Fünf Interviews

Bei Google, dem einstigen Start-up, das in Rekordzeit zur zweitwertvollsten Firma der Welt wurde, heißen die gefragtesten Mitarbeiter „Smart Creatives“ – Menschen, die sich durch ein tiefes technisches Verständnis in ihrem Fach­gebiet auszeichnen, einen guten Geschäftssinn haben, intelligent sind sowie kreativ. Um sie zu rekrutieren, sei nichts wichtiger als die Qualität des Einstellungsprozesses, sagt Google-Chairman Eric Schmidt. Google hat deshalb versucht, diesen Prozess zu standardisieren und zu optimieren. So misstraut Google nach dem Motto „Freunde stellen nur falsche Freunde ein“ grundsätzlich Einzelentscheidungen. Gute Mitarbeiter würden höchstens durchschnittliche Mitarbeiter einstellen, aber nie bessere.

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Zwischenzeitlich mussten sich deshalb Bewerber bei Google zwei Dutzend und mehr Interviews mit jeweils anderen Gesprächs­partnern unterziehen, was sich oft über Monate hinweg zog.

Mittlerweile wurde die Zahl auf fünf begrenzt. Geblieben ist der Versuch, eine möglichst objektive, datenbasierte Entscheidung zu erreichen. So sind die Vorstellungsgespräche auf eine halbe Stunde beschränkt. Jeglicher Smalltalk ist dabei verpönt, um keine persönliche Beziehung zustande kommen zu lassen. Anschließend werden die Kernergebnisse der Vorstellungsgespräche schriftlich einer Kommission präsentiert, die dann über die Einstellung entscheidet. Zumindest Eric Schmidt nimmt dafür auch persönliche Defizite in Kauf: „Du wirst mit merkwürdigen Menschen umgehen müssen. Nicht jeder dieser unglaublich klugen Personen ist ein Team-Player. Auch wenn man sie nicht um sich haben möchte, wir brauchen sie trotzdem.“

Ob teamfähig oder nicht, solche Überflieger sorgen bei allen Unternehmen auf der Welt für eine Reihe von weiteren Herausforderungen. Smart Creatives, so Eric Schmidt, sind nicht auf bestimmte Aufgaben beschränkt, sie scheuen sich nicht, ein Risiko einzugehen, lassen sich nicht durch ihren Jobtitel beschränken und äußern Widerspruch, wenn sie anderer Meinung sind. Doch damit nicht genug: Smart Creatives sind vor allem eines: schnell gelangweilt.

Bildnachweis: lesterbee/Istockfoto, Linda Steward/Istockfoto (2), PwC

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