Szenarien für die Morgenstadt

Informationstechnologien sind die Basis, um Städte in Zukunft effektiver zu gestalten. Alle wichtigen Daten der Stadt lassen sich bündeln und in verständliche Kennziffern überführen – vom Stromverbrauch der Straßenlaternen bis zur Messung der Luftqualität. So können Stadtverwalter die Leistungsfähigkeit zentraler Parameter leichter ermitteln, Entscheidungsträger besser beraten und Stadtplaner befähigen, ihre Pläne zu verbessern.

„Ihren großen Wert für die Stadtplanung kann die Informations- und Kommunikationstechnologie nur ausspielen, wenn sie als integrierende Technologie eingesetzt wird“, betont Professorin Ina Schieferdecker, Institutsleiterin vom Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme FOKUS. „Man muss einen holistischen Blick auf die Stadt werfen, um zu erkennen, wie man Einzelsysteme integrieren, orchestrieren und miteinander vernetzen kann. Erst dann lässt sich verstehen, wie sich Verkehrs- und Personenströme oder Ereignisse in der Stadt auf die Mobilität und die Umwelt auswirken und wie sie entsprechend beeinflusst werden können.“

Bei Fraunhofer haben sich zwölf Institute zum Projekt „Morgenstadt“ zusammengetan, um das Thema der Städte von morgen zu bearbeiten. Mit dabei sind auch zahlreiche Unternehmen, die sich davon Erkenntnisse für die Erschließung neuer Märkte versprechen, wie Bosch, VW, EnBW, Daimler, TÜV Süd, IBM, Siemens, die Dorsch Gruppe und Schüco. Zu den Kommunen, die mit daran arbeiten, zählen Düsseldorf, Freiburg, Karlsruhe, Ingolstadt und Norderstedt. In der ersten Evaluierungsphase haben die Forscher konkrete Analysen und Simulationen vor Ort in sechs internationalen Megacitys wie Tokio und New York vorgenommen. Inzwischen ist Stufe zwei gestartet. Dabei werden Projekte mit der Industrie und den Verwaltungen umgesetzt, die es erlauben, im größeren Rahmen eine Referenzarchitektur für die Informations- und Kommunikationstechnologie in einer smarten Stadt zu entwickeln.

Chancen für Kooperationen in Smart-City-Projekten bieten sich auch für den Mittelstand – mit der internationalen Microsoft-Initiative „City Next“. Das sind aktuelle Cloud- und Big-Data-Technologien sowie mobile und Social-Media-Anwendungen, mit denen Städte Herausforderungen wie schnelles Wachstum, begrenzte Budgets und erweiterte kommunale Dienstleistungen besser managen können. Die rund 36 000 deutschen Partnerunternehmen von Microsoft – überwiegend aus dem Mittelstand – können auf der Basis von Produktivitäts- und Plattform-Technologien Lösungen für smarte Städte entwickeln. Dabei können sich sowohl Städte als auch Unternehmen von einer Vielzahl von Beispielen inspirieren lassen.

Thomas Langkabel, National Technology Officer (NTO) bei Microsoft: „Es gibt bereits Tausende von Partnerlösungen in anderen Städten auf der Welt, die wir auf der Plattform vorstellen und von denen die Partner lernen können.“ Er und seine Kollegen sind weltweit unterwegs, um jenseits von einzelnen Produkten aufzuspüren, wo sich die neuesten Trends abzeichnen, die Erwartungen der Märkte rechtzeitig zu erkennen und Empfehlungen abzuleiten. Denn schließlich ist jeder Markt, ist jedes Land anders. „Jede Stadt kann smart starten, indem sie sich bei der Börse guter Ideen einfach bedient“, bietet Langkabel an.

Einen neuen Weg, mit der Komplexität der Stadtplanung einfach und intuitiv umzugehen, hat der Bereich Siemens Corporate Technology mit „City Lifecycle Management“ (CLM) an verschiedenen Siemens-Standorten in Princeton, Berlin, München und Wien entwickelt. Mit der Software-Plattform lassen sich Städte ganzheitlich betrachten und Eingriffe in das hochkomplexe System langfristig simulieren und planen. „Allen Beteiligten der Stadtplanung werden so die vielfältigen Folgen ihrer Entscheidungen plastisch vor Augen geführt“, so Martin Powell, Head of Urban Development bei Siemens. Zudem können Nutzer der Plattform „Was wäre, wenn“-Szenarien simulieren – wie zum Beispiel ein anderer Straßenverlauf oder ein höheres Gebäude das Stadtbild verändern oder wie der Einsatz von Fotovoltaikanlagen die Energiebilanz beeinflusst.

Bildnachweis: Fraunhofer, PwC

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