Interview

„Es braucht aktives Projektmanagement“

Konzerne lagern Geschäftsbereiche oder -prozesse per Outsourcing oder Outtasking aus. Welche Geschäftsbereiche sind davon am ehesten betroffen?
Vor allem in der Fertigungsindustrie wurden Projekte in der Finanzbuchhaltung, beim Einkauf, in der Logistik und in der Personalverwaltung erfolgreich umgesetzt. Unternehmen können bei den Kosten für Personal, Standort und Energie sparen. Die Tendenz geht dabei in Europa zu Near Shore statt Off Shore, also eher zu Standorten und Outsourcing-Partnern in Osteuropa als etwa in Asien. Die Einheiten oder Dienstleister lassen sich bei nur wenigen Flugstunden Distanz zum Firmensitz eher steuern als über Niederlassungen in anderen Zeitzonen und mit einer anderen Geschäftskultur.

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Was kennzeichnet die Prozesse bei mittelständischen Firmen?
Um gute und nachhaltige Lösungen umzusetzen, benötigen sie oftmals einen längeren Projekt- und Umsetzungszeitraum. In der Regel bedeutet das drei bis fünf Jahre für eine erfolgreich abgeschlossene Verlagerung oder den Aufbau von Service- oder Auslandseinheiten. Es braucht vor allem aktives Projektmanagement und seine Zeit, bis die richtige Integrationsform umgesetzt ist und die organisatorischen Schnittstellen zwischen den lokalen Einheiten und den Dienstleistern funktionieren. Bei den Konzernen bedingt vor allem der stärkere Kostensenkungsdruck, dass solche Vorhaben schneller durchgeführt werden. Umso größer ist die Gefahr, dass durch zu schnelle „Lift & Drop“-Ansätze im Anschluss aufwendig nachgebessert werden muss, um Umsetzungsziele wie eine nachhaltige System- und Prozessstandardisierung zu erreichen.

Wann ist es sinnvoll, Geschäftsfelder an Outsourcing-Dienstleister oder interne Shared Service Center auszulagern?
Der Anstoß kommt meist, wenn die Kosten im Vergleich mit anderen Branchenunternehmen zu hoch sind oder sich der internationale Radius der Unternehmen erweitert. Firmen, die solche Schritte zur Ver- beziehungsweise Auslagerung einleiten, müssen sich immer im Klaren sein, was ihre Kernprozesse mit Wettbewerbsvorteil sind, die sie lokal halten, um etwa Diebstahl von geistigem Eigentum oder Auswirkungen auf die lokalen Kunden zu verhindern.

Bildnachweis: Creatas Video/GettyImages (5), Image Bank Film/GettyImages, PR(24)

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