Interview

„Es gibt viele Fallstricke für die Unternehmen“

Wo schauen die Prüfer besonders genau hin?
Es gibt viele Bereiche, denen sich die Betriebsprüfung widmet, und damit viele Fallstricke für die Unternehmen. Besonders kritisch begutachten die Betriebsprüfer die Rückstellungen. 80 Prozent der Unternehmen berichten in unserer Studie, dass dies ein Thema bei der aktuellen Betriebsprüfung war. Das verwundert auch nicht: Da gibt es viele besondere Bewertungsvorschriften und daher für die Prüfer auch mehr zu finden. Darüber hinaus spielt die Bewertung von Wirtschaftsgütern und Wertberichtigungen eine Rolle. Im Bereich der Gewerbesteuer geht es am häufigsten um die Hinzurechnung von Lizenzzahlungen, Mieten und Pachten. Zudem hat die Umsatzsteuer im Rahmen der Außenprüfungen in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen.

Abbildung articles/wenn-der-pruefer-zweimal-klingelt/arne-schnitger.jpg

Worauf achten Betriebsprüfer in diesem Bereich?
Im Bereich der Umsatzsteuer geht es besonders häufig um den Vorsteuerabzug und um die Erbringung von Nachweisen für die Steuerfreiheit von Ausfuhrlieferungen und innergemeinschaftlichen Lieferungen. Auf internationaler Ebene stehen weiterhin die konzerninternen Verrechnungspreise weit oben auf der Agenda. Die G-20-Finanzminister haben Anfang Oktober den OECD-Aktionsplan gegen „Base Erosion and Profit Shifting“ (BEPS) abgesegnet, der – unter anderem – strengere Vorgaben für Verrechnungspreise vorsieht.

Welche Bereiche werden bei den aktuellen Betriebsprüfungen in Unternehmen besonders untersucht?
Die Prüfer widmen sich im Wesentlichen drei Aspekten: den Kostenumlagen, den Gewinnmargen verbundener Unternehmen sowie der Dokumentation der Leistungsbeziehungen zwischen verbundenen Parteien.

Reagieren die Finanzbehörden auf die voranschreitende Internationalisierung durch eine intensivere Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg?
Durchaus, jedoch nicht in jedem Fall. Nur jedes vierte Unternehmen hat während der jüngsten Prüfung einen Informationsaustausch mit ausländischen Steuerbehörden erlebt – zumeist in Form von Auskunftsersuchen. Bei großen Unternehmen werden zudem verstärkt Fachprüfer für Auslandsbeziehungen eingesetzt. „Joint Audits“, also gemeinsame Prüfungen durch Beamte aus mehreren Staaten, sind allerdings noch die Ausnahme.

Bildnachweis: David Mc Glynn/GettyImages, Ilbusca/Istockfoto, filbyfilm/GettyImages, PR (3)

Newsletter abonnieren

Mit dem Newsletter verpassen Sie keine Ausgabe der next: Das Magazin für Vorausdenker

Anmelden
Experten kontaktieren

Sie haben Fragen oder möchten mit einem unserer Experten zu diesem Thema sprechen? Melden Sie sich gerne bei uns.

Kontaktieren
Diesen Beitrag teilen

Hier können Sie den Beitrag über soziale Medien teilen.

Teilen