Pionier erfindet sich neu

Kursverluste von 28 Prozent an einem Tag – die Investoren knipsten das Licht aus, als Osram am 11. November 2015 seinen Strategieschwenk ankündigte. Das Umbauprogramm „Diamond“ von CEO Olaf Berlien sieht vor, dass sich das künftige Geschäft der ehemaligen Siemens-Tochter nurmehr auf drei Säulen stützen wird: Auto- und Spezialleuchten, die optischen Halbleiter sowie das noch überschaubare Geschäft mit technisch anspruchsvollen Leuchten und Lichtmanagement-Systemen. Um in diesen Zielmärkten vorne mitzumischen, will Berlien bis 2020 rund zwei Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung stecken. Eine weitere Milliarde Euro fließt in den Aufbau einer Produktionsstätte für LED-Chips in Malaysia.

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Für Osram ist dieser Schritt eine Zäsur. Gleichzeitig will sich der CEO bis Mitte 2016 vom traditionellen Lampengeschäft verabschieden. Mit zwei Milliarden Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2014/15 und 11.000 Mitarbeitern umfasst die neue Sparte knapp ein Drittel von Belegschaft und Konzernerlösen. Die Produktion in Augsburg sowie Teile der Werke in Berlin und Eichstätt werden alsbald in die zum Verkauf stehende Lampen-Einheit übergehen. Das größte deutsche Osram-Werk in Regensburg und der Standort Schwabmünchen bei Augsburg verbleiben dagegen bei Osram. Konzernintern haben die Segmente volle unternehmerische Verantwortung von der Entwicklung bis zum Vertrieb.

Das Unternehmen steckt mitten im größten technologischen Wandel der Lichtindustrie seit der Erfindung der Glühlampe im Jahr 1905 durch Osram. Von der Steuerbarkeit von Lichtquellen über Energiesparen bis zu integrierten Anwendungen ins Internet der Dinge, etwa in der Gebäudetechnik – alles soll durch LED-Technik in eine neue Dimension stoßen. Über die LED-Chips will Osram in weitere technologische Bereiche wie die drahtlose Steuerung von energiesparenden Lichtquellen vordringen und sich zum Halbleiter-Unternehmen wandeln. Den Kursverfall nutzte Berlien, um das eigene Vertrauen in die Umbaustrategie zu untermauern: Für 400.000 Euro kaufte er sich mehr als 10.000 Osram-Aktien.

Bildnachweis: Creatas Video/GettyImages (5), Image Bank Film/GettyImages, PR(24)

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