Interview

„Zugkraft für die Weltwirtschaft“

Wie bewerten Sie die Seidenstraßen-Initiative Chinas?
Das Projekt steht und fällt mit der Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB). Und da steht die Entwicklung noch sehr am Anfang. Die Bundesregierung hat zwar bereits die deutsche Teilnahme erklärt. Aber erst mit der endgültigen Zusage von zehn Ländern kann die Bank aktiv werden. So lange die angestrebten 100 Milliarden Dollar Grundkapital nicht eingesammelt sind, kann noch nichts finanziert werden. Aber im Laufe dieses Jahres wird es richtig losgehen. Auch kann die Bank dann noch mehr Geld an den Kapitalmärkten zusammentragen und daraus ein Mehrfaches des Grundkapitals als Finanzierungsrahmen aufbauen. Dann wird es auch die ersten Projektausschreibungen geben. Es bestehen schon erste kleine Projekte in Pakistan, Kasachstan und Afrika. Die Initiative ist insgesamt eine große Chance für deutsche und europäische Firmen, vor allem als Zulieferer. Noch wissen die Unternehmen nicht genau, wie sie sich einbringen können. Fest steht: Die Chinesen werden die starke Unterstützung westlicher Unternehmen brauchen, um ihre Vision umzusetzen.

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Was bedeutet die Seidenstraße für die Entwicklung neuer Märkte entlang der bereits bekannten Routen?
Sie bringt auf jeden Fall eine gewisse Zugkraft für die Weltwirtschaft, da sehr viele Länder aus wirtschaftlichen Wachstumsregionen dabei sind. Die Chancen, neue Kunden und Märkte zu erschließen, sind gut. Es macht strategisch Sinn, schon jetzt darüber nachzudenken, was die Länder wirklich brauchen. Das ist in erster Linie Infrastruktur, vor allem in den zentralen Bereichen Wasser, Energie und Verkehr.

Welche politischen Probleme könnten aus der Initiative erwachsen?
Die Seidenstraße ist ein Instrument, das China auch nutzt, um den politischen Einfluss in der Region auszuweiten. Seit der neuen Führung unter Präsident Xi ist ein neuer außenpolitischer Kurs zu erkennen. China liegt ja mit einigen Anrainerstaaten wie Japan und Philippinen im Streit. Hier will man an Einfluss gewinnen und diesen auch ausbauen. Durch Bereitstellung von Infrastruktur bekommt China einen ganz anderen Zugriff auf die Anrainerstaaten, auch politisch. Zum Beispiel ist Pakistan einer der wichtigsten strategischen Partner der USA in der Region, da ist die bereitgestellte Unterstützung über 40 Milliarden Dollar schon eine gewisse Dimension. Konfliktpotenzial ist dabei natürlich vorhanden: Wenn die Amerikaner nicht wollen, dass die Chinesen so auftreten, könnten sich politische Probleme ergeben. Am Ende könnten die Amerikaner aber auch daran interessiert sein, dass sich ihre Unternehmen an den zahlreichen Projekten beteiligen.

Wie können sich deutsche Unternehmen und Städte in die Initiative einbringen und davon profitieren?
Nach Duisburg fahren ja schon regelmäßig Züge aus Chongqing. HP hat dort ein zentrales Fertigungswerk, dafür ist die Bahnlinie am wirtschaftlichsten. Daneben wird Hamburg profitieren sowie jede Stadt, in der Handelsströme gebündelt werden. Alle Unternehmen, die im Bereich Infrastrukturausrüstung und Anlagenbau tätig sind, können Aufträge gewinnen, wenn sie das wollen. Es bestehen aber auch massive Risiken, da man in Länder gehen muss, wo die politischen Verhältnisse unübersichtlich sind. In der Regel werden deutsche Unternehmen nicht Generalunternehmer, sondern eher Zulieferer sein.

Welche strategischen Schritte sind auf dem Weg in diese Länder nötig?
Was sicherlich hilft: Kontakte und Beziehungen zu Großunternehmen in China zu entwickeln, auch um überhaupt wahrgenommen zu werden. Unternehmen müssen sich mehr mit Wettbewerbern und potenziellen Lieferanten in China beschäftigen, den Horizont erweitern auf eine Kundenklientel, die man bisher nicht im Blick hatte. Wichtig ist auch der direkte Kontakt zu Regierungsstellen, der erforderlich ist, um an den Märkten teilhaben zu können. Eine zentrale Rolle spielen die chinesischen Provinzregierungen, die über regionale Projekte entscheiden.

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