Auf den Spuren Marco Polos

Sie war zwischen 115 v. Chr. und dem 13. Jahrhundert n. Chr. die wichtigste und faszinierendste Handelsroute der Welt und Schlagader der früheren Globalisierung: die Seidenstraße. Ihren Namen verdankt sie dem deutschen Geografen und Asienforscher Professor Ferdinand von Richthofen, der sie Mitte des 19. Jahrhunderts so taufte. „Seidenstraße“ ist seitdem der Sammelbegriff für eine Reihe verzweigter Handelsrouten, die zwischen China und dem römischen Reich existierten. Mit Karawanen von bis zu 1.000 Kamelen wurde jahrhunderte­lang Roms Geldadel mit chinesischer Seide versorgt. Etwa 10.000 Kilometer lang soll die historische Seidenstraße insgesamt gewesen sein. Eine Karawanenreise von China zum Mittelmeer und zurück dauerte sechs bis acht Jahre. Die Händler nutzten deshalb zunehmend nur Teilstrecken und tauschten unterwegs ihre Waren mit anderen Händlern aus.

<p>Mit bis zu 1.000 Kamelen waren die Händler zu Zeiten Marco Polos (li.) auf der Seidenstraße unterwegs.</p>

Mit bis zu 1.000 Kamelen waren die Händler zu Zeiten Marco Polos (li.) auf der Seidenstraße unterwegs.

Die lange, kurvenreiche Route begann in den alten Hauptstädten Luoyang und Xi’an, führte über den Gelben Fluss in Lanzhou und folgte dann entlang dem „Hexi-Korridors“ durch das Pamirgebirge und die Taklamakan-Wüste bis ans Mittelmeer. Das verzweigte Straßen- oder besser: Wegenetz verlief durch Gebiete und Länder, die wir heute unter den Namen China, Indien, Pakistan, Afghanistan, Kirgisistan, Tadschikistan, Usbekistan, Turkmenistan, Iran und Türkei kennen.

„China schafft gerade die Grundlagen für eine geostrategische Machtverschiebung in Eurasien.“

Moritz Rudolf, Asien-Experte am Mercator Institute for China Studies

Der Handel entlang der Strecke lag fest in der Hand asiatischer Geschäftsleute, die auch Pferde, Rinder, Felle, Häute und Luxusartikel wie Elfenbein, Jade, Glas und Keramik ausführten. Im Gegenzug fanden Waren wie Gurken, Walnüsse, Sesam, Feigen und Granatäpfel den Weg nach China. Doch nicht nur Seidenstoffe, Gewürze und Geschichten gelangten mit den Kaufleuten, Gelehrten und Armeen von Ost nach West und umgekehrt, sondern auch Ideen, Erfindungen, Kulturen und Religionen. Der Buddhismus fand über die Seidenstraße von Indien nach China, das Christentum verbreitete sich gen Osten. Ihre letzte Blüte erlebte die Seidenstraße zu Zeiten des Venezianers Marco Polo, der am Hofe des Kublai Khan diente. Doch der verstärkte Seehandel ab dem 13. Jahrhundert leitete schließlich den Niedergang des uralten Highways ein. Der Seeweg war schneller und sicherer und damit wirtschaftlicher. 1498 entdeckte Vasco da Gama die Schiffsroute nach Indien von Europa aus. Damit war das Ende der Seidenstraße als Karawanenroute besiegelt.

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