Digitale Agenda

Jedes vierte Wasserkraftwerk weltweit läuft mit Turbinen und Generatoren von Voith. Zusammen mit den Papiermaschinen und den Getrieben und Kupplungen in der Energie-, Öl- und Rohstoffindustrie haben sie das Familienunternehmen mit Sitz in Heidenheim zu einem führenden Global Player gemacht. Doch richtig in Schwung war der Bereich zuletzt nicht mehr: Der grundlegende Umbruch in den Zielmärkten führte zu stagnierenden Profiten – und offenbarte bei Voith erhebliche Defizite in Produktion, Services und Organisation. Konzernlenker Hubert Lienhard, früherer Top-Manager beim Schweizer Kraftwerksbauer ABB, zieht deshalb mit dem Programm „Voith 150+“ den größten strukturellen Umbau seit Jahrzehnten durch.

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Neben dem Sparkurs in der Verwaltung trifft es das schleppende Papiergeschäft hart, das zuletzt 35 Prozent des Konzernumsatzes bildete. Den Bereich Industrielle Services, der mit rund 18.000 Beschäftigten für etwa eine Milliarde Euro und ein Fünftel des Konzernumsatzes stand, will Lienhard komplett abstoßen. Er wird in der Konzernbilanz bereits als nicht fortgeführte Aktivität klassifiziert. Im künftigen operativen Geschäft setzt der Voith-Chef stattdessen auf internetbasierte Steuerungssysteme. Seine Devise: „Unser Unternehmen hat schon die erste industrielle Revolution maßgeblich mitgestaltet. Jetzt wollen wir auch in der digitalen Revolution ganz vorne dabei sein.“ Smart Devices, also Geräte mit sensorgestützter Informationsverarbeitung, zählen dazu, aber auch künstliche Intelligenz und Robotik. Um bei Industrie 4.0 in der Automatisierungstechnik den Takt vorgeben zu können, beteiligte sich Voith 2015 zu 25,1 Prozent am Roboterhersteller Kuka.

Die zukunftsträchtigste Baumaßnahme ließ sich „Architekt“ Lienhard im Dezember 2015 vom Aufsichtsrat absegnen: die digitale Agenda. Sie sieht unter anderem die Gründung eines neuen Konzernbereichs Voith Digital Solutions vor. Darin soll künftig das gesamte Know-how des Konzerns im Bereich Industrie 4.0 gebündelt werden. Dazu gehören vor allem die in den Sparten Voith Hydro, Paper und Turbo vorhandenen Kompetenzen in den Bereichen Automatisierung, Software, IT, Digitalisierung und Sensorik.

Bildnachweis: Creatas Video/GettyImages (5), Image Bank Film/GettyImages, PR(24)

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