wahrer Wert

Wirtschaft als Teil des Alltags von jungen Schülern? Für die PwC-Stiftung und ihre Partner aus dem Bereich Wissenschaft gibt es da nur eine Antwort: „Unbedingt!“ Der Überzeugung und dem Bekenntnis folgen jetzt Taten: Unter dem Titel „Wa(h)re Werte“ hat die Stiftung im Dezember mit einer Auftaktveranstaltung am Firmensitz von PwC Deutschland in Frankfurt am Main das Unterrichtsprogramm „Wirtschafts.Forscher!“ ins Leben gerufen. Es steht für die Themen, auf die sich die PwC-Stiftung Jugend – Bildung – Kultur inhaltlich auch künftig konzentriert: Kultur und Wirtschaft und vor allem den spannenden Bereich der Berührungspunkte und Schnittmengen.

Das neue Unterrichtsprogramm bietet jungen Menschen ab dem 8. Schuljahr die Gelegenheit, sich in der Schule mit wirtschaftlichen Sachverhalten zu befassen und diese aus einer ethischen, wertorientierten Perspektive zu erkunden. Umgesetzt wird das Programm an jeweils drei Schulen aller Schulformen in den Bundesländern Bayern, Hessen und Niedersachsen, die damit zu „Wirtschafts.Forscher!“-Schulen werden.

„Ich fand den Wirtschaftsuntericht in der Schule bisher schon ganz interessant. Daher bin ich gespannt, was jetzt auf mich zukommt.“

Ayda Uzun, Schülerin
Ayda Uzun

In der Praxis sieht das so aus: An jeder teilnehmenden Schule werden Lehrer unterschiedlicher Fachbereiche in einer Klasse der Sekundarstufe I das Thema „Wa(h)re Werte!“ in ihren Unterricht integrieren. Dafür erhalten sie vom Programmteam der PwC-Stiftung eine Qualifizierung und eigens erstelltes Unterrichtsmaterial, das den jeweiligen Lehrplänen angepasst ist und vorhandene Materialien um eine wirtschaftsethische Komponente erweitert. Wissenschaftliche Partner des Programms „Wirtschafts.Forscher!“ sind das Münchner Centrum für angewandte Politikforschung (CAP), das sich auf außerschulische innovative Projektarbeit fokussiert, sowie das Oldenburger Institut für Ökonomische Bildung (IÖB). Letzteres ist eng im bildungspolitischen Umfeld verankert und legt einen Schwerpunkt auf das didaktische Vorgehen.

„Wirtschaftliche Bildung ist sicherlich wichtig.Ich interessiere mich dabei vor allem für die restlichen Aspekte. Vielleicht werde ich Jura studieren“

Favour Okonkwo, Schülerin
Favour Okonkwo

„Mit unserem neuen Programm möchten wir dazu beitragen, das Verständnis der Jugendlichen für wirtschaftliche Zusammenhänge zu verbessern“, betont Susanne Hilger, Leiterin des Stiftungsteams der PwC-Stiftung. „Dazu gehören natürlich auch soziale und ethische Kompetenzen. Wer sich schon in der Schule intensiv mit unserer Marktwirtschaft beschäftigt, profitiert als Erwachsener davon.“ Das ehrgeizige Projekt dehnt damit den aus den naturwissenschaftlich orientierten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) bekannten Ansatz des forschenden Lernens auf die Geistes- und Gesellschaftswissenschaften aus. Hierzu gehört auch die Einbeziehung außerschulischer Lernpartner und Lernorte. Bei dem bereits im Jahr 2010 aufgesetzten Programm „Kultur.Forscher!“ wurde dieser Ansatz erstmals erfolgreich auf den kulturellen Bereich übertragen. Beim neuen Programm „Wirtschafts.Forscher!“ kommt er auch in der Ökonomie zum Tragen.

Es soll allerdings mehr sein als ein Nachhilfekurs in Sachen Wirtschaft und entsprechend mehr bewirken: „Wir wollen Ökonomie mit dem Thema Werte und Werteverständnis verbinden“, sagt Jan Konerding, Vorstandsmitglied der PwC-Stiftung. „Umso mehr, als in Zeiten eines immensen Vertrauensverlustes in die Protagonisten von Wirtschaft und Politik, aber auch in Wirtschaft und Politik selbst, dringender Handlungsbedarf herrscht.“

Die Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse der Mittelschule München-Moosach, die den Auftakt des Programms mit eigenen Beiträgen mitgestalteten, sind gespannt, was auf sie zukommt: „Forschendes Lernen kennen wir bisher eher aus Chemie, Physik und Biologie. Im Fach Wirtschaft haben wir das bisher so noch nicht erlebt“, sagt etwa die 16-jährige Schülerin Mona Saleh.

Das Programm besteht aus mehreren Unterrichtsmodulen, in denen sich Schüler der Sekundarstufe I mit grundlegenden Fragen wirtschaftlichen Handelns auseinandersetzen – wissenschaftlich fundiert, problemorientiert und aus vielerlei Perspektiven. Die Programm-Themen sollen die Jugendlichen in ihrem Umfeld und ihrem Erleben abholen. Dazu werden in Planspielen Angebot und Nachfrage, Knappheit oder die Entwicklung von Preisen simuliert. So „strandet“ die Klasse zum Beispiel auf einer einsamen Insel und muss ein eigenes Wirtschafts- und Gesellschaftssystem errichten. Dabei stellen sich Fragen wie: Soll jeder für sich wirtschaften oder ist Arbeitsteilung möglich? Welche Regeln gelten für Tausch und Handel? Müssen alle produktiv sein und wer sorgt für die Gesundheit der Gruppe? Im Unterricht arbeiten die Schüler zudem an wirtschaftlichen Grundfragen wie: Wer hat warum das Geld erfunden? Wie entstehen Schulden? Was ist ein Wert und muss man den immer anfassen können? Was hat mein persönlicher Konsum mit Verantwortung zu tun? Und was eine Onlinebestellung mit der Umwelt?

„Ich finde es gut, dass sich ein Unternehmen dafür engagiert, dass unser Wirtschftsunterricht in Zukunft ein bisschen spannender wird“

Tobias Lippenberger, Schüler
Tobias Lippenberger

Die in diesen Fragen und Planspielen integrierte ethische Komponente des Wirtschaftens wird den Jugendlichen auf diesem Weg ebenfalls vermittelt. Nutzen sie beispielsweise eine allen zur Verfügung stehende, endliche Ressource im Übermaß, versiegt schließlich die Quelle. Die Planspiele beziehen alle Ebenen und Akteure bei ökonomischen Entscheidungen und Prozessen ein. Ziel des Programms „Wirtschafts.Forscher!“ ist es, verantwortungsbewusstes Entscheiden und Handeln von Schülerinnen und Schülern zu fördern. Dabei soll ihr Interesse geweckt werden, in ihrem späteren Berufsleben eine zukunftsfähige Wirtschaft mitzugestalten. Zum Ende ihres Schuljahres als Wirtschaftsforscher im Sommer 2016 werden die Schüler selbst aktiv und starten Forschungsprojekte zu Fragestellungen, die lauten könnten: Warum kostet ein Abercrombie-Shirt so viel mehr als eines von KiK? Wie viel wert ist mir das Recht an meinem eigenen Bild?

Im Rahmen des Unterrichts schärfen die Schülerinnen und Schüler ihre Urteilsfähigkeit und arbeiten an ihrer Fähigkeit, ökonomische Problemstellungen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und anzugehen sowie Lösungsansätze zu entwickeln. Dazu zählt auch, soziale und ökologische Aspekte von Produktionsprozessen und beim Konsum zu verdeutlichen. Die Jugendlichen diskutieren so auch die Perspektiven unterschiedlicher Akteure an der Schnittstelle von Wirtschaft und Ethik. „In unserer Gesellschaft ist die ethische Dimension wirtschaftlichen Handelns von großer Bedeutung“, sagt Professor Hans Kaminski, Leiter des IÖB. „Wirtschaft gehört – angepasst an die jeweilige Schulform – allein schon deshalb auf den Lehrplan, damit die jungen Menschen die Grammatik unserer Gesellschaft besser verstehen.“ Unternehmen haben die Pflicht, sich in diesem Prozess einzubringen, findet Professor Werner Weidenfeld, Leiter des Instituts CAP. „Sie profitieren ja von einer funktionsfähigen Gesellschaft. Wirtschaftskulturelle und wirtschaftsethische Bildung sind dabei Schlüsselthemen. Soll die Gesellschaft erhalten werden, müssen die Unternehmen aktiv daran mitwirken. Es reicht heute nicht aus, auf die Verantwortung der Schulen bei der Wirtschaftsbildung zu verweisen.“

„Forschendes Lernen kennen wir bisher eher aus Chemie, Physik und Biologie. Im Fach Wirtschaftt haben wir das bisher so noch nicht erlebt.“

Mona Saleh, Schülerin
Mona Saleh

Dass die Einbindung von ethisch motiviertem wirtschaftlichem Verhalten in den Alltag von Schülern kein Selbstläufer wird, offenbarte bei der Programmvorstellung ein Beispiel von Pater Klaus Mertes, Schulleiter des Kollegs St. Blasien: Das Kolleg wollte zwei fleischfreie Tage einführen, auch um auf die wirtschaftlichen Gesamtzusammenhänge hinzuweisen. Das Thema war in den Schulgremien besprochen und es war bereits in hochwertigere Speisen und deren Zubereitung investiert worden – aber die Köche des Projekts hatten wohl die Rechnung ohne die kulinarischen Ansprüche der Schüler gemacht: „Das gab einen riesigen Aufstand“, berichtete Pater Mertes. Nach kurzer Zeit ernährten sich die Schüler am Dönerstand gegenüber der Schule statt in der Kantine. Aber der Schulleiter hat daraus gelernt: „Wenn man solche Themen in die Schule trägt, muss man auch bereit sein, in Konflikte reinzugehen. Allerdings wäre es sinnvoller gewesen, die Aktion als gemeinsames Experiment mit den Schülern aufzusetzen und dessen Ergebnis miteinander auszuwerten. „Lernen hat auch viel damit zu tun, Reflexionsräume zu schaffen, statt Dinge durchzupeitschen. Moralisierung führt da nur in die Abwehr“, so Pater Mertes.

„So eine Auftaktveranstaltung ist sicherlich für Lehrer und Forscher wichitg. Als Schülerin habe ich aber nicht alle Gedanken verstehen können, die auf dem Podium diskutiert wurden.“

Lilly Kühne, Schülerin
Lilly Kühne

Zentrale Aufgabe bei der Behandlung des Themas „Wa(h)re Werte“ sei es daher, junge Menschen dazu anzuleiten, eigene Wertmaßstäbe zu entwickeln, skizzierte Professor Ingo Pies, Lehrstuhl für Wirtschaftsethik an der Martin-Luther-Universität Halle bei der Programm-Präsentation. „Der Wertewandel im Unternehmen ist gewaltig, wenn neue Führungskräfte ins Unternehmen kommen und Werte mitbringen. Damit kann viel bewegt und die Unternehmenskultur geformt werden.“

Über die PwC-Stiftung
Die PwC-Stiftung Jugend – Bildung – Kultur ist eine Initiative der Führungskräfte der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC Deutschland und fördert seit mehr als zehn Jahren die kulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen. Seit ihrer Gründung im Jahr 2002 hat die Stiftung mehr als 400 Bildungsprojekte für Kinder und Jugendliche mit insgesamt rund 11 Millionen Euro unterstützt. Seit ihrer Neuausrichtung 2014 engagiert sich die Stiftung für den Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher und kultureller Bildung.

Bildnachweis: Frank Rumpenhorst (10), PR (2)

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