Interview

„Ungeheure Professionalisierung“

Der Medizintourismus boomt weltweit. Was sind die Gründe dafür?
Es gibt einen wichtigen Treiber: Wenn es um das eigene Leben und die Gesundheit geht, überschreiten die Menschen auch ihre kulturellen Grenzen und nehmen vieles auf sich. Das gilt insbesondere für die neuen Mittel- und Oberschichten in den aufsteigenden Wirtschaftsnationen. Für die Menschen dort liegt das Krankenhaus nicht mehr um die Ecke, sondern irgendwo auf der Welt. Die digitale Vergleichbarkeit von medizinischen Behandlungskosten tut ihr Eigenes dazu.

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Welche weltweiten Trends beobachten Sie?
Auf diesem Gebiet lässt sich eine ungeheure Professionalisierung feststellen. Nicht nur im Hinblick auf die fachlichen Qualitäten der Ärzte und Pflegekräfte, sondern auch im Marketing. Auch deshalb sind die Länder im asiatisch-pazifischen Raum oder die Türkei so erfolgreich, da können sich deutsche Kliniken noch einiges abschauen. Wir werden auch China demnächst als weiteren Anbieter auf diesem Markt erleben. Ein weiterer Trend ist die Telemedizin. Hier sind die USA derzeit führend, dort gibt es das erste Krankenhaus ohne Betten. Die Digitalisierung und Globalisierung führen zu ganz neuen Formen medizinischer Behandlung über Ländergrenzen hinweg.

Und welche Rolle wird Deutschland im globalen Medizintourismus spielen?
Wir haben eine hervorragende Spitzenmedizin an unseren Universitätskliniken. Internationale Koryphäen praktizieren hier. Aber unser gesamtes Gesundheitssystem ist auf die weltweite Vermarktung von ärztlichen Leistungen nur bedingt eingestellt. Bei uns gibt es eine gesundheitliche Vollkaskomentalität im Krankenhauswesen. Das ist mit den marktwirtschaftlich orientierten medizinischen Versorgungszentren zum Beispiel in Südostasien nicht zu vergleichen. Solange sich daran nichts ändert, wird der Medizintourismus in Deutschland wohl ein Nischenmarkt bleiben.

Bildnachweis: Atomic Imagery/GettyImages, PR

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